Der Kreuzenzian-Ameisenbläuling
(Maculinea alcon ssp. rebeli Hirschke 1904)

(Rote Liste Bayern: Gefährdungsgrad 1)

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Ameisenbläulinge leben in einer komplizierten Beziehung zu ihren spezifischen Wirtsameisen. Erfolgt die Eiablage und der erste zarte Raupenfraß noch an der Pflanze, so werden die Jungraupen dann relativ rasch von Ameisen adoptiert und entwickeln sich in deren Nestern zum fertigen Schmetterling. Von allen vier in Deutschland vorkommenden Maculinea-Arten wurden bisher drei im Landkreis Eichstätt beobachtet (siehe Rote Liste Bayerns). Aufgrund seines Gefährdungsgrades gilt dem Enzian-Ameisenbläuling unser besonderes Augenmerk.

Enzian-Ameisenbläulinge kommen in zwei Unterarten vor. Die Subspezies alcon lebt an wechselfeuchten Standorten mit Lungenenzian (Gentiana pneumonanthe), der im Landkreis Eichstätt nur an einer Stelle vorkommt und dort nicht von alcon besiedelt ist. Die Ssp. rebeli kommt dagegen in Kalktrockenrasen vor und legt ihre Eier an Kreuzenzian (Gentiana cruciata) ab. Kreuzenzian findet sich bei uns noch relativ häufig, wobei die Anzahl der Pflanzen pro Standort meist nicht hoch ist. Dem Bläuling reichen jedoch wenige Einzelpflanzen um eine stabile Population zu erhalten, und so finden sich im Landkreis Eichstätt noch überraschend viele rebeli-Populationen.
Die Falter sind relativ klein und unscheinbar. Meist sitzen sie mit zusammengeklappten Flügeln und präsentieren nur die graubraune Unterseite mit den schwarzen Flecken. Oberseits sind die Männchen mittelblau mit breiten schwarzen Flügelrändern. In der Mitte der Vorderflügel besitzen sie einen dunklen Fleck. Die Flügeloberseite der Weibchen ist graubraun, an der Flügelbasis blau übergossen.
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Eiablage von M. alcon ssp. rebeli
Die Flugzeit beginnt etwa dann, wenn der Kreuzenzian seine Blütenknospen entwickelt. Die Falter saugen an verschiedenen Korbblütlern oder auch auf Thymian. Weibchen sind häufig bei der Eiablage zu beobachten, da sie hierbei ausgiebig in den Enzianpflanzen herumklettern. Immer wieder betasten sie dabei mit dem Hinterleib Nischen an Knospenansätzen und in Blattachseln. Allerdings werden die kalkweißen Eier oft völlig offen zu mehreren auf Blätter, Triebe, Knospen und Blüten abgelegt und sind hier leicht zu entdecken. Da die schlüpfende Jungraupe die Eischale nicht verzehrt, haften diese noch Wochen nach der eigentlichen Falterflugzeit an der Pflanze. Der Nachweis der Art erfolgt daher zweckmäßig anhand der Eier bzw. Eischalen.
Die Raupe verläßt das Ei ungewöhnlicherweise durch den Boden. Sie bohrt sich direkt in die Futterpflanze ein, wo sie einige Zeit miniert. Noch im Spätsommer verläßt sie jedoch die Pflanze und sucht den Boden auf. Hier wartet sie auf eine vorbeilaufende Ameise der speziellen Myrmica-Wirtsarten (Hauptwirt M. schencki, Nebenwirt M. sabuleti, auch M. ruginoides). Sie wird von dieser "adoptiert" und ins Nest getragen. Bei Maculinea alcon handelt es sich um eine vornehmlich kleptomane Art. Nur zu Beginn des Aufenthaltes im Ameisennest verhält sich die Raupe parasitisch, d.h. sie ernährt sich von der Ameisenbrut. Später dann geht sie dazu über, sich von den Ameisen füttern zu lassen. Rein parasitisch lebende Maculinea-Arten können, um ihren Wirt nicht allzusehr zu schädigen, nur niedrige Populationsdichten entwickeln, kleptomane Arten erreichen dagegen hohe Populationsdichten. Der Kreuzenzian-Ameisenbläuling nimmt also eine Mittelstellung ein. Ausschließlich parasitisch lebt z.B. der Quendel-Ameisenbläuling (Maculinea arion), rein kleptoman der Schwarzblaue Ameisenbläuling (Maculinea nausithous).
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Eier von Maculinea alcon ssp. rebeli
Im Ameisennest überdauert die Raupe auch den Winter. Erst im nächsten Jahr entwickelt sie sich weiter und verpuppt sich. Die Falter schlüpfen noch im Ameisennest, verlasssen dieses in den Morgenstunden und entfalten erst im Freien ihre Flügel.
Wie bereits erwähnt, steht es um den Kreuzenzian-Ameisenbläuling im Landkreis Eichstätt erfreulicherweise recht gut. Die bereits bekannten Standorte der Futterpflanze wurden im Jahr 2001 teilweise gezielt nach Eiern abgesucht, in vielen Fällen erfolgreich. Weitere Standorte werden in den kommenden Jahren untersucht.
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Kreuzenzian mit eierlegendem Bläuling
Gefahr droht dem Bläuling jedoch sowohl durch die Übernutzung seines Lebensraumes im Rahmen der Beweidung, als auch durch den Wegfall traditioneller Bewirtschaftungsformen der Magerrasen. Wie gerade die Mitglieder der Schäfergemeinschaft der Ortsgruppe Böhmfeld des Bund Naturschutz feststellen mussten, fressen, entgegen Literaturangaben, Schafe und Ziegen sämtliche hier vorkommenden Enzianarten mit Genuß. Bei Beweidung zur falschen Zeit würden Eier und Jungraupen des Bläulings mitvertilgt, bei zu intensiver Beweidung würden die Pflanzen an sich Schaden nehmen, dem Falter das Ablagesubstrat entzogen werden. Überlässt man die Magerrasen allerdings völlig sich selbst, so kommt es zur allmählichen Verbuschung und Bewaldung, die den Enzian ebenfalls verdrängen würden.
Überlegte Pflegekonzepte müssen entwickelt werden, um diesen Gefahren zu begegnen. Bei der Beweidung oder auch Mahd müssen zumindest die vom Bläuling besiedelten Kreuzenzianstandorte bis etwa zur Zeit des Aussamens ausgespart, eventuell sogar eingezäunt werden. Bei Bedarf können diese Areale nachträglich im Herbst gepflegt werden. U.a. könnte in diesem Zusammenhang der Boden um die Kreuzenzianpflanzen auch aufgeharkt werden, um ein Keimen des ausgefallenen Samens zu erleichtern. Allzu einschneidende Veränderungen durch radikale Freistellung verbuschter Hänge sollten allerdings vermieden werden, da das ökologische Gefüge zwischen Bläuling, Enzian und Ameisen relativ empfindlich ist. Ändern sich die mikroklimatischen Verhältnisse in der Umgebung der Ameisennester, z.B. durch Schnitt relevanter (Wind-)Schatten spendender Sträucher, so wäre ein Absterben entscheidender Wirtsameisenvölker möglich und auch dadurch eine Bläulingspopulation gefährdet. Wie so oft bei den heimischen Schmetterlingsarten, besteht auch hier noch einiger Forschungsbedarf.

ein Beitrag von Andreas Haller, Ingolstadt (erstellt am 18.08.2001)