Schmetterlingsschutz im Garten - was jeder tun kann

Brennnesseln im Garten


Ein häufig bemühtes Thema wenn es um die Anlage eines schmetterlingsgerechten Gartens geht ist das Belassen oder sogar Anpflanzen von Brennnesseln. Und tatsächlich stellen Brennnesseln die Futterpflanze für eine ganze Reihe von Schmetterlingsraupen dar. Einige von ihnen sind Futterspezialisten, fressen nur Brennnesseln und sind daher auf Gedeih und Verderb auf diese angewiesen. Als Beispiele seien das Tagpfauenauge, der Kleine Fuchs, das Landkärtchen oder der Admiral genannt. Andere Arten befressen verschiedene Pflanzen (man nennt dieses Verhalten polyphag). Sie sind daher nicht von Brennnesseln abhängig, bevorzugen diese Futterpflanze zum Teil jedoch mit auffallender Regelmäßigkeit. Zu nennen wären in diesem Zusammenhang der C-Falter oder auch der Schönbär.

Futterpflanze: Große Brennnessel (Urtica dioica)
obligat
bevorzugt
nur fakultativ
Landkärtchen (Araschnia levana)
Kleiner Fuchs (Aglais urticae)
Tagpfauenauge (Inachis io)
Admiral (Vanessa atalanta)
C-Falter (Polygonum c-album)
Schönbär (Callimorpha dominula)
diverse Bärenraupen

Allerdings ist die Brennnesselstaude im Garten keinesfalls das Nonplusultra des Schmetterlingsschutzes. Zum einen ist keine der Schmetterlingsarten, deren Raupen sich auf Brennnesseln spezialisiert haben, wirklich in ihrem Bestand bedroht. Zum anderen ist aber auch, wie so oft bei Raupenfutterpflanzen, der Standort, die Menge und die Qualität der Pflanzen entscheidend dafür, ob und welche Schmetterlingsarten ihre Eier auf ihnen ablegen.

Weibchen des Kleinen Fuchses bevorzugen zur Eiablage Brennnesseln in prallsonnig-lufttrockenen Biotopen. Ihre Nachkommen finden sich daher hauptsächlich an den Rändern von Feldwegen in zumeist trocken stehenden Gräben der Feldfluren, aber auch in offengelassenen Steinbrüchen, Materialentnahmestellen oder anderen sonnig-warmen Standorten der Futterpflanze. Die Raupen leben anfangs in Nestern mit oft einigen Hundert Individuen zusammen und entblättern im Laufe ihrer Entwicklung auch große Brennnesselbestände.

Tagpfauenaugen suchen zur Eiablage dagegen eher halbschattige, windgeschützte, luftfeucht-warme Brennnesselstandorte auf, wie sie in Mischwälder mit deren Lichtungen oder in feuchten Geländesenken und wasserführenden Gräben vorkommen. Auch sie leben in hoher Individuendichte zusammen und haben einen enormen Nahrungsbedarf. Durch die Präferenz der unterschiedlichen Brennnesselstandorte erhöhen der Kleiner Fuchs und das Tagpfauenauge die Überlebenswahrscheinlichkeit ihrer Art, indem jede ihre spezielle ökologische Nische besetzt.

Arten, deren Raupen in Nestern zusammenleben, stehen solche gegenüber, die nur in Grüppchen oder auch einzeln leben. Das hat zur Folge, dass auch die verfügbare Nahrungsmenge entsprechend niedrig sein kann. Das Landkärtchen z.B. legt seine Eischnüre in mehreren Portionen ab, jeweils mit ca. 20-30 Eiern. Ablageplatz sind halbschattig und eher kühl-feucht stehende Brennnesseln zwischen Gehölzen und an Waldrändern, mit oft nur lichtem Austrieb zwischen den umgebenden krautigen Pflanzen und Gräsern. Dichte üppige Brennnesselbestände, die die übrige Vegetation bereits verdrängt haben, werden vom Landkärtchen (nicht dagegen von Kleinem Fuchs und Tagpfauenauge) meist gemieden.

Der Admiral, ein Wanderfalter der jedes Jahr von Neuem über die Alpen nach Deutschland zu uns fliegt, legt seine Eier stets nur einzeln ab. Er bevorzugt besonnte Brennnesseln. Meist handelt es sich um kräftig und üppig gewachsene Stöcke begrenzter Ausdehnung. Seine Raupen falten ein Brennnesselblatt über der Blattmittelrippe zu einer Tüte zusammen und fressen in ihr meist unbemerkt bis zur Verpuppung.

Wie eingangs erwähnt, spielt für die Schmetterlingsweibchen jedoch auch die Futterqualität eine wichtige Rolle bei der Wahl der Eiablagepflanzen. Das Tagpfauenauge und in noch stärkerem Maße der Kleine Fuchs suchen bevorzugt junge frisch ausgetriebene Brennnesseltriebe auf. Durch chemische Analysen konnte gezeigt werden, dass im Frühling oder aber auch nach einer Mahd im Sommer frisch austreibende Brennnesseln einen relativ hohen Gehalt an Proteinen aufweisen. Bei Blühbeginn nimmt dieser für das Raupenwachstum wichtige Proteingehalt jedoch wieder drastisch ab. Raupen, die im Zuchtversuch mit frisch ausgetriebenem Futter ernährt wurden, wuchsen schneller, verpuppten sich früher und erreichten auch höhere Puppengewichte als vergleichsweise mit alten Brennnesseln gefütterte Tiere, was der Art jeweils wieder einen gewissen Überlebensvorteil liefert.

Was für Folgerungen können abschließend aus all diesen Informationen gezogen werden? Zuerst sollten Sie sich überlegen, welche Ecke Ihres Gartens geeignet ist, einen Brennnesselbestand wachsen zu lassen (sonnig oder schattig, trocken oder feucht, warm oder kühl?). Grundsätzlich werden von den Faltern windgeschützte Standorte bevorzugt. Ferner sollten Sie auch die Größe dieses Bestandes gemäß derjenigen Arten planen, denen Sie eine Nahrungsgrundlage schaffen wollen. Als ein Leitfaden kann die Tabelle am Ende dieses Beitrages herangezogen werden. Schließlich sollten Sie wissen, dass die meisten an Brennnesseln fressenden Schmetterlinge mehrere Generationen pro Jahr ausbilden. Im Hinblick auf die wechselnde Futterqualität heißt das, dass Sie die von Raupen unbesiedelten bereits blühenden Brennnesselbestände abmähen sollten, um durch den Neuaustrieb der nächsten Generation bessere Ablagebedingungen zu schaffen. Sie verhindern damit sogar noch ein ungewolltes Aussamen der Brennnesseln und können das Kraut für die Herstellung einer biologischen Spritzbrühe gegen Blattläuse verwenden. Bei der Planung des Gartens selbstverständlich berücksichtigt werden muss natürlich auch der Nektarbedarf der Falter selbst, der jedoch bei den "Brennnesselfressern" im Sommer sehr leicht durch einen blühenden Schmetterlingsflieder gedeckt werden kann.

Qualitäten des Brennnesselstandortes:
sonnig
(halb)schattig
trocken
großer Bestand:
Kleiner Fuchs

kleiner Bestand:
Admiral
kleiner Bestand:
Landkärtchen, Admiral
luftfeucht
großer Bestand:
Tagpfauenauge

kleiner Bestand:
Landkärtchen, Admiral
großer Bestand:
Tagpfauenauge

kleiner Bestand:
Landkärtchen, Admiral

ein Beitrag von Andreas Haller, Ingolstadt (erstellt am 04.06.2001)