Schmetterlingsschutz im Garten - was jeder tun kann

Meisen & Co. - ein Problem für den Schmetterlingsgarten


"Meisennistkästen und Meisenwinterfütterung vertragen sich mit der Zielsetzung des Schmetterlingsgartens nicht." (Weidemann, "Tagfalter", Band 1, 1. Auflage, S. 98) Dieses Zitat, das ich als Kernaussage dem folgenden Kapitel voranstellen möchte, wird mit Sicherheit die Gemüter so mancher Natürschützer, gerade vielleicht auch derer, die sich um die Nistkastenpflege kümmern, erregen. Objektiv gesehen trifft es aber in jedem Falle zu.

Die Nisthilfenprogramme wurden in den Staatsforsten gerade zum Zwecke der biologischen Schädlingsbekämpfung gestartet. Vielerorts machen Monokulturen den Wald für die Massenvermehrung von Forstschädlingen anfällig. Natürlich war und ist es Hauptanliegen der Forstleute, gerade solche Schmetterlingsraupen zu bekämpfen, die jahrweise so häufig in Erscheinung treten, dass sie zu echten Forstschädlingen werden. Und diese Methode ist, abgesehen von extremen Massenvermehrungen, auch sehr effektiv. Leider beschränken sich unsere Meisen jedoch nicht auf Forstschädlinge, sondern vertilgen auch alle möglichen anderen Raupen und Schmetterlinge, und dies in erstaunlicher Menge.

Die Anzahl der Meisen wird limitiert durch die Anzahl geeigneter Nisthöhlen. Kein noch so ursprünglicher Wald wird jedoch die Menge an Nisthöhlen aufweisen, wie sie so manche von Vogelschützern betreute Waldwege mit ihren zahlreichen Nistkästen aufweisen. Wird während des Winters ein Absterben der Populationsüberhänge, für die das natürliche Nahrungsangebot nicht mehr ausreicht, durch eine Winterfütterung vermieden, so haben Schmetterlingsraupen in einem derart gehegten Meisenrevier kaum mehr eine Überlebenschance. Weidemann ("Tagfalter", 1. Auflage, Band 2, S. 88) schreibt dazu: "Überall dort in meinem Beobachtungsgebiet, wo in den letzten Jahren Meisennistkästen an Fluggebieten der Schillerfalter und des Großen Eisvogels ausgebracht wurden, gingen die Schmetterlingspopulationen stark zurück. Hasselbach sah Meisen den Moselapollo verzehren. Ich beobachtete Meisen beim Fang des Fränkischen Apollo. Zu viele Meisen sind ein nicht zu unterschätzender Schadfaktor für unsere Schmetterlinge." Ich selbst beobachtete u.a. eine Meise, die ein Abendpfauenauge fing und verzehrte, völlig unbeeindruckt von der angeblich abschreckenden Wirkung der Augenzeichnung. Selbst Arten, deren Raupen ungenießbar sind, entgehen den Vögeln nicht. So werden die Raupen von Tagpfauenauge, Kleinem Fuchs oder anderer Nesselfalter aufgrund ihrer dornigen Haut verschmäht, nach Abstreifen der Haut als Puppe jedoch mit Genuß verzehrt.

Der Rückgang so mancher Schmetterlingsart, insbesondere derer, die auch Gärten und Parks besiedeln könnten, muss also nicht immer seinen Grund in unmittelbar schädlichen Eingriffen durch Sammler, Landwirtschaft oder Industrie haben, sondern kann durchaus auch Folge falsch praktizierten Naturschutzes sein.


ein Beitrag von Andreas Haller, Ingolstadt (erstellt 06/2001)