Paarung von Papilio machaon |
Zwei bis drei
Generationen pro Jahr ermöglichen es dem Schwalbenschwanz die winterlichen Verluste wieder
auszugleichen. Gegenüber der ersten Generation, die bereits ab April bis in den Juni hinein fliegt,
weist die zweite, von Juli bis August zu beobachtende Generation etwa doppelt so viele Falter auf.
Um insbesondere während der individuenärmeren ersten Generation eine sichere Geschlechterfindung
zu gewährleisten, zeigt der Schwalbenschwanz das sog. "hilltopping"-Verhalten: Männliche Falter
sammeln sich an Geländeerhebungen wie Hügelkuppen, Geröllhalden oder auch Ruinen. Dort setzen sich
die stärksten Falter gegenüber ihren Geschlechtsgennossen durch und besetzen die attraktivsten
Reviere, die meist an der höchsten Stelle des "hilltopping"-Platzes gelegen sind. Frisch geschlüpfte
Weibchen suchen ebenfalls diese Örtlichkeiten auf und finden so auch in Gegenden mit niedriger
Populationsdichte sicher und schnell einen Geschlechtspartner. Da auch die Weibchen an die
höchsten Stellen streben, ist ferner gewährleistet, dass sie zumeist vom dominanten und kräftigsten
Männchen begattet werden. Im Nahbereich dienen Sexuallockstoffe, die sog. Pheromone, der
olfaktorischen Geschlechterfindung. Interessanterweise sind diese beim Schwalbenschwanz sogar für
uns Menschen wahrnehmbar: Paarungsbereite Männchen verströmen einen angenehmen blumig-süßen Duft.
Die Paarung selbst dauert ca. 1 1/2 Stunden und findet meist in den frühen Nachmittagsstunden statt.
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Während männliche
Falter weiterhin am hilltopping-Platz verweilen, vagabundieren die Weibchen nach der Begattung auf
der Suche nach geeigneten Eiablagepflanzen weit umher. Zahlreiche Umbelliferen (Doldenblütler)
kommen als Raupenfutterpflanzen in Frage. Die bedeutsamsten sind jedoch Silaum silaus,
Pimpinella saxifraga, Carum carvi, Pastinaca sativa und Peucedanum spec..
Wilde Möhre scheint entgegen häufiger Literaturangaben eine geringere Rolle zu spielen. Auch in Gärten
finden sich regelmäßig Eier und Raupen. Hier erweisen sich vor allem Dill, Möhre und Fenchel
als attraktive Ablagepflanzen. Trotz ihrer guten Anpassungsfähigkeit an verschiedene Biotopstrukturen
bevorzugen die Falter bei der Eiablage Stellen mit begünstigtem Mikroklima. Pflanzen auf spärlich
oder unbewachsenem, vielleicht sogar steinigem Boden stehen wärmer und ermöglichen ein schnelleres
Raupenwachstum. Daher werden gerade Sämlinge und Jungpflanzen an teilweise nur kleinen Störstellen
wie Maulwurfshaufen, Wegen, ausgeräumten Gräben o.ä. von den Weibchen bevorzugt. Ähnlich günstige
Störstellen bieten auch die von Unkraut befreiten, frisch geharkten Beete in Gemüse- und Kräutergärten.
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Schwalbenschwanzweibchen bei der Eiablage |
frisch abgelegtes (noch gelbliches) Schwalbenschwanzei |
Während die erste
Weibchengeneration aufgrund der Pflanzenentwicklung und der noch kühleren Witterung ihre Eier an
Grundblätter von Jungpflanzen heftet, werden durch die zweite Generation gerne knospige Blütendolden
der Futterpflanzen belegt. Die anfangs gelblich-weißen Eier dunkeln im Laufe ihrer Reifung. Etwa
ein bis zwei Tage nach der Ablage bildet sich bei befruchteten Eiern ein bräunlicher
Äquatorialring, der sich allmählich verbreitert und über das gesamte Ei ausdehnt. Ungefähr einen
Tag vor dem Schlüpfen des Räupchens färbt dessen durchscheinende Haut das Ei schließlich schwarz.
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Die schwarze Jungraupe
besitzt einen grau-weißen Sattelfleck, der der Raupe ein an Vogelkot erinnerndes Erscheinungsbild gibt.
Das ohnehin schwer zu entdeckende Räupchen wird wegen dieser als Vogelkotmimese bezeichneten
Täuschungsstrategie für potentielle Fressfeinde relativ unattraktiv. Darüberhinaus
besitzen Papilio-Raupen noch über eine Abschreckungswaffe: Bei Gefahr, ausgelöst durch taktile
Reize, stülpen sie eine hinter dem Kopf gelegene auffällig orange-gelbe Nackengabel, das
Osmaterium, kurzzeitig aus. Diese verströmt bei jungen und halberwachsenen Raupen noch einen
würzig aromatischen Geruch. Bei ausgewachsenen Raupen verbreitet sie jedoch einen süßlich-faden
penetranten Gestank, der beim Durchstreifen von mit Raupen besetzen Wiesen oft noch vor der Raupe,
an die man versehentlich angestoßen ist, bemerkt wird. Inwieweit das Osmaterium wirklich zur
Abschreckung von Feinden dient, konnte bisher noch nicht ausreichend geklärt werden. Eine mögliche
Erklärung wäre, dass mit diesem für Säugernasen sehr unangenehmen Geruch nicht die Prädatoren der
Raupen, sondern Schafe und andere Pflanzenfresser von den Futterpflanzen der Raupen ferngehalten
werden sollen. In diesem Zusammenhang muss z.B. die Situation des Streifenbläulings erwähnt werden,
dessen Raupen über keine solche Abschreckungsmittel verfügen und bei einer zu frühen Beweidung
von den Schafen mitsamt ihrer schmackhaften Futterpflanze einfach mitvertilgt werden. Dieser Umstand
hat mancherorts bereits zum Verschwinden des Streifenbläulings geführt. |
Jungraupe von Papilio machaon mit typischer Vogelkotmimese |
erwachsene Raupe des Schwalbenschwanzes an Pastinak |
Besonders in der
ersten Augustwoche kann man erwachsene Schwalbenschwanzraupen an geeigneter Stelle finden. Zu
dieser Zeit bieten die am Straßenrand wachsenden stattlichen Pastinakpflanzen eine üppige
Futterquelle, die regelmäßig mit einer oft beachtlichen Anzahl von Raupen besetzt ist. Eine für
mich nicht nachvollziehbare "Pflegemaßnahme" gefährdet jedoch alljährlich diese Schwalbenschwanzbestände:
Im Spätsommer oder Herbst werden regelmäßig und systematisch Straßenränder, Böschungen und Gräben
ausgemäht und damit neben den Futterpflanzen mit Raupen auch die bereits in der näheren Umgebung
verpuppten Tiere vernichtet. Man könnte diese Problematik durch eine angepasste Mahd umgehen. Zum
einen könnte der Pflegetermin generell auf den Mai des folgenden Jahres verlegt werden, auf eine
Zeit also, zu der die in der Krautschicht verborgenen Puppen bereits die Falter entlassen haben. Zum
anderen könnten bei einer im Sommer oder Herbst stattfindenden Mahd Pastinakbestände, die auch für
Laien und bereits auf Distanz leicht zu erkennen sind, ausgespart bleiben. |
Bei der Puppe des
Schwalbenschwanzes handelt es sich um eine sog. Gürtelpuppe. Die verpuppungsbereite Raupe spinnt
sich vor ihrer letzten Häutung zur Puppe an einem Pflanzenstengel eine seidene Fußplatte zurecht,
an der sie sich mit dem letzten Beinpaar, dem Nachschieber, einhakt. Danach spinnt sie am
Übergang vom vorderen zum mittleren Körperdrittel einen Seidenfaden um sich herum, den sie links
und rechts ebenfalls am Pflanzenstengel verankert. Nach dem Abstreifen der letzten Raupenhaut kommt
es darüberhinaus zu einem Verkleben zwischen frischer Puppenhülle und Gürtelfaden, so dass die
Sicherung nahezu perfekt ist. Je nach Färbung der Umgebung nehmen die Puppen entweder eine grüne,
in dürrem und abgestorbenem Kraut auch eine grau-braune Tönung an. So getarnt entwickeln sich in
ihnen innerhalb von 14 Tagen die Falter der nächsten Generation. Puppen, deren Raupen bei weniger
als 16,5 Stunden Licht pro Tag aufgewachsen sind, wie dies bei der Sommergeneration der Fall ist,
überwintern jedoch. Gut verborgen trotzen sie Wind und Wetter, um erst im darauffolgenden Frühjahr
die Falter zu entlassen. Veständlicherweise wird während dieser langen Ruhephase ein großer Teil
der Puppen durch Vögel, Mäuse, Parasiten oder auch menschliche Einflüsse vernichtet, wodurch
sich die relative Individuenarmut der Frühjahrsgeneration erklärt. |
Puppe von Papilio machaon |
Schwalbenschwanzraupe, im Kräutergarten auf Dill entdeckt |
Der Schwalbenschwanz
ist ein guter Flieger. Die Weibchen streifen bei der Suche nach Eiablagemöglichkeiten weit umher
und kommen dadurch auch regelmäßig in unsere Gärten. Die unsteten Falter sind selten länger zu
beobachten, die Begegnungen mit ihnen sind meist nur flüchtig. Durch eine geeignete Bepflanzung hat
man jedoch eine echte Chance, den Schwalbenschwanz in den Garten zu locken und auch seinen Raupen
gute Entwicklungsmöglichkeiten zu verschaffen. Der Falter selbst wird u.a. durch den Schmetterlingsflieder
magisch angezogen und verweilt besonders an den blau-violetten Blüten sehr lange. Gerne saugt er
in Gärten auch an Phlox, in der Natur an Disteln, Rotklee und Skabiosen. Kräutergärten und Gemüsebeete
mit Möhren in prallsonniger Lage werden regelmäßig zur Eiablage genutzt. Sie sollten die stets nur
in wenigen Exemplaren zu findenden Raupen auf Dill, Fenchel oder Möhren belassen! Die Raupen sind
gute Futterverwerter und fressen so wenig, dass ihre Fraßspuren oft unentdeckt bleiben. In keinem
Fall werden Ihre Kulturpflanzen dadurch geschädigt. Wollen sie den Schwalbenschwanz zur Eiablage
vielleicht sogar anlocken, so sollten sie die Beete nur dünn bepflanzen und auf eine vollsonnige
Lage achten. Da insbesondere Jungpflanzen und zarte Triebe über wärmespeicherndem Boden bei der
Eiablage bevorzugt werden, sollten sie den Boden regelmäßig harken und von "Unkräutern" frei halten.
Verzichten Sie in diesem Zusammenhang auch auf das ansonsten zu empfehlende Mulchen. Insektizide
sollten selbstverständlich obsolet sein! Da die Puppen einen ungestörten Überwinterungsplatz
brauchen, sollten in der Umgebung der Raupenfutterpflanzen befindliche dürre Krautsäume nicht schon
im Herbst beseitigt werden, sondern nach Möglichkeit erst im nächsten Frühjahr. Dürres Kraut bitte
nicht verbrennen! Noch ein Tipp zum Schluss: Auch wenn sie noch so interessiert sind, vergessen Sie
es, die gut getarnten Puppen finden zu wollen. Sie werden sie im Normalfall nicht entdecken! |