Enzian-Ameisenbläulinge
kommen in zwei Unterarten vor. Die Subspezies alcon lebt an wechselfeuchten Standorten mit
Lungenenzian (Gentiana pneumonanthe), der im Landkreis Eichstätt nur an einer Stelle vorkommt und
dort nicht von alcon besiedelt ist. Die Ssp. rebeli kommt dagegen in Kalktrockenrasen
vor und legt ihre Eier an Kreuzenzian (Gentiana cruciata) ab. Kreuzenzian findet sich bei
uns noch relativ häufig, wobei die Anzahl der Pflanzen pro Standort meist nicht hoch ist. Dem
Bläuling reichen jedoch wenige Einzelpflanzen um eine stabile Population zu erhalten, und so
finden sich im Landkreis Eichstätt noch überraschend viele rebeli-Populationen. |
Die Falter sind
relativ klein und unscheinbar. Meist sitzen sie mit zusammengeklappten Flügeln und präsentieren
nur die graubraune Unterseite mit den schwarzen Flecken. Oberseits sind die Männchen mittelblau
mit breiten schwarzen Flügelrändern. In der Mitte der Vorderflügel besitzen sie einen dunklen
Fleck. Die Flügeloberseite der Weibchen ist graubraun, an der Flügelbasis blau übergossen. |
Eiablage von M. alcon ssp. rebeli |
Die Flugzeit beginnt etwa dann, wenn
der Kreuzenzian seine Blütenknospen entwickelt. Die Falter saugen an verschiedenen Korbblütlern
oder auch auf Thymian. Weibchen sind häufig bei der Eiablage zu beobachten, da sie hierbei
ausgiebig in den Enzianpflanzen herumklettern. Immer wieder betasten sie dabei mit dem Hinterleib
Nischen an Knospenansätzen und in Blattachseln. Allerdings werden die kalkweißen Eier oft völlig
offen zu mehreren auf Blätter, Triebe, Knospen und Blüten abgelegt und sind hier leicht zu entdecken.
Da die schlüpfende Jungraupe die Eischale nicht verzehrt, haften diese noch Wochen nach der
eigentlichen Falterflugzeit an der
Pflanze. Der Nachweis der Art erfolgt daher zweckmäßig anhand der Eier bzw. Eischalen. |
Die Raupe verläßt das Ei ungewöhnlicherweise
durch den Boden. Sie bohrt sich direkt in die Futterpflanze ein, wo sie einige Zeit miniert. Noch
im Spätsommer verläßt sie jedoch die Pflanze und sucht den Boden auf. Hier wartet sie auf eine
vorbeilaufende Ameise der speziellen Myrmica-Wirtsarten (Hauptwirt M. schencki, Nebenwirt M. sabuleti,
auch M. ruginoides). Sie wird von dieser "adoptiert" und ins Nest
getragen. Bei Maculinea alcon handelt es sich um eine vornehmlich kleptomane Art. Nur zu
Beginn des Aufenthaltes im Ameisennest verhält sich die Raupe parasitisch, d.h. sie ernährt sich
von der Ameisenbrut. Später dann geht sie dazu über, sich von den Ameisen füttern zu lassen. Rein
parasitisch lebende Maculinea-Arten können, um ihren Wirt nicht allzusehr zu schädigen, nur niedrige
Populationsdichten entwickeln, kleptomane Arten erreichen dagegen hohe Populationsdichten. Der Kreuzenzian-Ameisenbläuling
nimmt also eine Mittelstellung ein. Ausschließlich parasitisch lebt z.B. der Quendel-Ameisenbläuling
(Maculinea arion), rein kleptoman der Schwarzblaue Ameisenbläuling (Maculinea nausithous). |
Eier von Maculinea alcon ssp. rebeli |
Im Ameisennest
überdauert die Raupe auch den Winter. Erst im nächsten Jahr entwickelt sie sich weiter und
verpuppt sich. Die Falter schlüpfen noch im Ameisennest, verlasssen dieses in den Morgenstunden
und entfalten erst im Freien ihre Flügel. |
Wie bereits erwähnt, steht es um den
Kreuzenzian-Ameisenbläuling im Landkreis Eichstätt erfreulicherweise recht gut. Die bereits bekannten
Standorte der Futterpflanze wurden im Jahr 2001 teilweise gezielt nach Eiern abgesucht, in vielen
Fällen erfolgreich. Weitere Standorte werden in den kommenden Jahren untersucht. |
Kreuzenzian mit eierlegendem Bläuling |
Gefahr droht dem Bläuling jedoch
sowohl durch die Übernutzung seines Lebensraumes im Rahmen der Beweidung, als auch durch den Wegfall
traditioneller Bewirtschaftungsformen der Magerrasen. Wie gerade die Mitglieder der Schäfergemeinschaft
der Ortsgruppe Böhmfeld des Bund Naturschutz feststellen mussten, fressen, entgegen Literaturangaben, Schafe und Ziegen sämtliche hier vorkommenden
Enzianarten mit Genuß. Bei Beweidung zur falschen Zeit würden Eier und Jungraupen des Bläulings
mitvertilgt, bei zu intensiver Beweidung würden die Pflanzen an sich Schaden nehmen, dem Falter
das Ablagesubstrat entzogen werden. Überlässt man die Magerrasen allerdings völlig sich selbst, so kommt
es zur allmählichen Verbuschung und Bewaldung, die den Enzian ebenfalls verdrängen würden. |
Überlegte Pflegekonzepte müssen entwickelt
werden, um diesen Gefahren zu begegnen. Bei der Beweidung oder auch Mahd müssen zumindest die vom
Bläuling besiedelten Kreuzenzianstandorte bis etwa zur Zeit des Aussamens ausgespart, eventuell sogar
eingezäunt werden. Bei Bedarf können diese Areale nachträglich im Herbst gepflegt werden. U.a. könnte in
diesem Zusammenhang der Boden um die Kreuzenzianpflanzen auch aufgeharkt werden, um ein Keimen des
ausgefallenen Samens zu erleichtern. Allzu einschneidende
Veränderungen durch radikale Freistellung verbuschter Hänge sollten allerdings vermieden werden, da
das ökologische Gefüge zwischen Bläuling, Enzian und Ameisen relativ empfindlich ist. Ändern sich die
mikroklimatischen Verhältnisse in der Umgebung der Ameisennester, z.B. durch Schnitt relevanter
(Wind-)Schatten spendender Sträucher, so wäre ein Absterben entscheidender Wirtsameisenvölker möglich
und auch dadurch eine Bläulingspopulation gefährdet. Wie so oft bei den heimischen Schmetterlingsarten,
besteht auch hier noch einiger Forschungsbedarf. |