Der Zitronenfalter
(Gonepteryx rhamni L. 1758)


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Zitronenfalter gehören mit zu den bekanntesten heimischen Tagfaltern. Das mag zum einen daran liegen, dass sie (noch) relativ häufig zu beobachten sind, zum anderen jedoch auch an ihrer auffälligen Erscheinung. Für die Auswahl des Zitronenfalters als Insekt des Jahres 2002 war dies auch ausschlaggebend: Die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft hat sich "bewusst für einen noch relativ häufig vorkommenden Schmetterling entschieden, damit Spaziergänger eine gute Chance haben, das Insekt des Jahres 2002 in der freien Natur zu beobachten". Aus meiner Sicht sollte die Bundesanstalt aus dieser Entscheidung auch die Verpflichtung ableiten, durch eine entsprechende Beratung, die Träger von Land- und Forstwirtschaft zu einer schmetterlingsfreundlicheren Landschaftspflege zu bewegen.

Bei den Zitronenfaltern überwintert das fertige Insekt. Der Schmetterling gehört daher zu den ersten Frühlingsboten. Die z.B. in Baden-Württemberg bisher registrierte Gesamtflugzeit reicht vom 01.01. bis zum 25.12., theoretisch besteht also die Möglichkeit, dass man den Falter bei entsprechend warmer Witterung ganzjährig zu Gesicht bekommt. Normalerweise erscheinen die überwinterten Falter jedoch erst im März, sobald die Sonne genügend Kraft hat, um die Luft zu erwärmen. Die Schmetterlinge gaukeln im Vorfrühling über die noch braunen Wiesen und durch die laubfreien Gehölze. Auch Gärten und Parks werden gerne besucht. In dieser Zeit stellen Frühblüher wie Lerchensporn, Schlüsselblumen und auch Weidenkätzchen eine wichtige Nektarquelle für die ausgezehrten Tiere dar. Die im Vorfrühling noch sehr großen tageszeitlichen Temperaturschwankungen beeinträchtigen die Schmetterlinge nicht. Selbst einen späten Wintereinbruch überstehen Zitronenfalter unbeschadet: Sie verstecken sich bodennah in Sträuchern oder der abgestorbenen Krautschicht des Vorjahres, fallen kurzerhand wieder in Kältestarre und lassen sich einfach einschneien. Kaum dass die Sonne wieder für die nötige Erwärmung gesorgt hat, werden die Falter wieder aktiv und fliegen erneut umher.
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Weibchen des Zitronenfalters
Die Männchen sind sowohl auf der Flügelober- als auch auf der Flügelunterseite zitronengelb, die Weibchen dagegen grünlichweiß und dadurch fast mit einem Kohlweißling zu verwechseln. Flügelumriss und -geäder erinnern an ein Blatt, so dass die Tiere, die stets mit geschlossenen Flügeln sitzen, trotz ihrer auffallenden Farbe gut getarnt sind. Paarung und Eiablage finden im Frühjahr statt, so dass man Zitronenfalter zu dieser Zeit am besten beobachten kann: Die Männchen bei ihren Patrouillenflügen längs der Waldränder auf der Suche nach Weibchen, letztere bei der Eiablage an den Raupenfutterpflanzen, nämlich Faulbaum (Frangula alnus) und Echter Kreuzdorn (Rhamnus catharticus). Dank der weiten Verbreitung der Futterpflanzen besteht für die Art kein Mangel an Raupenbiotopen. Bevorzugt werden allerdings exponierte Zweigspitzen an schattigen bis halbschattigen, stets jedoch luftfeuchten Standorten. Die Nadelbaumkulturen unserer Forste lassen den Waldboden versauern. Hier fühlt sich der Faulbaum wohl und besiedelt überall entsprechende Nischen und Waldränder, weshalb die meisten Zitronenfalterraupen sich in unserem Landkreis auf Faulbaum entwickeln dürften. Dort wo Kalkboden vorherrscht, wächst stattdessen der Kreuzdorn, so dass auch die Hänge des Altmühltales dem Zitronenfalter eine geeignete Kinderstube bieten.
Die Eier werden einzeln zur Zeit des Blattaustriebes abgelegt. Oft finden sich jedoch an einem Zweig mehrere Eier von verschiedenen Weibchen, zu unterschiedlichen Zeiten abgelegt. Entsprechend unterschiedlich ist später dann auch der Entwicklungsstand der Raupen. Die Jungraupen besitzen eine glänzende Haut und sitzen auf der Unterseite der frisch austreibenden und ebenfalls noch glänzenden Faulbaumblättchen. Sie schmiegen sich an die bei den jungen Blättchen noch prominenten Blattrippen und sind hier perfekt getarnt, so dass man die sehr kleinen Tierchen meist erst durch ihre Fraßspuren, kleine Löcher in den Blättern, entdeckt.
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mehrere Eier des Zitronenfalters an Faulbaum
Die erwachsenen Raupen sind mattgrün gefärbt. Sie sitzen auf der Blattoberseite. Ein heller Seitenstreifen sorgt daher für eine Aufhellung des Körperschattens und verwischt so ihre Umrisse. Trotzdem sind Vögel für sie die größte Bedrohung. Eine allzu intensive Singvogelhege sorgt daher sowohl in Forsten als auch im eigenen Garten dafür, dass der Schmetterling, der in keinster Weise als Schädling auftreten kann, erheblich dezimiert wird.
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Puppe des Zitronenfalters
Die Raupen verpuppen sich an den Ästchen der Futterpflanze. Sie häuten sich zu einer am Kopfende spitz ausgezogenen Gürtelpuppe, die mehr waagrecht als senkrecht hängt, oft mit dem Kopf sogar unterhalb der Horizontalen. Nach etwa zwei Wochen schlüpfen die Falter, die dann die blütenreichen Wiesen und Magerrasen im Naturpark Altmühltal bevölkern. Während der heißesten Sommerwochen durchlaufen die Schmetterlinge eine Ruhephase, in der sie kaum aktiv sind. Erst wenn im Spätsommer die Temperaturen wieder erträglicher werden, suchen die Falter erneut alle möglichen Blütenpflanzen auf, um sich die für den Winter notwendigen Energiereserven anzufressen. Gerade die blütenreiche Vegetation der Magerrasenhänge im Altmühltal stellt daher ein wichtiges Refugium der Tiere dar und garantiert deren Überleben. Die Falter, die bereits im Frühsommer geschlüpft sind, überwintern, um im folgenden Jahr die nächste Generation zu gründen. Die Lebenszeit eines Tieres umfasst also ein ganzes Jahr und ist damit für Insektenverhältnisse relativ lang.
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Puppe kurz vor dem Schlüpfen des Schmetterlings
Folgerungen für den Naturschutz:
Zitronenfalter sind Vagabunden und praktisch überall zu finden. Sie meiden jedoch ganz offensichtlich allzu offenes blütenarmes Gelände, wie es die "moderne" Landwirtschaft mit sich bringt. Allerdings ist bereits ein regelmäßiger Durchsatz mit Hecken dazu geeignet, die Attraktivität der Nutzflächen für Zitronenfalter (und auch für andere Schmetterlinge) deutlich zu erhöhen. Zum einen bieten die Randbereiche der Hecken Platz für Falterblüten, zum anderen keimen und wachsen in den Hecken auch sehr schnell die Raupenfutterpflanzen Faulbaum und Kreuzdorn. Bei der Landschaftsgestaltung sollte also unbedingt auf einen ausreichenden Durchsatz mit Hecken geachtet werden, die gegebenenfalls sogar ganz gezielt mit Faulbaum oder Kreuzdorn bepflanzt werden können.
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Zitronenfalter im Garten
Und auch im eigenen Garten bietet es sich an, an einer luftfeuchten und eher kühlen Ecke, z.B. im Bereich eines Gartenteiches, ein oder zwei Faulbaumbüsche zu pflanzen. Bereits kleine Sträucher werden von den Zitronenfalterweibchen zur Eiablage angenommen. Bitte verzichten sie auf die Winterfütterung unserer Meisen und auf das Aufhängen von Meisennistkästen. Ein einziges Meisenpärchen ist in der Lage, Ihren Garten praktisch raupenfrei zu halten! Im Vorfrühling sind unsere Frühblüher eine wichtige Nektarquelle sowohl für Zitronenfalter als auch für andere als Falter überwinternde Schmetterlingsarten. Verzichten Sie bitte daher auf den Schnitt von Weiden, entweder zur Formgebung bereits im Herbst, oder auch wegen der im Frühling beliebten "Palmkätzchen". Schneiden Sie die Weiden in Ihrem Garten also erst, nachdem sie verblüht haben. Ferner werden Sie durch einen blühenden Schmetterlingsflieder auch im Sommer immer wieder einen Zitronenfalter im Garten beobachten können, der sich hier einen Schluck Reiseproviant abholt.
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überwinternder Zitronenfalter

ein Beitrag von Andreas Haller, Ingolstadt (erstellt am 27.01.2002)