Texte und Fotos: Helmut Presser
Die Orchidee des Jahres 2009
Das Mannsknabenkraut, Stattliches Knabenkraut Orchis mascula (L.) L.
Zoom
Die Orchidee des Jahres 2008
Das Übersehene (Fingerwurz-) Knabenkraut Dactylorhiza praetermissa (DRUCE) SOÓ Zoom
Die Orchidee des Jahres 2007
Das Gewöhnliche Kohlröschen Nigritella rhellicani (TEPPNER & E. KLEIN) TEPPNER & E. KLEIN ZOOM
Die Orchidee des Jahres 2006
Die Breitblättrige Stendelwurz (Sitter) Epipactis helleborine (L.) CRANTZ ZOOM
| Merkmale: (15) 20 - 50 (90) cm
hoch, mit 3 -
10, meist flach ausgebreiteten Laubblättern. Blüten
sehr variabel, im Hypochil (schüsselförmige Hinterlippe) normalerweise schwarzbraun,
selten grün, hellbraun oder rot. Epichil (Vorderlippe)
breiter als
lang.
Ähnliche Sippen: Die Übersehene Stendelwurz E. leptochila subsp. neglecta blüht 2 Wochen früher, hat kleinere Blätter und eine zierlichere, meist autogame Blüte mit einem Epichil, das länger als breit ist. Die Spitzlippige Stendelwurz E. leptochila hat ebenfalls kleinere Blätter und öffnet im Gebiet ihre autogamen Blüten (ohne Klebdrüse) mit den langen, spitzen Lippen kaum. Die Kurzblättrige Stendelwurz E. distans wurde bisher im Umkreis von 20 km um den Landkreis noch nicht gefunden und fällt durch ihre sehr kurzen Laubblätter auf. Müllers Stendelwurz E. muelleri ist im Gebiet extrem selten und besitzt gelbliche, hängende Blüten mit reduziertem Rostellum und ohne Klebdrüse. Sie blüht bereits Anfang Juli. Die Braunrote Stendelwurz E. atrorubens blüht ebenfalls Anfang Juli und hat ein meist helles Hypochil und zerzauste statt glatte Höcker auf dem Epichil. Die Laubblätter sind meist wechselständig und unten rötlich überlaufen. Die Violette Stendelwurz E. purpurata blüht erst in den letzten Junitagen oder im August auf, besitzt ein hellbraunes Hypochil und kurze, violett überlaufene Laubblätter.
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Blütezeit: Anfang Juli (wenige
Pflanzen in warmen Buchenwäldern, möglicherweise teilweise beeinflusst
von E. leptochila subsp. neglecta), normalerweise Mitte
Juli bis Anfang August
Bestäubung: Die Blüten werden hauptsächlich von Wespen bestäubt (selten von Hummeln oder Schwebfliegen), die den Nektar in der Hinterlippe v.a. dann attraktiv finden, wenn dieser bei warmer Witterung zu gären beginnt. Dann kann man häufiger "volltrunkene" Wespen beobachten, die sogar von den Blüten fallen und teilweise zahlreiche Pollinien auf dem Kopf tragen.
Standorte: Meist halbschattig oder schattig an Waldwegen (über Lehm mit Kalk geschottert), im lichten Waldrandbereich auf nicht zu trockenen Böden. Selten stehen die Pflanzen sonnig, wo dann die Laubblätter kürzer und evtl. auch rinnig werden. Es werden auch Steinbrüche besiedelt, meist aber erst in einem relativ späten Sukzessionsstadium, wenn sich bereits eine dichte Pflanzendecke und Beschattung mit Bäumen gebildet hat. Gern steht die variable Pflanze bei uns in lichten und mageren, naturnahen Buchenwäldern an steilen Stellen, ebenso aber unterhalb von Felsen und in sehr humusreichem Boden, wo sie sehr mastig werden kann. In Donaunähe wächst sie im Auwald oder hinter Gebüsch auf kiesigem Boden. |
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| Variationen: Im Gebiet kommen
sowohl sehr kräftige, großblütige Pflanzen mit mehr als 70 Blüten vor,
als auch sehr zierliche, kleinblütige mit ca. 10 Blüten. Letztere findet
man v.a. an Waldwegen über Lehm (Albüberdeckung), aber auch an
Buschrändern auf steinigem Boden (Plattenkalk), wo sie erstaunlich spät
blühen können. Man kann allerdings jegliche Übergangsform finden, wenn
auch nicht unbedingt in ein und derselben Population.
An manchen Stellen scheinen sich Bastardschwärme mit der autogamen Übersehenen Stendelwurz E. leptochila subsp. neglecta zu bilden. Sie blühen früher, tragen etwas kleinere Laubblätter und die Klebdrüse (Viscidium) in der Blüte vertrocknet bald. Dann zerfallen die Pollinien und die Pflanzen bestäuben sich selbst. Wenige Standorte zeigen auffallend kurzblättrige Pflanzen, ohne dass diese zwingend anderen Arten zugerechnet werde könnten (vgl. "Wer kennt Ähnliches im Epipactis helleborine - Aggregat?). An der Donau (Großmehring) wurde eine kleine Population mit Pflanzen gefunden, die im Austrieb m.o.w. violett überlaufene Blätter aufwiesen. Zur Blütezeit war diese Färbung verschwunden und auch im Jahr darauf zur Zeit des Austriebs nur schwach ausgebildet (s.rechts). An einer Stelle (Landershofen) wurde eine chlorophyllfreie, also weiße Pflanze gefunden, die zumindest 3 Jahre hintereinander zur Blüte kam (s.rechts).
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Gefährdung: An ihren
Hauptwuchsorten, den Waldwegen wird die Breitblättrige Stendelwurz
häufig durch Verbreiterung oder "Säuberung" der Wege bzw.
durch Fahrzeuge und Holzlagerung vernichtet. Auch werden viele knospende
Pflanzen durch Rehwild abgefressen, Nacktschnecken können ebenfalls
Schäden anrichten.
Im Allgemeinen ist die Sippe aber noch recht häufig und insgesamt auch in unserem trockenen Gebiet nicht gefährdet. Da es aber durchaus möglich ist, dass noch unerkannte, seltene Sippen in dem "Sammeltopf" Epipactis helleborine zu finden sind, muss man Biotope mit auffallenden Formen unbedingt schützen. Möglicherweise ist gerade diese Sippe mitten in einer Aufspaltung begriffen, also könnten sich im Augenblick neue Arten herausbilden. Wie schnell das vor sich geht, kann man nur vermuten. Aus zahlreichen anderen Gebieten sind zumindest sehr ähnliche Sippen bekannt, die inzwischen meist als eigene Art neu beschrieben wurden. Und dieser Vorgang dauert an. chlorophyllfreie Pflanze violett überlaufene Pflanze |
Blütenstudien Variationen im Landkreis Eichstätt
Bastard E.helleborine x E.leptochila subsp. neglecta? |
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Merkmale: 10 bis 25 (30)cm hoch, zierlich, mit einer flach aufliegenden, hell bläulich grünen Blattrosette, die bereits im Herbst erscheint. Die Knospen des dichten, stumpfen Blütenstands sind charakteristisch schwärzlich purpurn gefärbt, so dass die Pflanze wie angesengt aussieht (Name!). Die etwa 20 bis 50, leicht nach Honig duftenden, auffallend kleinen Blüten werden im Lauf der Anthese heller, der Helm wird bei vielen Exemplaren sogar grün. Die vierteilige, meist weiße, seltener in den Spitzen rötliche Lippe trägt rote Punkte, auch auf den Seitenlappen. Der kurze Sporn weist nach unten. Variation: Sehr selten findet man Albinos ohne roten Farbstoff mit grünem Helm oder auch normal gefärbte Exemplare mit reinweißen, ungezeichneten Lippen. Auch kräfiger gefärbte Exemplare kommen gelegentlich vor.Ähnliche Sippen: Auch das Purpurknabenkraut Orchis purpurea wirkt durch die dunklen Knospen wie angesengt, ist aber in allen Teilen deutlich größer. Subsp. aestivalis, vgl. nächstes Kapitel! Blütezeit: (Anfang) Mitte Mai bis Anfang Juni, auf hoch gelegenen Bergwiesen bis in den Juli Besonderheiten: Im Gegensatz zur ssp. aestivalis wird die Frühjahrsform von einer Raupenfliege (Echinomyia magnicornis: GODFERY 1933, VÖTH 1984) bestäubt, der Fruchtansatz ist aber meist sehr gering. |
Standorte:
Trockene bis frische, kalkhaltige, besonders lückige Magerrasen, meist
vollsonnig. Die Sippe findet man auf kiesigem Untergrund in Flussauen, in
steinigen bis felsigen, beweideten Wacholder-Trockenrasen und frischen,
ungedüngten Mähwiesen. Sie ist stark auf Pflege angewiesen und kommt
auch in trockenen Gebieten an trockensten Südhängen zurecht.
Im Landkreis Eichstätt trifft man das konkurrenzschwache Pflänzchen nur an wenigen warmen Stellen an (beweidete Südhänge, Brennen an der Donau), große Populationen sind selten. Frische Mähwiesenstandorte existieren bei uns nicht mehr, alle in Frage kommenden Biotope werden gedüngt. Ein kleiner Bestand wird nach Beweidungsaufgabe allerdings durch den Bund Naturschutz sporadisch gepflegt. Ein
Verbreitungsschwerpunkt zeichnet sich zwischen Eichstätt und Kipfenberg
ab, einige Populationen sind allerdings durch fehlende oder mangelhafte
Beweidung bereits erloschen. Gefährdung: Durch die hohen Biotop-Ansprüche verschwinden immer wieder Populationen von Orchis ustulata, inzwischen allerdings weniger durch landschaftliche Maßnahmen als durch Sukzession. Örtlich stellen auch Dachs und Schwarzwild ein wachsendes Problem dar. In den nördlich angrenzenden Bundesländern ist das Brandknabenkraut bereits sehr selten, im nördlichen Drittel Deutschlands fehlt es inzwischen völlig. Bayern und Baden-Württemberg haben also eine große Verantwortung bezüglich der Erhaltung der Art. |
typischer Standort im mittleren Altmühltal besonderes kräftige Blütenstände der Frühjahrsform |
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Merkmale: Die ssp. aestivalis ist durch die selben Merkmale wie die Nominatform gekennzeichnet, sie wird allerdings 20 bis 40 (60) cm hoch, schlank, mit längeren, schräg aufwärts stehenden, m.o.w. rosettig angeordneten Laubblättern, die erst zu Ende des Winters erscheinen (ob überall?). Der Blütenstand ist lockerer und länger mit bis zu über 100, etwas größeren Blüten. Vor dem völligen Aufblühen ist er nicht stumpf sondern spitz, die Blütenhelme öffnen sich oft geringfügig mehr als bei der Frühjahrsform. Die Blüten duften schwach nach Zitrone statt nach Honig. Variationen sind nicht bekannt. Ähnliche Sippen: Auch das Purpurknabenkraut Orchis purpurea wirkt durch die dunklen Knospen wie angesengt, besitzt aber deutlich größere Blüten und Laubblätter. Ssp.
ustulata, vgl.
Merkmale! Blütezeit: Anfang bis Ende Juli (Anfang September), überschneidet sich kaum einmal mit der Nominatform. Möglicherweise existiert noch eine dritte Sippe, die etwa zusammen mit Spiranthes spiralis bis Oktober, sogar in den selben Biotopen blüht.
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Standorte: Feuchte bis fast trockene, kalkhaltige Magerrasen, meist vollsonnig. Die Sippe ist hauptsächlich aus orchideenreichen, kiesigen Brennen der Flussauen bekannt, wo man sie (manchmal zusammen mit der Nominatform) in lückigem Gras an sonnigen bis zeitweise beschatteten, meist ebenen Stellen finden kann. Sehr selten trifft man sie auch in gepflegten Kalk-Flachmooren auf leicht feuchtem Boden an oder in steinigen Magerrasen an, wo sie gern süd- bis westexponiert steht. Auch ein Sekundär-Biotop, eine Wegböschung (Abgrabung) ist bekannt. In den Alpen wächst sie auf Bergwiesen und wird bis aus etwa 1400 mNN gemeldet. Im Landkreis Eichstätt kommt die Sommerform gut abgegrenzt nur in einigen Brennen an der Donau vor, offenbar ohne die Frühlingsform. In anderen, gleich angrenzenden Brennen sind beide Unterarten vertreten und können sich in manchen Jahren hinsichtlich der Blütezeit überschneiden, wobei dann offensichtlich selten auch Zwischenformen existieren. Besonderheiten: Vielfach wird auf die spät blühende Sippe noch nicht geachtet, auch fallen die Pflanzen im höheren Gras (Sommer!) weniger auf. So sind allgemeine Aussagen bisher nur schwer zu treffen. Besonders in höheren Lagen scheint es aber örtlich zu Blütezeit-Überschneidungen und eventuell zu Mischpopulationen zu kommen. Eine sichere Einordnung wäre dann kaum möglich. Bestäubt wird die Sommerform des Brandknabenkrauts im Gegensatz zur Frühjahrsform nach hauptsächlich durch einen Bockkäfer (Leptura levida) und verschiedene Hummel-Arten. Der Fruchtansatz ist relativ hoch. Gefährdung: Die ssp. aestivalis ist sicherlich überall wesentlich seltener als die Frühjahrsform, sie kann offenbar weniger Trockenheit ertragen und stellt so noch spezifischere Ansprüche an ihre Biotope. Hierdurch reagiert sie natürlich weitaus empfindlicher auf Biotopverlust oder Fressfeinde. Sie ist also wohl überall als stark gefährdet einzuordnen. |
sporadisch gepflegte, überwiegend trockene Brenne im Bereich Neuburg mit der Nominatform, der Subspezies aestivalis, Hummelragwurz, Spitzorchis, Helmknabenkraut, Weißer Waldhyazinthe und Mückenhändelwurz regelmäßig gepflegte Brenne mit frischerem Boden, hier nur die Sommerform und die Spitzorchis, früher im Jahr auch Helmknabenkraut |
| Beschreibung: meist 5 - 20 cm
hoch, relativ lockerblütig, Blütenhelm grün, manchmal braun
überlaufen, die zungenförmig herabhängende Lippe (Name!) ist gelb,
grün oder braunrot, etwas fleischige, teils stängelbegleitende
Laubblätter.
Blütezeit: Mai (-Juni), in Hochlagen auch noch später. Die Hohlzunge ist nahe mit der Gattung Fingerwurz-Knabenkräuter Dactylorhiza verwandt, bietet aber im Gegensatz zu diesen Nektar an. Standort-Bedingungen: Sie ist sehr konkurrenzschwach und ist also auf magere, lichte bis sonnige, Standorte angewiesen, die regelmäßig gepflegt oder beweidet werden. Dichter bewachsene, warme und zu trockene Biotope meidet sie strikt. Waldstandort in der Oberpfalz mit Fichten-Aufpflanzung |
Die empfindliche Pflanze ist durch
Nutzungsänderung, Nährstoffeintrag und Klimaerwärmung in den letzten
Jahrzehnten in Deutschland deutlich zurück gegangen und steht in vielen
Gebieten kurz vor der Ausrottung.
Verbreitung: Im Landkreis Eichstätt wurde die gut zu erkennende aber unauffällige Art noch nie gefunden, obwohl passende Biotope vorhanden wären. Vermutlich fehlen hier die Niederschläge. Die nächsten Fundorte sind etwa 100 km entfernt. Ein Neufund in unserem Gebiet wäre zwar unwahrscheinlich aber nicht unmöglich. Nördlich unseres Gebietes ist sie inzwischen durch Biotopverlust sehr selten. Sie gedeiht hier in mageren Wiesen in Waldrandnähe sowie halb schattig in kleinen Lichtungen im Buchenmischwald, z.B. in der Oberpfalz. Gern wächst sie über Muschelkalk, sie kommt jedoch auch mit kalkfreien, m.o.w. basenreichen Böden zurecht. In höheren Lagen der Mittelgebirge kann man sie eher auffinden. Im Süden fehlt sie bis an den Alpenrand. Häufiger ist sie nur in den Bergwiesen der Alpen. Des weiteren ist sie zirkumpolar im eurosibirischen und nordamerikanischen Raum verbreitet. Im Norden kommt sie häufiger in Meeresnähe vor (z.B. Irland, Norwegen). |
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Beschreibung: 10 - 25 (50) cm hoch, Blütenlippe ca. 1 cm lang. Die in einer Rosette wachsenden Blätter erscheinen schon im Herbst und vergehen je nach Trockenheit etwa im Juni / Juli. Blütezeit: Die ersten Blüten öffnen sich an warmen Standorten Anfang Mai, an kühlen oft erst Anfang Juni, die Pflanze blüht 2 -3 Wochen lang. Standorte: Die relativ seltene Art braucht kalkhaltigen Untergrund und siedelt im Landkreis Eichstätt ausschließlich in magerem, steinigem, meist leicht bemoostem Boden. Bei uns stehen die meisten Pflanzen nicht wie in anderen Gebieten vollsonnig in beweideten Magerrasen (nur 3 Stellen im Landkreis bekannt), sondern halbschattig bis schattig hinter, manchmal unter Nadelbäumen, bevorzugt in alten Steinbrüchen (knapp 30 Standorte). Blattrosetten im Winter an freigepflegter Stelle in altem Steinbruch
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Wenige, schwach besetzte Wuchsorte liegen im Schatten von Buchen an Stellen, wo der Wind das Laub regelmäßig weg weht. Der Talgrund und die Alb-Überdeckung werden nicht besiedelt. Im gesamten östlichen Landkreis fehlen interessanterweise bisher neuere Nachweise. Auch an der Donau scheint sie in unserem Bereich inzwischen zu fehlen. Früh austreibende, offen stehende Pflanzen erfrieren im Gebiet in manchen Jahren bei leichten Spätfrösten. Häufiger noch vertrocknen sie in Dürrejahren, oft schon während der Blüte, treiben im Folgejahr allerdings meist wieder aus. Es sind derzeit etwa 280 Ragwurz-Arten bekannt, fast alle sind im Mittelmeer-Gebiet heimisch. In Deutschland wachsen 6 Arten, im Landkreis Eichstätt 4, davon ist eine seit etwa 15 Jahren ausgestorben (Spinnenragwurz Ophrys sphegodes), eine weitere ist vermutlich ebenfalls schon verschwunden (vor 5 Jahren wurden noch 4 Exemplare der Hummelragwurz Ophrys holoserica an der Donau gesehen). Die letzte, noch nicht genannte Art, die Bienenragwurz Ophrys apifera scheint sich durch die Klimaerwärmung derzeit überall auszubreiten und wurde inzwischen auch bei uns in 7 Biotopen gefunden. |
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Besonderheiten: Alle Ragwurz-Arten ahmen optisch Insekten nach, die Fliegenragwurz das Weibchen einer Grabwespe (Gattung Argogorytes). Der meist bläuliche, glänzende Fleck scheint auszureichen, dass die Männchen der Grabwespe ihn für die häutigen Flügel von Weibchen halten. Darüber hinaus sind Ragwurz-Lippen immer mit unzähligen Härchen besetzt, bei der Fliegenragwurz sind sie sehr kurz, die Lippe ist eher samtig.
Das Raffinierteste ist aber, dass unbestäubte Ragwurz-Blüten exakt den Sexuallockstoff ihrer "tierischen Vorlage" ausströmen. So bringen sie die Insektenmännchen zu Kopulationsversuchen, wobei Pollenpakete an das Insekt geklebt werden bzw. mitgebrachte Pollinien in die klebrige Narbe gedrückt werden. Näheres unter dem Beitrag "Beispiele zur Ophrys-Bestäubung"
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Die Männchen werden so an unbefruchtete Blüten "verwiesen" (nach Prof. H. PAULUS 2000 mdl.). Im Landkreis kommen sowohl Pflanzen mit recht lebhaft gefärbten Lippen als auch sehr einfach gefärbte Exemplare vor. |
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An einer Stelle wurden zwei Pflanzen mit hellbraunen Lippen (Tendenz zu Albino) gefunden. Reine Albinos mit grüner Lippe sind hier bisher nicht bekannt. Im Allgemeinen ist die Art für eine allogame Ophrys (fremdbestäubte Ragwurz) recht gut bestäubt (ca. 10 bis 90 %). Überleben kann die Fliegenragwurz nur, wenn auch ihr Bestäuber überlebt, wenn also magere, offene Standorte im derzeitigen Zustand erhalten bleiben. Aus diesem Grund müssen unsere Magerrasen erhalten bleiben und dürfen alte Steinbrüche nicht verfüllt werden oder völlig zuwachsen. Ebenso schädlich wäre ein Aufwuchs an Laubbäumen an den Standorten, da das Falllaub die Orchideenrosetten zudeckt und zum Absterben bringt. |
Die Nestwurz, (Vogel-) Nestwurz Neottia nidus avis (L.) L. C. RICHARD ZOOM
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Etymologie
: Merkmale : Blütezeit: |
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Standort: |
var. pallida
var. sulphurea
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Verbreitung:
Die durch ihre widerstandsfähigen Fruchtstände leicht zu kartierende Art
ist in Deutschland noch weit verbreitet und häufig. Lediglich im nördlichen
Viertel und in Ostbayern ist das Verbreitungsgebiet sehr lückig, was vermutlich
auf Kalkmangel und ausgeräumte Landschaften zurückzuführen ist. Im Landkreis Eichstätt ist sie nach dem Bleichen Waldvögelein Cephalanthera damasonium die zweithäufigste Art und vor allem in der Nähe der Talhänge bzw. im Hang zu finden. Selten wird sie auf der Albüberdeckung (dichter Lehmboden) und in Donaunähe. |
var. pallida |
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Besonderheiten: |
var. sulphurea
sulphurea / pallida
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Aussehen: Die Herbst-Wendelorchis (Spiranthes spiralis), auch Herbst-Drehähre oder Schraubenstendel genannt, ist eine kleinwüchsige und eher unscheinbare Pflanze. Die einzelnen Pflanzen werden nur circa 10 - 15 cm hoch, häufig sind sie sogar noch kleiner. Die Blütezeit beginnt je nach Feuchtigkeit ab etwa Mitte August, vereinzelt noch etwas früher, und dauert in trockenen Jahren bis Anfang Oktober. Die weißen, innen oft grünlich schimmernden Blüten stehen in dichter Ähre um den drüsig behaarten und in der Regel spiralig gedrehten Stängel. Die Einzelblüten sind kaum größer als 7 - 8 mm.
Befruchtung: Die süß
nach Vanille oder Cumarin duftenden Blüten locken vor allem verschiedene
Hummel- und Bienenarten an. Beim Eindringen in die Blüte bleiben
die Pollenpakete am Insekt haften. Ein weiteres Eindringen ist jedoch
zunächst unmöglich. Erst nach einigen Tagen wird die Narbe
für die Befruchtung frei, ein pollentragendes Insekt kann die Befruchtung
vollziehen. Dadurch ist eine Selbstbefruchtung innerhalb der Art ausgeschlossen.
Nach kaum einem Monat erfolgt die Samenreife. Die staubfeinen Samen
werden durch Niederschläge in den Boden eingewaschen, wo sie bis
zur blühfähigen Pflanze eine mindestens vierjährige,
von einem Symbiosepilz abhängige Entwicklungszeit durchlaufen.
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| Vorkommen: Die Herbst-Wendelorchis bevorzugt extensiv beweidete Standorte. Daher gedeiht sie vor allem auf halb- oder wechseltrockenen Schaftriften und Magerrasen, seltener auf feuchten Mähwiesen. Lehmige und lehmig-sandige Böden, aber auch torfige Böden sind bevorzugte Standorte der Orchidee des Jahres 2001. Die Art gilt als Schatten meidend und Salz unverträglich. Die Herbst-Drehähre kommt, vom Mittelmeer ausgehend, entsprechende Wuchsplätze vorausgesetzt, in ganz Europa vor. Dabei bevorzugt sie das gemäßigte Klima ohne allzu trockene, kontinentale Winter. In Deutschland ist sie vor allem in den südlichen und mittleren Landesteilen anzutreffen. In der Umgebung von Eichstätt kommt sie noch stellenweise in beweideten Wacholderheiden vor, vorzugsweise in flachen Bereichen, bzw. fast nur süd- bis westorientiert. |
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| Gefährdung: Bereits im 19. Jahrhundert
musste das zierliche Pflänzchen durch den Rückgang der Schafhaltung
starke Standortverluste hinnehmen. Auch die Intensivierung der Landnutzung im
20. Jahrhundert bedingte einen weiteren Rückgang der Artenzahl. Die Umwandlung
der Standorte in Intensivweiden oder Ackerland entzog der konkurrenzschwachen
Pflanze in kürzester Zeit Licht, Nahrung und Standraum. Derzeit ist die
Herbst-Wendelorchis nur in der Roten Liste Bayerns als "gefährdet" eingestuft,
in allen anderen Bundesländern wird sie, soweit sie dort überhaupt
vorhanden ist, als "vom Aussterben bedroht" oder "stark gefährdet"
geführt. Daher ist es sehr wichtig, die wenigen verbliebenen Wuchsplätze
der Orchidee vor schädlichen Einflüssen zu bewahren. |
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Im Landkreis Eichstätt sind ebenfalls bereits
die Mehrzahl der Wuchsorte zerstört oder zumindest schwer geschädigt.
Die Ursachen hierfür sind eine Umwandlung von Schafweide in Ackerland (z.
B. große Bereiche um Pfahldorf und Schelldorf), eine ausbleibende, extensive
Nutzung nach Aufgabe der Beweidung (Bereiche um Gelbelsee, Arnsberg, Pfahldorf,
Großmehring und Ensfeld beispielsweise), durch Wegebau und Ablagerungen
(z. B. Pfünz) bzw. sogar durch Pflegemaßnahmen und Befahren der Magerrasen
(z. B. Landershofen). Auch der Dachs dezimiert in unregelmäßigen
Abständen größere Bestände; in und nach Dürrejahren
(im Frühling) kommen deutlich weniger Pflanzen zur Blüte, zum Teil
sterben sie dann sogar ab. Im extrem niederschlagsarmen Jahr 2003 blieb die
Blüte völlig aus.
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Herbst-Wendelorchis-Biotop: beweideter Magerrasen |
Rotes Waldvögelein Cephalanthera rubra (L.) L. C. Richard
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Wichtigste Kennzeichen: 20-50 cm hoch, 2-10 daumennagelgroße, meist dunkelrosa gefärbte Blüten. Die spitze Blütenlippe ist innen weißlich und trägt ca. 7 gelbliche Längsleisten. Die Laubblätter sind lang und schmal, meistens flach ausgebreitet und dunkelgrün.
trockene, lichte Buchenwälder, dort gerne in der Nähe von einzelnen Kiefern, hauptsächlich an Waldwegen. Die Pflanze bevorzugt kalkreichen, bis neutralen, oft oberflächlich versauerten, laubarmen Untergrund und kommt u.a. an warmen Hängen reichlicher zur Blüte. Wird der Standort zu schattig, überdauert sie noch einige Jahre in blütenlosem Zustand (steril). Bei forstlichen Maßnahmen (Baumentnahme), Wind oder Schneebruch, kann sie dann innerhalb eines Jahres wieder blühen. Im Gegensatz zu anderen Gegenden ist das Rote Waldvögelein bei uns nur selten im Steppenheide-Kiefernwald zu finden. Sekundärbiotope wie z.B. Straßenränder besiedelt es hier nur auf "gewachsenem" Boden, also Böschungen oberhalb der Straße. Die orchideenreichen Steinbrüche im Landkreis meidet es interessanterweise. |
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Bestäubung: Das Rote Waldvögelein ist eine "Nektartäuschblume", d.h., sie bietet trotz optischer Reize keinen Nektar. Es wird vermutet, dass hauptsächlich Wildbienen, Bestäuber der Pfirsichblättrigen Glockenblume (Campanula persicifolia) oder Verwandter (die oft im selben Biotop wachsen) das Rote Waldvögelein irrtümlich anfliegen. Eventuell werden die Blüten auch als Schlafstätte benutzt und dadurch bestäubt. Da dies selten geschieht, entwickeln sich nur wenige Samenkapseln, die dann allerdings 1000e Samen entlassen.
Schutz Gefährdet ist bei uns die attraktive Art nur örtlich - Bestände mit über 100 Individuen sind noch hier und da vorhanden. Bei Unkenntnis des gesetzlichen Schutzes (Pflück- und Ausgrabungsverbot) wandern sicher einige Pflanzen in Blumenvasen oder in Gärten, wo sie mit Sicherheit nicht anwachsen (Pilzsymbiose im Boden. Häufiger werden sie bei der Straßenrandpflege abgemäht, an Waldwegen mit Unrat oder Holz zugedeckt, von Jungwuchs oder Kräutern überwuchert, von Rehwild verbissen. Endgültig verloren ist ein Standort einige Zeit nach dem Zuwachsen mit Fichten. Man sollte sich im Klaren darüber sein, dass auch die Waldorchideen ständig abnehmen; neue Standorte entstehen praktisch nicht, alte werden schlechter oder verschwinden.
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| Verwandtschaft:
Das Bleiche Waldvögelein (C. damasonium) hat gelblich weiße Blüten und kurze, spitzovale Blätter. Es ist noch deutlich häufiger und blüht im Mai. Das Schwertblättrige Waldvögelein (C. longifolia) hat rein weiße Blüten und lange, hellgrüne Blätter. Es ist sehr selten (wohl unter 200 Pflanzen im Landkreis) und blüht noch vor dem Bleichen Waldvögelein auf. Beide Arten können zusammen mit dem roten Waldvögelein vorkommen, sind aber im Juni meist verblüht. Sehr selten bildet das Rote Waldvögelein auch Albinos mit weißen Blüten aus (Bild rechts) oder gar chlorophyllfreie Pflanzen mit weißen bzw. gelben Blättern und Stängeln (je 1x im Landkreis gesehen). |