Schmetterlingsschutz im Garten - was jeder tun kann
Fallobst - eine wichtige Futterquelle für Nymphalidae der Herbstgeneration
Eine für viele Insekten im Herbst wichtige Nahrungsquelle sind überreife Früchte, die vom Baum fallen
und schließlich in Gärung und Fäulnis übergehen. Besonders begehrt sind die saft- und zuckerreichen
Steinobstsorten wie Zwetschge, Pflaume und Reneklode. Auf den Früchten finden sich zahllose Fliegen,
Bienen, Wespen, Hornissen und natürlich auch Schmetterlinge. Ab Ende August kann man an warmen und sonnigen Tagen an geeigneten Bäumen oft 20 - 30 Schmetterlinge bei
der Nahrungsaufnahme beobachten. Insbesondere nutzen Tagpfauenaugen und Admiräle das hochkalorische
Futterangebot.
Die Falter nähern sich ihrer Nahrungsquelle, indem sie sich ein Stück entfernt von ihr auf den Boden
niederlassen und dann "zu Fuß" zum Obst laufen. Dort angelangt beginnen sie mit geschlossenen Flügeln zu
saugen und sind mit ihrer dunklen Flügelunterseite in dieser Stellung recht gut getarnt. Bevorzugt
werden offenbar im Schatten liegende Früchte. Um die Früchte und die besten Plätze an ihnen herrscht
ein Konkurrenzkampf mit Fliegen und Wespen. Die Schmetterlinge versuchen dabei die lästigen "Mitesser"
mittels raschem Aufklappen der Flügel zu vertreiben. Ihre Ruhepausen verbringen die Tiere je nach
Umgebungstemperatur in der Sonne, im Schatten oder Halbschatten. Bei bedecktem Himmel sitzen die meisten
Falter mit ausgebreiteten Flügeln z.B. auf Holzlatten oder Steinplatten, die die Wärme speichern und die
Schmetterlinge länger warm halten. Kommt die Sonne wieder heraus, so klappen die Tiere ihre Flügel wieder
zusammen und sind damit der Wärmeeinstrahlung weniger ausgesetzt.
Großer Fuchs und Trauermantel werden in Deutschland immer seltener beobachtet. Viele Entomologen machen
hierfür die starke Umweltverschmutzung und deren Auswirkungen auf die Raupen verantwortlich. Betrachtet
man jedoch die Bedürfnisse der Falter, so stellt man fest, dass auch diese im Herbst mehr oder weniger
vom Fallobst abhängig sind. Wie groß die Bedeutung einer solchen Futterquelle für diese Arten ist, läßt
sich nur vermuten, anhand der noch häufig vorkommenden Tagpfauenaugen, die dutzendweise solche Fallobstbäume
aufsuchen, jedoch erahnen. Schmetterlinge, die es im Herbst nicht schaffen, sich einen entsprechenden
"Winterspeck" anzufressen, haben keine Überlebenschance. Die in Dachstühlen, Schuppen oder Holzstößen
überwinternden Tiere sind bei schlechtem Ernährungszustand zum Verhungern verurteilt, noch bevor im
Frühjahr die ersten Blüten neuen Nektar produzieren.
Große Steinobstbäume, deren überschüssige Früchte
ungeerntet bleiben, sind in unserer aufgeräumten Kulturlandschaft leider rar geworden. Es ist also
naheliegend, für den Rückgang von Großem Fuchs und Trauermantel außer der nicht zu verleugnenden
Umweltverschmutzung auch einen Mangel an Futterbäumen für die Herbstfalter verantwortlich zu machen.
ein Beitrag von Andreas Haller, Ingolstadt (erstellt am 17.06.2001)