Schmetterlingsschutz im Garten - was jeder tun kann

Schmetterlingsgerechte Gartengestaltung


Die Vielgestaltigkeit unserer Hausgärten bietet teils gute Refugien für einige Schmetterlingsarten. Anders als in der flurbereinigten Agrarsteppe finden sich hier die unterschiedlichsten Lebensräume in einem kleinflächigen Puzzle nebeneinander. Es gilt jedoch zu bedenken, dass ein Schmetterlingsgarten nicht nur schmetterlings-, sondern auch raupengerecht angelegt werden muss. Ein koniferendurchsetzter englischer Rasen eignet sich als Schmetterlingslebensraum nicht im geringsten. Zur Anlage eines solchen gehört auch die Akzeptanz für eine gewisse "Unordnung". Dies fängt z.B. beim Belassen von Brennnesselstauden an und hört beim Schnitt der Gartenhecke auf.

Wie wäre es z.B. mit einem Stück Wildblumenwiese? Sie bietet nicht nur den Faltern Nektar, sondern kann auch eine ganze Reihe von Raupen ernähren. Es hat allerdings meist keinen Sinn, sich hierfür diverse Samenmischungen aus dem Garten"fach"handel zu kaufen, da hierin meist Pflanzen unterschiedlichster Standortbedingungen enthalten sind. Im Garten ausgebracht keimt nur ein geringer Teil, der dann meist von gewöhnlichen Gräsern wieder verdrängt wird. Die Anlage einer Schmetterlingswiese gestaltet sich meist schwieriger. Es beginnt damit, dass die meisten der für Schmetterlinge und deren Raupen interessanten Pflanzen auf magerem Boden gedeihen. Daher empfiehlt sich, den Boden zunächst auszumagern, ggf. auch zu drainieren. Sie können hierzu Sand oder Kalkriesel untermischen. Auch mit einem regelmäßigen Schnitt ohne Düngergaben kommen Sie zu einem Stück magerem Rasen. Zum echten Magerrasen ist es dann allerdings noch ein langer Weg! Stellenweise können durch Aufbringen von Schotter auch Störstellen mit besonders warmem Mikroklima geschaffen werden. Offener Boden und Gestein nehmen mehr Wärme auf und strahlen diese nachts wieder ab.

Der so vorbereitete Boden kann nun mit Pflanzensamen bestückt werden. Es empfiehlt sich, das Saatgut gemäß den örtlichen Gegebenheiten selbst zusammenzustellen. Suchen Sie dazu Pflanzen aus, die ähnliche klimatische Bedingungen und Bodenverhältnisse benötigen, wie in Ihrem Hausgarten vorliegen. Viele Wildpflanzen keimen am besten frisch nach der Ernte, doch es gibt auch Arten, deren Samen eine spezielle Lagerung, z.B. auch unter Frosteinwirkung erfordern. In der Regel können Sie nichts falsch machen, wenn Sie die Samen unmittelbar nach der Ernte aussäen. Für alle die es genau wissen und alles richtig machen wollen empfiehlt sich das Buch von Reinhard Witt "Wildpflanzen für jeden Garten", erschienen im BLV-Verlag. Es vermittelt umfangreiche Informationen zur Pflanzenanzucht, geht auf ca. 1000 heimische Blumen, Stauden und Sträucher ein und nennt Händleradressen.

Noch bevor ihre Wiese so richtig ausgemagert ist, stellen sich oftmals bereits das Kleine Wiesenvögelchen oder der Weißrandige Mohrenfalter ein. Die Raupen von Augenfaltern (Satyridae) wie z.B. Ochsenauge oder Schachbrett sind Grasfresser und typische Magerkeitsanzeiger. Sobald sie auftauchen ist die Wiese genau richtig. Auf solchen nährstoffarmen Böden behaupten sich besonders auch Klee- und Wickenarten sehr gut. Sie sind wahre Renner als Raupenfutterpflanzen. Hier einige Beispiele mit den zugehörigen Schmetterlingsarten:

Hornklee
(Lotus corniculatus)
Senfweißling (Leptidea sinapis)
Ikarus-Bläuling (Polyommatus icarus)
Hufeisenklee
(Hippocrepis comosa)
Goldene Acht (Colias hyale)
Hufeisenklee-Heufalter (Colias australis)
Postillon (Colias crocea)
Himmelblauer Bläuling (Lysandra bellargus)
Silberblauer Bläuling (Lysandra coridon)
Wundklee
(Anthyllis vulneraria)
Hylas-Bläuling (Plebicula dorylas)
Winziger Bläuling (Cupido minimus)
Wiesen-Klee
(Trifolium pratense)
Goldene Acht (Colias hyale)
Postillon (Colias crocea)
Violetter Waldbläuling (Cyaniris semiargus)
Kurzschwänziger Bläuling (Everes argiades)
Futter-Esparsette
(Onobrychis viciaefolia)
Postillon (Colias crocea)
Esparsetten-Bläuling (Agrodiaetus thersites)
Alexis-Bläuling (Glaucopsyche alexis)
Streifenbläuling (Agrodiaetus damon)
Luzerne
(Medicago sativa)
Goldene Acht (Colias hyale)
Postillon (Colias crocea)
Prächtiger Bläuling (Agrodiaetus amanda)
Alexis-Bläuling (Glaucopsyche alexis)
Kurzschwänziger Bläuling (Everes argiades)
Bunte Kronwicke
(Coronilla varia)
Senfweißling (Leptidea sinapis)
Goldene Acht (Colias hyale)
Postillon (Colias crocea)
Ikarus-Bläuling (Polyommatus icarus)
Zahnflügelbläuling (Meleageria daphnis)
Argus-Bläuling (Plebejus argus)
Kronwicken-Silberfleckbläuling (Lycaeides argyrognomon)
Wiesen-Platterbse
(Lathyrus pratensis)
Senfweißling (Leptidea sinapis)
Prächtiger Bläuling (Agrodiaetus amanda)
Vogelwicke
(Vicia cracca)
Prächtiger Bläuling (Agrodiaetus amanda)
Alexis-Bläuling (Glaucopsyche alexis)

Wegericharten stellen die Raupenfutterpflanzen für u.a. eine Reihe von Scheckenfalterarten dar:

Mittlerer Wegerich
(Plantago media)
Wegerich-Scheckenfalter (Melitaea cinxia)
Wachtelweizen-Scheckenfalter (Mellicta athalia)
Assmann´s-Scheckenfalter (Mellicta britomartis)
Nickerl´s-Scheckenfalter (Mellicta aurelia)
Zweibrütiger-Scheckenfalter (Mellicta parthenoides)
Spitzwegerich
(Plantago lanceolata)
Wegerich-Scheckenfalter (Melitaea cinxia)
Wachtelweizen-Scheckenfalter (Mellicta athalia)
Nickerl´s-Scheckenfalter (Mellicta aurelia)

Der Boden von Magerrasen sollte einen reichen "Unterwuchs" mit Moosen und niederen Kräutern aufweisen, in denen sich die Raupen gerne verstecken oder überwintern. Vertikutieren erübrigt sich genauso, wie allzuhäufige Mahd. Eine ausreichend ausgemagerte Wiese sollte nur ein-, maximal zweimal pro Jahr gemäht werden. Der beste Zeitpunkt für den Schnitt ist dann, wenn zumindest die höherwüchsigen Blütenpflanzen in der Wiese ausgesamt haben. Jegliche Düngergaben, ob organisch oder mineralisch, sind verboten! Vermeiden Sie bitte auch zu gießen! Durch die sommerliche Trockenheit werden Gräser und verdrängend wachsende Kräuter in ihrem Wachstum gehemmt, während die Samenreifung von Blumen eher gefördert wird.

Die Anlage eines trockenen Magerrasens hat natürlich keinen Sinn, wenn Ihr Garten zumeist beschattet wird, Laubbäume durch den herbstlichen Laubfall zu üppigem Düngereintrag führen oder Grund- bzw. Oberflächenwasser den Boden durchfeuchtet. Gestalten Sie Ihren Garten immer abhängig von den örtlichen Gegebenheiten und legen Sie in nassen Gartenbereichen lieber eine Feuchtwiese an. Auch hier finden viele Schmetterlingsarten ihr Auskommen:

Wiesensauerampfer
(Rumex acetosa)
Dukatenfalter (Heodes virgaureae)
Kleiner Feuerfalter (Lycaena phlaeas)
Violettsilberfalter (Heodes alciphron)
Schwefelvögelchen (Heodes tityrus)
Lilagoldfalter (Palaeochrysophanes hippothoe)
Kleiner Sauerampfer
(Rumex acetosella)
Kleiner Feuerfalter (Lycaena phlaeas)
Wiesenknöterich
(Polygonum bistorta)
Blauschillernder Feuerfalter (Lycaena helle)
Natterwurz-Perlmuttfalter (Proclossiana eunomia)

Saumstrukturen an Hecken und Gehölzrändern sind Standorte verschiedener Veilchenarten, von denen sich Perlmuttfalter und Kaisermantel ernähren:

Rauhaariges Veilchen
(Viola hirta)
Großer Perlmuttfalter (Mesoacidalia aglaja)
Kaisermantel (Argynnis paphia)
Frühester Perlmuttfalter (Clossiana euphrosyne)
Adippe-Perlmuttfalter (Fabriciana adippe)
Hundsveilchen
(Viola canina)
Großer Perlmuttfalter (Mesoacidalia aglaja)
Frühester Perlmuttfalter (Clossiana euphrosyne)
Wildes Stiefmütterchen
(Viola tricolor)
Silbriger Perlmuttfalter (Issoria lathonia)
Kleiner Magerrasen-Perlmuttfalter (Clossiana dia)

Falls Ihr Gartengrundstück nicht ohnehin an eine Wiese oder ein anderes Schmetterlingsbiotop angrenzt, stellt sich die Frage, woher denn überhaupt die Schmetterlinge kommen sollen, die Ihren Garten besiedeln sollen. In erster Linie werden sich flugstarke Schwärmer und sogenannte r-Strategen ansiedeln, d.h. vagabundierende Arten, deren Weibchen bei der Eiablage weit umherfliegen und oftmals Störstellen besiedeln, zu denen auch unsere Hausgärten gehören. Ein klassisches Beispiel hierfür ist der Schwalbenschwanz, dessen Raupen sich regelmäßig auf Dill oder Möhren im Gemüsebeet finden (weitere Informationen finden Sie unter "Arten für den Garten: Der Schwalbenschwanz"). Weitere r-Strategen sind die bereits erwähnten "Brennnesselfalter". Sie brauchen zur Entwicklung ihrer Raupen geeignete Brennnesselstandorte. Eine Ecke im Garten, in der windgeschützt ein Buschen Brennnesseln gedeiht, schafft manchmal den Lebensraum für einige Hundert Raupen. Welche Arten sich allerdings ansiedeln, hängt vom jeweiligen Standort ab. Der Kleine Fuchs will es prallsonnig und lufttrocken, z.B. an Wegrändern. Stehen Ihre Brennnesseln in einer luftfeuchten Senke oder am Gartenteich, so werden sich dort vielleicht die Raupen des Tagpfauenauges einstellen, an schattigen oder halbschattigen Standorten auch das Landkärtchen. Der Admiral hingegen bevorzugt weniger die großflächigen Brennnesselfluren als vielmehr Pflanzen an Saumstrukturen, etwa an Hecken oder entlang besonnter Gartenmauern. Diese Standortbedingungen sollten also berücksichtigt werden, wenn Sie bestimmte Arten von "Brennnesselfaltern" in Ihren Garten locken wollen (Genaueres finden Sie auch unter " Brennnesseln im Garten").

Auch bei der Auswahl der Garten-Gehölze können Sie unseren Schmetterlingen helfen. Grundsätzlich sollten Sie natürlich einheimische Pflanzen bevorzugen, mit einer großen Ausnahme: Der Schmetterlingsflieder. Seine ausdauernden Blüten stellen ein wertvolles Nektarangebot für eine Vielzahl von Schmetterlingen dar. In erster Linie laben sich wiederum die "Nesselfalter" an ihm, doch werden sie auch regelmäßig Distelfalter, Weißlinge, Augenfalter, Perlmuttfalter und auch den Schwalbenschwanz an dieser "Nektarbar" finden. Des Nachts wird der Strauch von allerlei Schwärmern (z.B. Weinschwärmer) und Eulen besucht. Es lohnt sich, den Schmetterlingsflieder nahe einer Sitzecke zu pflanzen, um von dort aus in aller Ruhe das bunte Treiben beobachten zu können. Es gibt ihn in verschiedenen Farben, wobei ich bei Tagfaltern gute Erfahrungen mit blau-violetten Blüten gemacht habe.

Im Frühjahr stellen Weiden üppige und oft die einzigen Nektarquellen dar. Leider sind es nicht unbedingt die bei uns wegen der pelzigen Kätzchen beliebten männlichen Weiden, an denen die Falter interessiert sind, sondern vielmehr die optisch nicht ganz so attraktiven weiblichen Pflanzen. Sie in den Garten zu pflanzen, lohnt sich trotzdem, da gerade die als Falter (auch im Dachstuhl der Wohnhäuser) überwinternden Arten im Vorfrühling einen erheblichen Nahrungsengpaß überwinden müssen! Im übrigen stellen Weiden auch die Futterpflanzen für eine ganze Reihe von Schmetterlingsraupen dar. Eine Übersicht über einige für Raupen interessante Gehölze finden Sie in der folgenden Tabelle:

Faulbaum
(Frangula alnus)
Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni)
Faulbaum-Bläuling (Celastrina argiolus)
Schlehe
(Prunus spinosa)
Kleines Nachtpfauenauge (Eudia pavonia)
Birkenzipfelfalter (Thecla betulae)
verschiedene Weiden-Arten
(Salix spec.)
Abendpfauenauge (Smerithus ocellata)
Salweide
(Salix caprea)
kühl, schattig, luftfeucht:
Trauermantel (Nymphalis antiopa)
warm, sonnig, trocken:
Großer Fuchs (Nymphalis polychloros)
Heckenkirsche
(Lonicera xylosteum)
kühl, schattig, luftfeucht:
Kleiner Eisvogel (Limenitis camilla)
warm, sonnig, trocken:
Hummelschwärmer (Hemaris fuciformis)

Abschließend möchte ich Ihnen noch eine Übersicht geben über die Top-Liste der Nektarpflanzen. Trotz der konkurrenzlosen Nr. 1, dem Schmetterlingsflieder, bieten gerade auch sehr viele einheimische Stauden ein hervorragendes Nektarangebot und ernähren in einem Teil der Fälle, anders als importierte Pflanzen, auch einige Schmetterlingsraupen. Aus diesem Grunde sollten sie bevorzugt werden. Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, sind daher in der folgenden Auflistung einheimische Stauden und importierte oder gezüchtete Gärtnerware gesondert aufgeführt, Erläuterungen geben Hinweise auf den Wert der Pflanzen:

einheimisch
Weiden
(Salix spec.)
für zahlreiche überwinternde Falter die erste Nektarquelle, Raupenfutter u.a. für Großen Fuchs, Trauermantel, Abendpfauenauge
rote Klee-Arten
(Trifolium spec.)
auch Raupenfutterpflanzen für einige Bläulinge und Heufalter (s.o.)
Knautien
(Knautia spec.)
für trockene Standorte, Raupenfutterpflanze für Skabiosenschwärmer
Flockenblumen
(Centaurea spec.)
für trockene Standorte
Seifenkraut
(Saponaria spec.)
wertvolle Schwärmerblüte
Lichtnelken
(Silene spec.)
wertvolle Schwärmerblüte
Disteln
(Cardus spec.)
fast so beliebt wie der Schmetterlingsflieder!
Wasserdost
(Eupatoria cannabina)
gut für feuchte Standorte
Blutweiderich
(Lythrum salicaria)
gut für feuchte Standorte, beliebt u.a. bei Weißlingen, Augenfaltern und Bläulingen
Jelängerjelieber
(Lonicera spec.)
beliebte Nektarquelle für Schwärmer, Raupenfutterpflanze für den Hummelschwärmer
Rote Fetthenne
(Sedum telephium)
wertvoller Herbstblüher, beliebt insbesondere bei den als Falter überwinternden Arten
nicht einheimisch
Wandelröschen
(Lantanum spec.)
gern besuchter Dauerblüher, benötigt frostfreie Überwinterung
Schmetterlingsflieder
(Buddleia davidii)
die Nr. 1 unter den Schmetterlingsblüten! Sehr beliebt bei fast allen Arten von Tag- und Nachtfaltern.
Hängesommerflieder
(Buddleia alternifolia)
für Schmetterlinge nicht ganz so attraktiv wie davidii, jedoch ebenfalls eine wertvolle Nektarquelle
Luzerne
(Medicago sativa)
auch Raupenfutterpflanze für einige Bläulinge und Heufalter (s.o.)
Futteresparsette
(Onobrychis viciaefolia)
auch Raupenfutterpflanze für einige Bläulinge (s.o.)
Phlox/Flammenblume
(Phlox spec.)
beliebt bei Schwärmern und Schwalbenschwanz
Ziertabak
(Nicotina glauca)
beliebte Nektarquelle für Schwärmer
Petunien
beliebte Nektarquelle für Schwärmer
Salbei-Arten
(Salvia spec.)
häufig von Weißlingen und Nachtfaltern besucht
Nachtkerzen-Arten
(Oenothera spec.)
attraktive Abend- und Nachtblüher, beliebt bei Schwärmern und Eulen
Bartblume
(Caryopteris incana)
häufig von Weißlingen und Nachtfaltern besucht
Lavendel
(Lavandula officinalis)
beliebt bei allen möglichen Tagfaltern sowie Eulen

ein Beitrag von Andreas Haller, Ingolstadt (erstellt am 16.08.2001)