Männchen der Hofdame |
Die Falter erscheinen etwa
im letzten Maidrittel. Die Männchen sind tagsüber aktiv, besonders zwischen 10:00 und 12:00 Uhr vormittags und
erneut am späten Nachmittag. Insbesondere während der Vormittagsstunden starten sie ihre Suchflüge
nach den Weibchen, um diese zu begatten. Sie finden die Weibchen über Sexuallockstoffe (Pheromone), die sie mit
den nur bei Männchen gefächerten Fühlern wahrnehmen. |
Die nachtaktiven
Weibchen sitzen zu dieser Zeit ruhend im Gras. Ihr von einigen Hundert Eiern prall gefüllter
Hinterleib hängt dabei oft schwer zwischen den Flügeln hindurch nach unten. Über eine Drüse am
Hinterleibsende verströmen die unbegatteten Weibchen einen Sexuallockstoff, welcher die paarungsbereiten
Männchen punktgenau heranführt. Die zu dieser Zeit recht trägen weiblichen Falter sind jetzt in
besonderem Maße durch Fressfeinde gefährdet. Allerdings ist ihr offen dargestellter Hinterleib mit
seiner schwarz-gelben Streifung dem Körper einer Wespe nicht unähnlich und schreckt durch diese
Mimikry zahlreiche Feinde ab. |
paarungsbereites Weibchen in der niedrigen Vegetation |
Die Eier, pro Weibchen ca. 400-500 Stück,
werden in
Spiegeln von 50-100 Eiern an die Unterseite überhängender Blätter abgelegt. Als Ablagepflanzen
kommen vermutlich verschiedene krautige Pflanzen der Magerrasen in Frage, ein Freilandnachweis liegt
z.B. für Knautia arvensis vor. Bei der Eiablage werden Pflanzen, die in einem
besonders warmen Mikroklima wachsen, bevorzugt, wie z.B. solche auf nur spärlich bewachsenem
Magerrasen oder in Kalkschotter. |
Nach ca. 10 Tagen
schlüpfen die winzigen Jungraupen aus. Ihr nur sehr geringes Gewicht und ihre lange Behaarung
bieten dem Wind eine große Angriffsfläche. Vermutlich erfolgt so ein Verdriften der Art, was für
die Verbreitung nicht unwichtig sein dürfte. Ferner bietet das lange Haarkleid wohl
auch einen gewissen Schutz vor Fressfeinden, die es schwer haben dürften, die Räupchen zu packen und
bis zum verletzlichen Körper selbst durchzudringen. Die Tierchen leben sehr verborgen und verstecken
sich tagsüber unter den Blättern der Futterpflanzen oder in der Bodenvegetation. Sie zeichnen sich
durch eine rege Spinntätigkeit aus und kleiden ihren Unterschlupf oft mit einem dichten Gespinst aus.
Insbesondere während der Häutungen setzen sich die Raupen in den so ausgekleideten kleinen Höhlen in
der bodennahen Vegetation tagelang fest, verschließen diese Höhlen mit ihren Spinnfäden und sind während
dieser vulnerablen Phase zum einen gut versteckt und in ihrer Gespinsthöhle auch relativ geschützt
vor Fressfeinden. |
Raupe von H. aulica vor der Überwinterung |
Die Entwicklung der
Raupen geht relativ langsam vonstatten. Bis zur Überwinterung häuten sie sich ca. 6 x und besitzen
dann ein schwarzes Haarkleid mit dem für sie typischen Büschel langer Haare am Ende des Körpers. Der
verlängerte anale Haarbüschel zeigt sich bereits nach der 2. Häutung. Es ist daher falsch, dass
überwinterungsreife Tiere an dieser Haarbürste zu erkennen sind. Allerdings ist diese anfangs weit
weniger auffällig ausgeprägt und voluminös als bei der dann überwinternden Raupe. Eine mögliche Unterscheidung
des Überwinterungsstadiums stellt die Kopfkapsel dar: Sie ist vor der Überwinterung rötlichbraun,
in den Stadien nach der Überwinterung schwarz, bei den überwinternden Raupen selbst (L7) dagegen braun-schwarz, etwa
eine Mischfarbe zwischen den anderen genannten. Zur Überwinterung verkriechen
sich die Tiere im Spätherbst in den an ihren Vorkommensorten oft üppig wachsenden rötlichen
Moosen und Erdflechten, ein weiteres Merkmal passender aulica-Biotope. Auf der Suche nach
diesen Überwinterungsquartieren sind die Raupen in manchen Jahren recht häufig zu beobachten und
die Art dann bequem nachzuweisen. Allerdings unterliegt aulica einem starken jahrweisen
Massenwechsel, bedingt zum einen durch den Pilz Empusa aulicae, zum anderen durch eine parasitische
Brackwespen-Art (Braconidae spec.). Von dem in den 80er Jahren beobachteten, dadurch bedingten starken Rückgang scheint sich
die Art derzeit wieder zu erholen, sie wurde mancherorts wieder zahlreich gefunden. |
Die Raupen fressen
während milder Witterungsphasen auch während des Winters, zum Teil wohl auch die Moose und Flechten,
in denen sie überwintern. Auch andere trockene Pflanzenteile werden, auch während der gesamten
Entwicklung, verzehrt.
Sobald der Schnee schmilzt werden die Tiere wieder richtig aktiv, verlassen
bei Sonnenschein ihre Überwinterungsquartiere und sind dann erneut für kurze Zeit zu finden. Wenn
jedoch die Temperaturen milder werden und der Boden nicht mehr gefroren ist, verkriechen sich die
Tiere tagsüber tief in die Vegetation und sind dann nicht mehr zu entdecken. Diese verborgene
Lebensweise, der bereits erwähnte jahrweise Massenwechsel und die relativ unscheinbaren kleinen
Falter gestalten eine Bestandsaufnahme der Art schwierig. Ein Nachweis erscheint am erfolgversprechendsten
während der nur kurzen Phasen verstärkter Wanderaktivität der Raupen im Spätherbst und Spätwinter. |
erwachsene Raupe von H. aulica |
Nach der Überwinterung
häuten sich die schwarzen Raupen noch 2-3 x. Sie überwintern also nicht ,wie z.B. von Weidemann behauptet,
als erwachsene Tiere. Sie fressen zahlreiche krautige Pflanzen, darunter Knautia,
Hieracium, Euphorbia, Achillea und Taraxacum. Das vorletzte
Raupenkleid zeichnet sich durch einen rostroten Seitenstreifen aus. Die Raupen der letzten Haut
sind durch rostrot gefärbte Haare des Vorderendes gekennzeichnet, welche nach kaudal allmählich
in die schwarze Grundfarbe übergehen. Sie verpuppen sich in
einem bodennahen Gespinst zwischen Moosen und Pflanzenmaterial. Die Falter schlüpfen 2-3 Wochen später
während der Morgenstunden. Sie nehmen keine Nahrung mehr zu sich und sind daher bestrebt, möglichst
schnell einen Geschlechtspartner zu finden, um das Überleben der Art zu sichern. Männliche Falter
sterben relativ rasch nach etwa einer Woche ab, Weibchen leben etwa 3-4 x so lange und verteilen
während dieser Lebensspanne einige Hundert Eier in ihrem Fluggebiet. Ihr Aktionsradius wächst in
dem Maße, in dem sie ihre Eilast ablegen. Gegen Ende der Legephase werden also unter Umständen auch
neue Habitate besiedelt. |