Der Apollofalter (Parnassius apollo L. 1758)

(Rote Liste Bayerns: Gefährdungsgrad 2)


zur Bildsammlung
Als einziger der in Deutschland vorkommenden Schmetterlinge genießt der Apollofalter durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen auch internationalen Schutz. Er zählt gemäss der "Roten Liste" zu den gefährdeten Arten. Trotz dieser formellen Einstufung als besonders geschützte Art wird der Falter durch zunehmende Veränderung des natürlichen Lebensraumes immer seltener. Von den bisher 278 beschriebenen Subspezies sind einige bereits heute ausgerottet. Auch der Bestand der in der Altmühlalb vorkommenden Unterart melliculus ist nicht ungefährdet und bedarf Unterstützung durch geeignete Pflegemaßnahmen.

für eine größere Darstellung bitte hier klicken

 
Sedum album-Pflanze an ihrem natürlichen Standort
Die Raupen der Apollofalter sind Futterspezialisten. Die Futterpflanze der in Deutschland vorkommenden Unterarten ist Weißer Mauerpfeffer (Sedum album). Dieser wächst ausschließlich auf wasserdurchlässigen Böden sonnig-warmer, jedoch nicht zu trockener felsiger Standorte mit dünner Humusschicht, wo der karge Boden eine Überwucherung durch andere Pflanzen zumindest mittelfristig nicht zulässt. Das Verbreitungsgebiet der Art beschränkt sich daher in Deutschland auf Ausläufer der Alpen, Mittelgebirge und die felsigen Steilhänge entlang einiger Flussläufe. An den durch Steinschlag und Erdrutsche neu entstehenden Störstellen verschafft der Pioniercharakter von S. album dieser Pflanze einen gewissen Besiedelungsvorsprung.
Im Laufe der Jahre kommt es jedoch allmählich zur Ansiedelung von Gräsern und Büschen, schließlich zur Bewaldung, die die sonnenhungrige Futterpflanze verdrängt und somit dem Apollofalter die Lebensgrundlage entzieht. Der Mensch konnte diesen als Sukzession bezeichneten Vorgang vielerorts durch die über Jahrhunderte betriebene Schafweide und den Holzeinschlag aufhalten. Erst durch Aufgabe traditioneller landwirtschaftlicher Nutzungsformen fielen lange Zeit offen gehaltene Standorte der Sukzession anheim.
für eine größere Darstellung bitte hier klicken

 
Naturschutzgebiet 12-Apostel: Hier konnte der Mensch die Sukzession bisher noch aufhalten.
für eine größere Darstellung bitte hier klicken

 
Sekundärbiotop Strassenböschung
Heute beherrbergen vor allem die künstlichen Biotope, wie z. B. erdarme, mit groben Steinen befestigte Straßenböschungen oder Abraumhalden des Plattenkalkabbaus, die größten Apollopopulationen. Nur zu oft jedoch werden solche Biotope nicht erkannt, mit Erde überschichtet und mit Gehölzen bepflanzt oder Plattenkalkhalden zur Zementherstellung abgetragen. Das Überleben des Apollofalters ist daher heute sowohl in seinem natürlichen wie auch in den Ersatzbiotopen extrem gefährdet.
Parnassius apollo ist streng einbrütig. Während eines Jahres entwickelt sich nur eine einzige Generation. Die Eier werden einzeln während der knapp vierwöchigen Flugzeit von Juli bis August in der näheren Umgebung von Sedum album-Pflanzen an diverses Material bodennah abgelegt. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Eier auf der Futterpflanze selbst, auf anderen Pflanzen oder sogar auf Steinen abgelegt werden, denn die robusten Jungraupen sind gut zu Fuß und finden ihr Futter zielstrebig. Fertig entwickelt liegen sie bereits im Herbst in den dickschaligen Eiern, verlassen diese jedoch erst im folgenden Jahr zur Zeit der Schneeschmelze.
für eine größere Darstellung bitte hier klicken

 
Ei von Parnassius apollo
für eine größere Darstellung bitte hier klicken

 
Jungraupen von P. apollo beim Sonnenbad auf einem trockenen Blatt
Die Tiere brauchen in diesem Stadium eine ausreichende Bodenfeuchte bei gleichzeitig intensiver Sonneneinstrahlung. An den für ein Sonnenbad besten Plätzen sitzen die Jungraupen oft in Grüppchen zusammen, vereinzeln sich jedoch mit zunehmender Größe.
Die Verpuppung erfolgt von Ende Mai bis Juni in einem groben netzartigen Geflecht zwischen Steinen am Boden. In dieser Phase stellen Fossiliensammler oder auch unkundige Fotografen eine echte Bedrohung für die Art dar, denn es muss jeder Schritt genau überlegt sein um ein Zertreten von Puppen zu vermeiden. Die Schlupfzeit beginnt nach einer vierwöchigen Puppenruhe im Juni/Juli.
für eine größere Darstellung bitte hier klicken

 
zwischen Plattenkalkscherben eingesponnene Puppe des Apollofalters
für eine größere Darstellung bitte hier klicken

 
Paarung des Apollofalters: Oben das Weibchen, passiv an dessen Abdomen hängend das Männchen;
Männliche Falter streben, mit dem für diese Schmetterlingsart typisch raschelden Flügelschlag, die kargen heissen Hänge ihres Lebensraumes empor oder segeln, getragen von den aufsteigenden warmen Luftströmen, diese wieder hinunter. Sobald in der niedrigen Vegetation ein frisch geschlüpftes Weibchen seine Flügel ausbreitet, stürzen sich die Männchen herab und gehen nach kurzer Balz die Paarung ein.
Da die Weibchen bereits mit einem fertig entwickelten Vorrat von ca. 40 Eiern schlüpfen, beginnt die Ablage schon am nächsten Tag. Während des nur wenige Wochen dauernden Falterlebens können jedoch bei guter Ernährung noch mehr als 100 Eier nachreifen.
für eine größere Darstellung bitte hier klicken

 
Eiablage: Das Weibchen krümmt den Hinterleib nach vorne und heftet ein einzelnes Ei an einen Fruchtstand von S. album
für eine größere Darstellung bitte hier klicken

 
Apollofalterweibchen beim Blütenbesuch
Als Futterquelle für die Falter spielen blauviolette Blüten, z. B. von verschiedenen Distel-, Knautia- oder Centaurea-Arten, eine wichtige Rolle. Da sich der Aktionsradius der Falter im Wesentlichen auf das Areal begrenzt, das der Art bereits als Raupenbiotop gedient hatte, ist ein Nebeneinander von entsprechenden Falterblüten und der Fraßpflanze Sedum album Voraussetzung für ein geeignetes Fluggebiet.
Zur Stützung der im Landkreis Eichstätt bestehenden Apollofaltervorkommen ergeben sich zwei Ansätze. Zum einen herrscht an den natürlichen Biotopen mittlerweile oft ein Mangel an Raupenfutterpflanzen. Diese wurde im Rahmen der Sukzession kontinuierlich durch Gräser und Strauchwerk verdrängt, was zum Verschwinden des Apollofalters z. B. an der Arnsberger Leite geführt hat.
für eine größere Darstellung bitte hier klicken

 
fortschreitende Sukzession verdrängt die Futterpflanze: Pflegemaßnahmen sind hier dringend nötig.
für eine größere Darstellung bitte hier klicken

 
ruhender Apollofalter
Wichtigste Aufgabe in diesen Biotopen ist daher die Freistellung noch bestehender Sedumbestände durch Entbuschungsaktionen, wie sie alljährlich auch von der Kreisgruppe Eichstätt des Bund Naturschutz organisiert werden. Wenn es gelingt, die Sedumbestände wieder zu vergrößern, wird mit Sicherheit auch der Apollofalter wieder an seine angestammten Lebensräume zurückkehren.
Zum anderen bestehen die stabilsten Populationen des Apollofalters heute jedoch in Ersatzbiotopen mit üppigem Sedumvorkommen, wie wir sie in unserem Landkreis v. a. in Form von Abraumhalden des Plattenkalkabbaus vorfinden. Bedroht werden diese Biotope durch das Abtragen der Halden durch die Zementindustrie, die Nutzung der Plattenkalkscherben als Auffüllmaterial bei Baumaßnahmen, z.B. bei der ICE-Trasse von Ingolstadt nach Nürnberg, oder die "Nutzung" als Mülldeponie, Containerabstellfläche oder Erschließung zum Gewerbegebiet, wie es z. B. in Wintershof der Fall ist. Hier liegt eine weitere Möglichkeit, den Apollofalterbestand zu stützen: aktive Aufklärungsarbeit muss geleistet werden, da vielfach die Bedeutung solcher "öden" Halden noch nicht erkannt wurde.
für eine größere Darstellung bitte hier klicken

 
ausgewachsene Raupe des Apollofalters (hier P. apollo melliculus)
für eine größere Darstellung bitte hier klicken

 
Apollofaltermännchen
Oftmals herrscht in den Ersatzbiotopen ein Mangel an Falterblüten. Auch der Sukzession muss Einhalt geboten werden, um die vorhandenen Sedum-Bestände zu erhalten. Daher sollten auch Sekundärbiotope gepflegt werden und durch Entbuschungsaktionen der Sedum-Bewuchs dort freigestellt werden, wo er durch aufkommende Sträucher zunehmend beschattet und verdrängt wird. Das anfallende Strauchwerk könnte vor Ort verbrannt werden, womit gleichzeitig Störstellen geschaffen würden, an denen sich Disteln als Saugblüten für die Falter ansiedeln könnten, womit auch diesem Mangel Abhilfe geschaffen werden könnte.

ein Beitrag von Andreas Haller, Ingolstadt (erstellt 03/2001)