Bei den Zitronenfaltern überwintert
das fertige Insekt. Der Schmetterling gehört daher zu den ersten Frühlingsboten. Die z.B. in
Baden-Württemberg bisher registrierte Gesamtflugzeit reicht vom 01.01. bis zum 25.12.,
theoretisch besteht also die Möglichkeit, dass man den Falter bei entsprechend warmer Witterung
ganzjährig zu Gesicht bekommt. Normalerweise erscheinen die überwinterten Falter jedoch erst im
März, sobald die Sonne genügend Kraft hat, um die Luft zu erwärmen. Die Schmetterlinge gaukeln im
Vorfrühling über die noch braunen Wiesen und durch die laubfreien Gehölze. Auch Gärten und Parks
werden gerne besucht. In dieser Zeit stellen Frühblüher wie Lerchensporn, Schlüsselblumen und auch
Weidenkätzchen eine wichtige Nektarquelle für die ausgezehrten Tiere dar. Die im Vorfrühling noch
sehr großen tageszeitlichen Temperaturschwankungen beeinträchtigen die Schmetterlinge nicht. Selbst
einen späten Wintereinbruch überstehen Zitronenfalter unbeschadet: Sie verstecken sich bodennah in
Sträuchern oder der abgestorbenen Krautschicht des Vorjahres, fallen kurzerhand wieder in
Kältestarre und lassen sich einfach einschneien. Kaum dass die Sonne wieder für die nötige
Erwärmung gesorgt hat, werden die Falter wieder aktiv und fliegen erneut umher. |
Weibchen des Zitronenfalters |
Die Männchen sind sowohl
auf der Flügelober- als auch auf der Flügelunterseite zitronengelb, die Weibchen dagegen
grünlichweiß und dadurch fast mit einem Kohlweißling zu verwechseln. Flügelumriss und -geäder
erinnern an ein Blatt, so dass die Tiere, die stets mit geschlossenen Flügeln sitzen, trotz ihrer
auffallenden Farbe gut getarnt sind. Paarung und Eiablage finden im Frühjahr statt, so dass man
Zitronenfalter zu dieser Zeit am besten beobachten kann: Die Männchen bei ihren Patrouillenflügen
längs der Waldränder auf der Suche nach Weibchen, letztere bei der Eiablage an den
Raupenfutterpflanzen, nämlich Faulbaum (Frangula alnus) und Echter Kreuzdorn
(Rhamnus catharticus). Dank der weiten Verbreitung der Futterpflanzen besteht für die Art
kein Mangel an Raupenbiotopen. Bevorzugt werden allerdings exponierte Zweigspitzen an schattigen bis
halbschattigen, stets jedoch luftfeuchten Standorten. Die Nadelbaumkulturen unserer Forste lassen
den Waldboden versauern. Hier fühlt sich der Faulbaum wohl und besiedelt überall entsprechende
Nischen und Waldränder, weshalb die meisten Zitronenfalterraupen sich in unserem Landkreis auf
Faulbaum entwickeln dürften. Dort wo Kalkboden vorherrscht, wächst stattdessen der Kreuzdorn, so
dass auch die Hänge des Altmühltales dem Zitronenfalter eine geeignete Kinderstube bieten. |
Die Eier werden einzeln
zur Zeit des Blattaustriebes abgelegt. Oft finden sich jedoch an einem Zweig mehrere Eier von
verschiedenen Weibchen, zu unterschiedlichen Zeiten abgelegt. Entsprechend unterschiedlich ist
später dann auch der Entwicklungsstand der Raupen. Die Jungraupen besitzen eine glänzende Haut
und sitzen auf der Unterseite der frisch austreibenden und ebenfalls noch glänzenden
Faulbaumblättchen. Sie schmiegen sich an die bei den jungen Blättchen noch prominenten
Blattrippen und sind hier perfekt getarnt, so dass man die sehr kleinen Tierchen meist erst durch
ihre Fraßspuren, kleine Löcher in den Blättern, entdeckt. |
mehrere Eier des Zitronenfalters an Faulbaum |
Die erwachsenen Raupen sind mattgrün
gefärbt. Sie sitzen auf der Blattoberseite. Ein heller Seitenstreifen sorgt daher für eine
Aufhellung des Körperschattens und verwischt so ihre Umrisse. Trotzdem sind Vögel für sie die
größte Bedrohung. Eine allzu intensive Singvogelhege sorgt daher sowohl in Forsten als auch im
eigenen Garten dafür, dass der Schmetterling, der in keinster Weise als Schädling auftreten kann,
erheblich dezimiert wird. |
Puppe des Zitronenfalters |
Die Raupen verpuppen sich an den Ästchen
der Futterpflanze. Sie häuten sich zu einer am Kopfende spitz ausgezogenen Gürtelpuppe, die mehr
waagrecht als senkrecht hängt, oft mit dem Kopf sogar unterhalb der Horizontalen. Nach etwa zwei
Wochen schlüpfen die Falter, die dann die blütenreichen Wiesen und Magerrasen im Naturpark
Altmühltal bevölkern. Während der heißesten Sommerwochen durchlaufen die Schmetterlinge eine
Ruhephase, in der sie kaum aktiv sind. Erst wenn im Spätsommer die Temperaturen wieder erträglicher
werden, suchen die Falter erneut alle möglichen Blütenpflanzen auf, um sich die für den Winter
notwendigen Energiereserven anzufressen. Gerade die blütenreiche Vegetation der Magerrasenhänge
im Altmühltal stellt daher ein wichtiges Refugium der Tiere dar und garantiert deren Überleben.
Die Falter, die bereits im Frühsommer geschlüpft sind, überwintern, um im folgenden Jahr die
nächste Generation zu gründen. Die Lebenszeit eines Tieres umfasst also ein ganzes Jahr und ist
damit für Insektenverhältnisse relativ lang. |
Puppe kurz vor dem Schlüpfen des Schmetterlings |
Folgerungen für den Naturschutz:
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Zitronenfalter sind
Vagabunden und praktisch überall zu finden. Sie meiden jedoch ganz offensichtlich allzu offenes
blütenarmes Gelände, wie es die "moderne" Landwirtschaft mit sich bringt. Allerdings ist bereits
ein regelmäßiger Durchsatz mit Hecken dazu geeignet, die Attraktivität der Nutzflächen für
Zitronenfalter (und auch für andere Schmetterlinge) deutlich zu erhöhen. Zum einen bieten die
Randbereiche der Hecken Platz für Falterblüten, zum anderen keimen und wachsen in den Hecken
auch sehr schnell die Raupenfutterpflanzen Faulbaum und Kreuzdorn. Bei der Landschaftsgestaltung
sollte also unbedingt auf einen ausreichenden Durchsatz mit Hecken geachtet werden, die
gegebenenfalls sogar ganz gezielt mit Faulbaum oder Kreuzdorn bepflanzt werden können. |
Zitronenfalter im Garten |
Und auch im eigenen Garten bietet es
sich an, an einer luftfeuchten und eher kühlen Ecke, z.B. im Bereich eines Gartenteiches, ein oder
zwei Faulbaumbüsche zu pflanzen. Bereits kleine Sträucher werden von den Zitronenfalterweibchen zur
Eiablage angenommen. Bitte verzichten sie auf die Winterfütterung unserer Meisen und auf das
Aufhängen von Meisennistkästen. Ein einziges Meisenpärchen ist in der Lage, Ihren Garten praktisch
raupenfrei zu halten! Im Vorfrühling sind unsere Frühblüher eine wichtige Nektarquelle sowohl für
Zitronenfalter als auch für andere als Falter überwinternde Schmetterlingsarten. Verzichten Sie
bitte daher auf den Schnitt von Weiden, entweder zur Formgebung bereits im Herbst, oder auch wegen
der im Frühling beliebten "Palmkätzchen". Schneiden Sie die Weiden in Ihrem Garten also erst,
nachdem sie verblüht haben. Ferner werden Sie durch einen blühenden Schmetterlingsflieder auch im
Sommer immer wieder einen Zitronenfalter im Garten beobachten können, der sich hier einen Schluck
Reiseproviant abholt. |
überwinternder Zitronenfalter |