Sedum album-Pflanze an ihrem natürlichen Standort |
Die Raupen der
Apollofalter sind Futterspezialisten. Die Futterpflanze der in Deutschland vorkommenden Unterarten
ist Weißer Mauerpfeffer (Sedum album). Dieser wächst ausschließlich auf
wasserdurchlässigen Böden sonnig-warmer, jedoch nicht zu trockener felsiger Standorte mit
dünner Humusschicht, wo der karge Boden eine Überwucherung durch andere Pflanzen zumindest
mittelfristig nicht zulässt. Das Verbreitungsgebiet der Art beschränkt sich daher in
Deutschland auf Ausläufer der Alpen, Mittelgebirge und die felsigen Steilhänge entlang
einiger Flussläufe. An den durch Steinschlag und Erdrutsche neu entstehenden Störstellen
verschafft der Pioniercharakter von S. album dieser Pflanze einen gewissen
Besiedelungsvorsprung. |
Im Laufe der Jahre
kommt es jedoch allmählich zur Ansiedelung von Gräsern und Büschen, schließlich zur
Bewaldung, die die sonnenhungrige Futterpflanze verdrängt und somit dem Apollofalter die
Lebensgrundlage entzieht. Der Mensch konnte diesen als Sukzession bezeichneten Vorgang vielerorts
durch die über Jahrhunderte betriebene Schafweide und den Holzeinschlag aufhalten. Erst durch
Aufgabe traditioneller landwirtschaftlicher Nutzungsformen fielen lange Zeit offen gehaltene
Standorte der Sukzession anheim. |
Naturschutzgebiet 12-Apostel: Hier konnte der Mensch die Sukzession
bisher noch aufhalten. |
Sekundärbiotop Strassenböschung |
Heute beherrbergen
vor allem die künstlichen Biotope, wie z. B. erdarme, mit groben Steinen befestigte Straßenböschungen oder
Abraumhalden des Plattenkalkabbaus, die größten Apollopopulationen. Nur zu oft jedoch
werden solche Biotope nicht erkannt, mit Erde überschichtet und mit Gehölzen bepflanzt oder Plattenkalkhalden zur Zementherstellung
abgetragen. Das Überleben des Apollofalters ist daher heute sowohl in seinem natürlichen
wie auch in den Ersatzbiotopen extrem gefährdet. |
Parnassius apollo
ist streng einbrütig. Während eines Jahres entwickelt sich nur eine einzige Generation.
Die Eier werden einzeln während der knapp vierwöchigen Flugzeit von Juli bis August in
der näheren Umgebung von Sedum album-Pflanzen an diverses Material bodennah abgelegt.
Dabei spielt es keine Rolle, ob die Eier auf der Futterpflanze selbst, auf anderen Pflanzen oder
sogar auf Steinen abgelegt werden, denn die robusten Jungraupen sind gut zu Fuß und finden
ihr Futter zielstrebig. Fertig entwickelt liegen sie bereits im Herbst in den dickschaligen Eiern,
verlassen diese jedoch erst im folgenden Jahr zur Zeit der Schneeschmelze. |
Ei von Parnassius apollo |
Jungraupen von P. apollo beim Sonnenbad auf einem trockenen Blatt |
Die Tiere brauchen
in diesem Stadium eine ausreichende Bodenfeuchte bei gleichzeitig intensiver Sonneneinstrahlung. An
den für ein Sonnenbad besten Plätzen sitzen die Jungraupen oft in Grüppchen zusammen,
vereinzeln sich jedoch mit zunehmender Größe. |
Die Verpuppung
erfolgt von Ende Mai bis Juni in einem groben netzartigen Geflecht zwischen Steinen am Boden. In
dieser Phase stellen Fossiliensammler oder auch unkundige Fotografen eine echte Bedrohung für die
Art dar, denn es muss jeder Schritt genau überlegt sein um ein Zertreten von Puppen zu
vermeiden. Die Schlupfzeit beginnt nach einer vierwöchigen Puppenruhe im Juni/Juli. |
zwischen Plattenkalkscherben eingesponnene Puppe des Apollofalters |
Paarung des Apollofalters: Oben das Weibchen, passiv an dessen Abdomen hängend das Männchen; |
Männliche
Falter streben, mit dem für diese Schmetterlingsart typisch raschelden Flügelschlag, die kargen heissen Hänge ihres Lebensraumes empor oder
segeln, getragen von den aufsteigenden warmen Luftströmen, diese wieder hinunter. Sobald in
der niedrigen Vegetation ein frisch geschlüpftes Weibchen seine Flügel ausbreitet,
stürzen sich die Männchen herab und gehen nach kurzer Balz die Paarung ein. |
Da die Weibchen
bereits mit einem fertig entwickelten Vorrat von ca. 40 Eiern schlüpfen, beginnt die
Ablage schon am nächsten Tag. Während des nur wenige Wochen dauernden Falterlebens
können jedoch bei guter Ernährung noch mehr als 100 Eier nachreifen. |
Eiablage: Das Weibchen krümmt den Hinterleib nach vorne und
heftet ein einzelnes Ei an einen Fruchtstand von S. album |
Apollofalterweibchen beim Blütenbesuch |
Als Futterquelle
für die Falter spielen blauviolette Blüten, z. B. von verschiedenen Distel-,
Knautia- oder Centaurea-Arten, eine wichtige Rolle. Da sich der Aktionsradius der Falter im
Wesentlichen auf das Areal begrenzt, das der Art bereits als Raupenbiotop gedient hatte, ist ein
Nebeneinander von entsprechenden Falterblüten und der Fraßpflanze Sedum album
Voraussetzung für ein geeignetes Fluggebiet. |
Zur Stützung
der im Landkreis Eichstätt bestehenden Apollofaltervorkommen ergeben sich zwei Ansätze.
Zum einen herrscht an den natürlichen Biotopen mittlerweile oft ein Mangel an Raupenfutterpflanzen. Diese wurde im
Rahmen der Sukzession kontinuierlich durch Gräser und Strauchwerk verdrängt, was zum
Verschwinden des Apollofalters z. B. an der Arnsberger Leite geführt hat. |
fortschreitende Sukzession verdrängt die Futterpflanze: Pflegemaßnahmen sind hier dringend nötig. |
ruhender Apollofalter |
Wichtigste Aufgabe
in diesen Biotopen ist daher die Freistellung noch bestehender Sedumbestände durch
Entbuschungsaktionen, wie sie alljährlich auch von der Kreisgruppe Eichstätt des Bund Naturschutz
organisiert werden. Wenn es gelingt, die
Sedumbestände wieder zu vergrößern, wird mit Sicherheit auch der Apollofalter wieder an seine
angestammten Lebensräume zurückkehren. |
Zum anderen bestehen die
stabilsten Populationen des Apollofalters heute jedoch in Ersatzbiotopen mit üppigem
Sedumvorkommen, wie wir sie in unserem Landkreis v. a. in Form von Abraumhalden des
Plattenkalkabbaus vorfinden.
Bedroht werden diese Biotope durch das Abtragen der Halden durch die
Zementindustrie, die Nutzung der Plattenkalkscherben als Auffüllmaterial bei Baumaßnahmen,
z.B. bei der ICE-Trasse von Ingolstadt nach Nürnberg, oder die "Nutzung" als Mülldeponie,
Containerabstellfläche oder Erschließung zum Gewerbegebiet, wie es z. B. in Wintershof der Fall ist.
Hier liegt eine weitere Möglichkeit, den Apollofalterbestand zu stützen: aktive
Aufklärungsarbeit muss geleistet werden, da vielfach die Bedeutung solcher "öden" Halden
noch nicht erkannt wurde. |
ausgewachsene Raupe des Apollofalters (hier P. apollo melliculus) |
Apollofaltermännchen |
Oftmals herrscht in
den Ersatzbiotopen ein Mangel an Falterblüten. Auch der Sukzession muss Einhalt geboten
werden, um die vorhandenen Sedum-Bestände zu erhalten. Daher sollten auch Sekundärbiotope
gepflegt werden und durch Entbuschungsaktionen der Sedum-Bewuchs dort freigestellt werden,
wo er durch aufkommende Sträucher zunehmend beschattet und verdrängt wird.
Das anfallende Strauchwerk könnte vor Ort verbrannt werden, womit
gleichzeitig Störstellen geschaffen würden, an denen sich Disteln als Saugblüten für
die Falter ansiedeln könnten, womit auch diesem Mangel Abhilfe geschaffen werden könnte. |