Der Segelfalter (Iphiclides podalirius L. 1758)

(Rote Liste Bayerns: Gefährdungsgrad 2)


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Der Segelfalter ist der einzige europäische Vertreter der Artengruppe (Tribus) Leptocircini. Diese findet ihren Verbreitungsschwerpunkt in den heißen Gebieten der Südhalbkugel. Auch der Segelfalter ist eine besonders wärmebedürftige Art. Dieser Wärmeanspruch und die zunehmende Zerstörung ohnehin knapper geeigneter Biotope macht ihn in Deutschland zu einem der seltenen Schmetterlingsarten und hat zur Aufnahme in die Rote Liste geführt.

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Larvalhabitat des Segelfalters: Krüppelschlehen auf einer Steinbruchshalde
In mediterranen Ländern sind Segelfalter relativ häufig anzutreffen. Das Makroklima entspricht voll den Bedürfnissen der Präimaginalstadien und so stehen ungeachtet der örtlichen Gegebenheiten verschiedene Futterpflanzen an den unterschiedlichsten Standorten als Raupenfutterpflanzen zur Verfügung. Auf Kreta fand ich z. B. Eier und Raupen auf einzeln stehenden Mirabellenbäumchen inmitten von Olivenhainen. In unseren Breiten herrscht jedoch alles andere als ein mediterranes Klima. Dies kann nur dadurch ausgeglichen werden, indem zur Eiablage Orte mit entsprechend günstigem Mikroklima aufgesucht werden. Man nennt dies die ökologische Kompensation. Im Landkreis Eichstätt, wo noch gute Segelfalterpopulationen vorkommen, entsprechen die Raupenbiotope im Prinzip denen des Apollofalters. Hierzu zählen sowohl natürliche Felsfluren als auch vom Menschen geschaffene Steinbrüche und Abraumhalden des Plattenkalkabbaus. Als Futterpflanze dienen fast ausschliesslich niedrig gewachsene Schlehenbüsche (Prunus spinosa), nur selten finden sich auch Felsenkirschen (Prunus mahaleb) an günstigen Standorten.
Die Eier werden ausschließlich auf Büschen in vollsonniger Lage abgelegt. Die Zweige müssen völlig frei stehen, denn die Eiablage findet aus dem Flug heraus statt, indem sich das Weibchen flatternd nur kurz an einem Blatt festhält, den Hinterleib zwischen die Beine hindurch vorkrümmt und nach Absetzen eines einzigen Eies sofort wieder weiter fliegt. Wird dem Weibchen der Anflug durch Büsche verwehrt oder wird es durch die Krautschicht oder zu dicht stehende Grashalme irritiert, sucht es lieber einen anderen Eiablageplatz auf. Daher findet sich im Bereich guter Ablagebüsche ein nur magerer Bodenbewuchs, im optimalen Fall besteht der Untergrund aus nacktem Fels und Gestein.
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frisch abgelegtes (noch gelblich-weißes) Ei des Segelfalters auf Schlehe
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bereits gereiftes Segelfalterei
(braun, mindestens 1-2 Tage alt)
Spärlich bewachsener trockener Untergrund bietet auch den Eiern und Raupen die besten Entwicklungsbedingungen. Tagsüber kann sich nämlich der Boden durch die intensive Sonneneinstrahlung stark aufheizen, nachts wird die Wärme wieder langsam abgegeben. Je flacher die Raupen über dem Untergrund sitzen, umso mehr profitieren sie von dieser Wärmefalle, die ihnen auch in unseren Breiten mediterrane Bedingungen verschafft. Daher werden die Eier nur auf niedrigwüchsigen Büschen abgelegt, sog. Krüppelschlehen, und hier noch bevorzugt auf horizontal wachsenden, bodennahen Zweigen in maximal Kniehöhe.
Die Biotopansprüche des Segelfalters sind so eng definiert, dass man davon ausgehen kann, in einem guten Gebiet auf einer einzeln stehenden Krüppelschlehe mit maximal 100 cm Höhe auf den horizontal über kargem, steinigem und trockenem Boden wachsenden Zweigen mit Sicherheit auch Eier oder Raupen finden zu können, wenn einem nicht Meisen, Wespen oder andere Räuber zuvor gekommen sind. Günstig exponierte Zweige werden über längere Zeit von verschiedenen Weibchen angeflogen und manchmal entsprechend üppig belegt.
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frisch abgelegte und bereits gereifte Segelfaltereier an einer besonders günstig exponierten Zweigspitze (insgesamt 8 St.!)
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ruhender Segelfalter
Die Flugzeit des Segelfalters beginnt bei uns bereits im April und erstreckt sich in einer Generation bis in den Juni. Das mitteleuropäische Klima erlaubt lediglich die Entwicklung einer einzigen Generation pro Jahr. Die Entwicklung einer zweiten Generation in warmen Jahren, wie häufig in der Literatur zu lesen, dürfte im Landkreis Eichstätt eher selten vorkommen. Puppen, in denen sich Falter einer zweiten Generation entwickeln, sind grün gefärbt und finden sich auf Ästen oder Blättern der Futterpflanze, Puppen die überwintern sind gelblich-braun und in der Krautschicht verborgen. Wie auch beim Schwalbenschwanz, so versammeln sich die Männchen der Segelfalter an sog. hilltopping-Plätzen. Während dem Schwalbenschwanz hierfür allerdings Hügelkuppen oder Hangkanten ausreichen, scheinen Segelfalter besonders hochragende Burgtürme, Felsnadeln oder hohe Bäume auf den Geländeerhebungen aufzusuchen. Unter den Männchen finden hier Revierkämpfe statt, bei denen nur der stärkste seinen Platz behaupten kann. Da frisch geschlüpfte Weibchen ebenfalls die hilltopping-Plätze aufsuchen, um sich mit dem dortigen Revierinhaber zu paaren, wird die Weitergabe nur des besten Erbgutes garantiert. Die Begattung findet gegen Mittag statt und dauert einige Stunden.
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Flügeldetailaufnahme
Erst etwa eine knappe Woche nach der Begattung beginnt das Weibchen mit der Eiablage, denn die Eier brauchen nach dem Schlüpfen des Falters noch einige Tage zur Reife. Einzeln werden sie an die Spitzen meist exponierter Zweige der Futterpflanzen abgelegt, bei der kleinblättrigen Schlehe meist auf der Blattunterseite, häufig aber auch an der Oberseite. Frisch abgelegte Eier sind durch ihre opalweiße Farbe leicht zu entdecken, zumal Segelfaltereier auch relativ groß sind, deutlich größer als z.B. Eier des verwandten Schwalbenschwanzes.
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frisch abgelegtes (noch gelblich-weißes) Ei des Segelfalters auf Schlehe
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Segelfalterei kurz vor (ca. 1 Tag) dem Schlüpfen des Räupchens
Nach ein bis zwei Tagen beginnen sich die Eier dunkelbraun zu verfärben und sind dann bereits schwerer zu finden. Abhängig von der Wetterlage und den herrschenden Temperaturen entwickeln sich in ihnen innerhalb von ein bis zwei Wochen die Raupen.
Das bevorstehende Ausschlüpfen macht sich etwa einen Tag vorher durch eine Schwarzfärbung des Eies bemerkbar. In Wirklichkeit ist die Eischale jedoch transparent, was das Ei schwarz färbt ist die fertig entwickelte Raupe im Inneren. Sie durchbeißt, beginnend am Oberpol, die Schale und zwängt sich heraus. Als erste wichtige Mahlzeit wird anschließend auch die restliche Eischale verzehrt.
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Reste ("Bodenplatte") der von der Raupe verzehrten Eischale
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Segelfalter-Jungraupe
(L1, d.h. in der 1. Raupenhaut)
Die Jungraupe (L1) ist schwarz mit kleinen hellgelben Sattelflecken. Sie sitzt auf der Blattoberseite und ist hier relativ leicht zu entdecken. Ihre Färbung imitiert Schmutzpartikel oder Vogelkot.
Nach der 1. Häutung (L2) ändern sich ihre Erschei­nung und Überlebensstrategie. Sie nimmt jetzt nämlich einen perfekt zur Blattfärbung passenden Grünton an. Immer in Längsrichtung mittig auf dem Blatt sitzend imitiert sie mit ihrem hellen Rückenstreifen sogar die Blattmittelrippe und ist in diesem Stadium fast unsichtbar. Wenn überhaupt, so fallen die Raupen jetzt höchstens durch ihre in der Sonne silbrig glänzenden Sitzpolster auf, die sie auf einzelnen Blättern mit ihren Spinnfäden anlegen. Diese Sitzpolster sind oft auch dann noch zu finden, wenn Meisen oder andere Fressfeinde die Raupe schon vertilgt haben.
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L2-Raupe des Segelfalters
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ausgewachsene Segelfalterraupe
Die erwachsene Raupe hingegen entwickelt eine Größe, mit der sie auf einem Blatt sitzend zu auffällig wäre. Sie sucht sich daher einen Sitzplatz auf einem Ästchen, auf dem sie durch die sich in diesem Stadium entwickelnden braunen Flecken ihrer Haut wiederum ausreichend getarnt ist. Teilweise verraten sich erwachsene Raupen durch ihren großen Appetit, der dazu führt, dass einzelne Schlehenzweige völlig kahl gefressen werden.
Gegen August, einen Tag bevor die Raupe einen Verpuppungsplatz sucht, nimmt sie keine Nahrung mehr auf. Während sie auf ihrem Sitzplatz ausharrt und den Darm durch Abgabe schleimiger Kotreste entleert, nimmt sie eine gleichmäßig hellgelbe Farbe an. Sie verlässt nachts den Fraßbusch, um sich nach einer teils beachtlichen Wanderstrecke an einer geeigneten Unterlage anzuspinnen und einen Gürtelfaden um ihren Körper zu spinnen. Die in der Literatur häufig plakativ dargestellte Verpuppung an Zweigen der Futterpflanze entspricht nach meinen Beobachtungen nicht den natürlichen Gewohnheiten, Fotos dieser Art sind vermutlich in Gefangenschaft angefertigt worden. Zu auffällig wäre nämlich die hellbeige Puppe auf der dunkel­braunen Rinde z.B. des Schlehdorns. Von den von mir im Freiland beobachteten Raupen hat sich keine auf einer solchen Unterlage verpuppt. Wenn auch selten, so habe ich bisher alle Puppen bodennah in vertrockneten strohgelben und damit wieder farblich passenden Grashorsten z.B. des Bewimperten Perlgrases (Melica ciliata) oder anderen Pflanzen der Krautschicht gefunden. Nur hier ist die Puppe gut getarnt, erst recht wenn im Herbst das abgefallene hellbraune Schlehenlaub ihre Kontur auflöst. Die Gürtelpuppe, so benannt wegen ihres gürtelförmig um den Körper geschlungenen Haltefadens, überwintert.
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Segelfalterraupe kurz vor der Verpuppung
Um den Segelfalter zu schützen, bedarf es primär der Erhaltung des Lebensraumes seiner Raupen: einzeln stehende Krüppelschlehen auf karg bewachsenen Felsfluren und Abraumhalden oder in offen gelassenen Steinbrüchen.
Schafbeweidung macht sich auch hier günstig bemerkbar. Zum einen wird aufkommender Unterwuchs von den Schafen kurz gehalten, Gräser und Kräuter verstellen ablegenden Weibchen nicht die Anflugmöglichkeiten, der Boden kann sich schneller erwärmen. Zum anderen führt der Verbiss an den Schlehenbüschen zur Ausbildung von niedrig wachsenden Krüppelschlehen mit bodennahen horizontal ausladenden Ästen, die für die Raupen ein optimales Mikroklima bieten.
Keinesfalls dürfen geeignete Biotope aufgeforstet werden. Auch einer Verbuschung im Rahmen der natürlichen Sukzession muss entgegengewirkt werden. Einzeln in günstigen Biotopen stehende Schlehen müssen natürlich bei Entbuschungsaktionen unbedingt ausgespart werden. Dort wo horizontalwüchsige Schlehenzweige durch aufkommende Gräser nicht mehr völlig frei stehen oder bereits zugewachsen sind, muss die Krautschicht entweder ausgeharkt oder mit einer Sichel gekürzt werden. Der Stammbereich der Schlehenbüsche sollte davon allerdings ausgespart bleiben, da in den dort wachsenden Grashorsten und Kräutern die Verpuppung stattfindet. Vertikal wachsende Schlehentriebe können mit der Gartenschere ausgedünnt werden.
Da die Falter gute und schnelle Flieger sind und weit umhervagabundieren, empfiehlt sich der Nachweis eines Segelfaltervorkommens und geeigneter Biotope anhand der ortsständigen Präimaginalstadien. Günstigster Zeitpunkt hierfür ist der Mai. Zum einen sind frisch abgelegte Eier und Jungraupen jetzt bedeutend leichter zu finden als später die (halb-)erwachsenen Tiere, zum anderen haben zu dieser Zeit Fressfeinde die Population noch nicht wesentlich dezimiert und auch kleinere Vorkommen können noch hinreichend sicher erfasst werden. Um den von Jahr zu Jahr um einige Tage bis Wochen variierenden günstigsten Zeitpunkt für eine solche Nachsuche zu ermitteln, sollte in einem bekannten Biotop immer erst der Entwicklungsstand der Population überprüft und das Auge geschult werden, bevor andere Biotope abgesucht werden.
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ruhender Segelfalter beim Sonnenbad

ein Beitrag von Andreas Haller, Ingolstadt (erstellt am 01.04.2001)