Beiträge zum Thema Orchideen    Home 

  alle Fotos und Texte: Helmut Presser


Die Orchidee des Jahres 2009       neu! Mannsknabenkraut
Die Orchidee des Jahres 2008 Übersehenes Knabenkraut
Die Orchidee des Jahres 2007       Gewöhnliches Kohlröschen
Die Orchidee des Jahres 2006       Breitblättrige Stendelwurz
Die Orchidee des Jahres 2005 Brandknabenkraut
Die Orchidee des Jahres 2004: Grüne Hohlzunge
Die Orchidee des Jahres 2003: Fliegenragwurz

Die Orchidee des Jahres 2002: Nestwurz

Link zum Diskussionsforum 

Die Orchidee des Jahres 2001: Herbst-Wendelorchis 

Die Orchidee des Jahres 2000:

Rotes Waldvögelein

Die sonstigen Themen: die Falsche Schwarze Ragwurz Ophrys pseudoatrata  
 Beispiele Ophrys - Bestäubung    teils ganz neu!
Cilento- Zungenstendel     
Gespreizter Zungenstendel in Portugal 
sardische Stendelwurz
 griechische Stendelwurz
der Thrakische Dingel 
der zierliche Dingel Limodorum abortivum ssp. gracile?
das Griechische und das Rhodopen-Knabenkraut
Anacamptis pyramidalis subsp. serotina   
kurzblättrige Epipactis helleborine im Altmühltal
             ? unbekannte Orchideen ?      teils noch in Arbeit, ganz neu!

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Helmut Presser,                          e-mail:  helmut.presser@web.de

Adlerweg 6a

D-92 318 Neumarkt                            Tel.: 09181 263541

 
 Anfrage: Wer kennt einen Standort von Baltischem Knabenkraut, (langblättrigem  Knabenkraut)
                  Dactylorhiza baltica in Deutschland?

Angaben bitte an Helmut Presser über o.g. Telefonnummer oder e-mail.    Vielen Dank!

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Wer kennt Ähnliches im Epipactis-helleborine-Aggregat?
 
 
 

E psdist.JPG (42602 Byte)

E psdist0.JPG (41224 Byte)

zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken
 
  • keine sterilen Pflanzen
  • wenige, kurze Laubblätter
  • häufig Gruppenbildung
  • Blütezeit ca. 1-2 Wochen vor typischen E. helleborine ( M-E 07)
  • meist keine typischen E. helleborine in unmittelbarer Umgebung
  • Standort: warmer, trockener Buchenwald am Altmühltal-Rand und kiesiger Boden in Donaunähe
  • Blüten gelegentlich (!) ähnlich denen der E. distans (hell, enger Epichil-Hypochil-Durchgang, helleres Hypochil)
  • Unterschiede zu E. distans: Blätter flach, etwas länger, Blüten nicht mit distans-Farbverteilung, meist keine Kiefern in der Nähe, Standort kaum sonnig

 


Serapias bergonii subsp. cilentana H.PRESSER  subsp. nov.  der Cilento-Zungenstendel
Im Cilento (Berglandschaft im westlichen Mittelitalien) wurden in einer Höhe über 1000 m ü.M. zahlreiche Exemplare einer bisher unbekannten Serapias-Art entdeckt. Biometrische Vermessungen erbrachten, dass die Sippe in etwa zwischen Serapias bergonii und Serapias politisii anzusiedeln ist. In einigen Merkmalen unterscheidet sie sich von beiden Sippen.  Serapias bergonii und Serapias politisii sind aber in Italien nur aus sehr niederen Lagen und nur im Süden bekannt. Deshalb wurden die fraglichen Pflanzen als neue Unterart von Serapias bergonii, dem Lockerblütigen Zungenstendel beschrieben (PRESSER, H. 2007: Jour.Eur.Orch. 39 (1): 79 - 104)

Holotypus: Italien, Cilento, S. Giacomo, alt. s. m. 1050 m. UTMWGS84 33T 0541147 / 4464666. 14.06. 2006

                S berg cil+vom Kop.jpg (156118 Byte)        S berg cil6.jpg (205611 Byte)                      S berg cil Herb.jpg (55348 Byte)

Typusexemplar neben S. vomeraceae (wenige 100 m entfernt wachsend), Mitte schwächere Exemplare, rechts Herbarbogen                

Beschreibung: Pflanze hochwüchsig und schlank, (8) 15 – 25 (32) cm hoch, 4 – 5 hellgrüne , rinnige Laubblätter (davon das oberste stängelbegleitend), das 3. ist das längste und misst etwa 12´1 cm. Der oberhalb der Blätter durchwegs dunkelrote Stängel trägt ein Hochblatt (ca. 4 cm lang) und (2) 4 bis 9 (12), auch bei großen Pflanzen relativ kleine Blüten. Das Tragblatt ist silbergrau, in den meisten Bereichen aber dunkelrot überlaufen und misst etwa 3´1 cm. Sepalen silbergrau und dunkelrot gestreift, das mittlere Sepalum misst 15´4 mm, die seitlichen 16´3,5 mm.

Petalen rot, an der Basis bis schwarzrot, 12´2,5 mm. Lippe ca. 19 mm lang, das Epichil herabhängend bis nach hinten gekrümmt, dunkel bräunlich rot bis schwärzlich rot, im Zentrum spärlich weiß behaart, ca. 10´5 mm. Das Epichil wird wie bei S. bergonii zur Basis hin wieder schmäler. Hypochil am Knick deutlich weiß behaart, die Seitenlappen nur wenig aus dem Helm tretend und schwarzrot, 2 eng stehende, parallele Basalschwielen, ca. 8´1,5 mm. Pollinien dunkelgrau bis schwarz, Stielchen gelbgrün, Klebscheibe rot. Fruchtknoten unverdickt 13 – 21 mm lang.

 

Unterschiede zur Nominatsippe: Von Serapias bergonii subsp. bergonii unterscheidet sich die subsp. cilentana vor allem durch eine geringere Pflanzenhöhe, auch bei großen Individuen kleinere, stets dunkle Blüten, die Farbe der Pollinien, kürzere Tragblätter und kürzere Laubblätter. Sie kommt im Gegensatz zur subsp. bergonii in Hochlagen vor, zur Nominatform existiert eine deutliche Lücke in der vertikalen und horizontalen Verbreitung.

 

     S bego cilKop.jpg (137212 Byte)                S berg cilKop .jpg (116062 Byte)                 S ber cilKo.jpg (83974 Byte) 

                                               S berg cilK.jpg (75854 Byte)

      Variabilität des Cilento - Zungenstendels am Locus classicus, 14. 6. 06

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Eine interessante Serapias-Sippe in Portugal, der Gespreizte Zungenstendel,

Serapias strictiflora WELWITSCH ex VEIGA var. distenta H. PRESSER var. nov.

(gekürzte, aktualisierte Version; vollständiger, ursprünglicher Artikel in den Berichten der Arbeitskreise Heimische Orchideen 14(1): 75-76 ; 1997)

 

        Keywords:
           Orchidaceae; Serapias. - Flora von Portugal - Sippe mit langen Sepalen.

S diste2.JPG (129308 Byte)

zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken
Das Frühjahr 1995 war in Spanien und Portugal sehr warm. Bei Toledo (südl. Madrid) konnte man beispielsweise am 10.4. um 20.00 Uhr noch 30,7 °C im Schatten messen. Die drei Winter zuvor waren darüber hinaus sehr trocken gewesen, von zahlreichen Bächen und Feuchtgebieten waren nur noch kümmerliche Reste übrig. In Portugal auf dem Weg von Evora nach Setubal gibt es an der E 90 eine kleine Mulde nördlich der Straße , die  aufgrund der grünen Vegetation als leicht feucht ins Auge stach. Das Gelände im Umkreis war bereits braun gefärbt. Natürlich wurde die Feuchtfläche (ca. 50 m im Durchmesser) nach Orchideen abgesucht, was als erstes Serapias strictiflora  (und Übergänge zu S. stenopetala bzw. S. elsae) zu Tage brachte. Die Abgrenzung bzw. Unterscheidung der beiden Sippen war bei den meisten Exemplaren unmöglich.
Am Ostrand der Mulde allerdings sah man  schon in ca. 8 m Entfernung abweichende Pflanzen , die "einladend" aufgespreizte, lange dunkelrote Sepalen zeigten. Bereits in knospigem Zustand fielen die langen, vorne überkreuzten Sepalen auf. Der  Gedanke an Monstrosität lag nahe, aber nach ca. 20 gerade aufgeblühten Pflanzen wurden noch mindestens 30 in geschlossenem Zustand gefunden, und das, obwohl in diesem Bereich bereits Schafe oder Ziegen geweidet hatten. Sie wuchsen auf einer Fläche von etwa 8x4 Metern, hier und da auch einige S. strictiflora. Bei näherer Untersuchung waren außer den seitlichen Sepalen keine signifikanten Unterschiede zu S. strictiflora  zu bemerken, wenn man von einer gewissen Kleinwüchsigkeit (ca. 10 cm) absieht, die jedoch auch von der Trockenheit an dieser Stelle herrühren konnte.
Die seitlichen Sepalen von S. strictiflora sind dünnhäutig, gräulich gelb mit rotem Anflug und mit roten parallelen Adern versehen, höchstens 5 mm breit und ca. 20 mm lang. Die abweichende Form besaß Sepalen,, die fleischig waren und vor allem im unteren, verbreiterten Teil die schwärzlich rote Farbe der Lippenseitenlappen hatten. Sie waren dort etwa 9 mm breit und insgesamt fast 30 mm lang. (Messung der drei offenen Blüten). Zweifellos steht diese Sippe S. strictiflora sehr nahe. In Frage käme wohl  nur eine Mutation, die zu einer Weiterentwicklung einer Art geführt hat. Die Öffnung über der Lippe, gesäumt von den gespreizten Sepalen, ist sicher auch für Insekten auffälliger als ohne "Leitplanken" an der Seite.

                                                        Ser str distenta.jpg (67252 Byte)
Skizze der Sepalen von Serapias strictiflora var. distenta (a) und Herbarbogen  Serapias strictiflora  (b)                                                          

Bei einer Exkursion wurden in einer ebenfalls noch grünen Rinne ca. 2 km nördlich vom o.g. Standort  noch einmal drei Exemplare dieser eigenartigen Serapias-Sippe gefunden. Die Rinnen und Mulden führen in einen Bach, der sich in einiger Entfernung wohl in ein Feuchtgebiet bzw. ein größeres Gewässer ergießt. Eine Nachsuche in dieser Richtung wäre vermutlich erfolgversprechend. Der Standort an der Straße liegt zwischen Montemor-O-Novo und Vendas Novas, 3,2 km vor der Abzweigung nach Cabrela. An einer Beurteilung durch weitere Orchideologen wäre mir gelegen. In "normalen" Jahren ist wohl eine Suche ab Ende April angebracht.
Am 4.4.02, ebenfalls in einem warmen, frühen Jahr, wurde die Stelle ein weiteres Mal besucht, es waren aber erwartungsgemäß fast keine Pflanzen in Blüte. Aus diesem Grund wurde die weitere Umgebung auch nicht abgesucht. Immerhin waren in der Mulde aber ca. 60 Individuen der Sippe zu erkennen. Es wurde ein Herbarexemplar entnommen und die Sippe wurde inzwischen als Serapias strictiflora var. distenta beschrieben (Ber. Arbeitskrs. Heim. Orchid. 21 (2) 2003). 
S. strictiflora var. distenta wurde inzwischen auch etwa 12 km westlich der bisher bekannten Biotope gefunden (P. Altrichter 2005). Eine Suche nach weiteren Standorten wäre sicherlich interessant.

 

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sardische Stendelwurz

Epipactis helleborine subsp. tremolsii mit var. lusitanica

E trem Sa8.jpg (36646 Byte)

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Fundort:   Sardinien, wnw Domusnovas, Nordhang, unterwuchsarmer Eichenwald.

   

Datum:  3.04.97     warmes, trockenes Jahr, erst eine Pflanze mit einer offenen Blüte (wohl durch Auslichtung in einem Waldstück). Blütezeit: normalerweise wohl Ende April.

    

Kurzbeschreibung: Kleine, zierliche, kurzblättrige Pflanzen mit (zumindest am Beginn der Anthese) funktionsfähiger Klebdrüse

Aktualisierung: 

Ende Mai bis Anfang Juni 2000 wurde Sardinien erneut bereist. Trotz des sehr trockenen, warmen Jahres fand ich zahlreiche Epipactis-Pflanzen, je nach Meereshöhe,
  • E. palustris          nur steril
  • E. microphylla     aufblühend bis verblüht
  • E. gracilis            knospend ( ca. 3 Wochen vor der Blüte)
  • E. helleborine ssp. tremolsii / lusitanica   knospig bis abblühend          

Letztere Sippe variierte im Habitus je nach Beschattung und Untergrund, wie dies auch in Südfrankreich (Pyrenäenfuß) und Spanien / Portugal festzustellen ist:

Auf kalkhaltigem Untergrund sind die Pflanzen kräftiger, besonders an lichten Stellen. Bei zunehmender Beschattung entzerrt sich der typische tremolsii-Habitus der freistehenden Pflanzen, die Blätter sind am Stängel verteilt und meist etwas länger, ausgebreiteter, flacher. Je dunkler der Standort, besonders bei silikatischem oder kalkarmem Untergrund, desto zierlicher die Pflanzen. Auch die Blätter werden dabei schmäler und meistens kürzer. Diese Ausprägung wird sogar als eigene Art (E. lusitanica) geführt, was sicherlich reichlich übertrieben ist. Jeglicher Übergang ist vorhanden, sogar im selben Biotop. Für solche Fälle existiert die Rangstufe der Varietät.

Bei der fraglichen Population handelt es sich um solch zierliche Exemplare, bei der knospenden Pflanze (s.o.), hatten sich wohl die Blätter noch nicht ganz entwickelt. Das Blütenfoto stammt von einem Exemplar " ohne Habitus", d.h., von einer stark beschädigten Pflanze. Rein grün-weiße Blüten waren nur sehr selten zu finden.

E. helleborine ssp. helleborine wurde entgegen der Literatur nicht gefunden, sie hätte ja im Blütezustand weiter zurück sein müssen als E. gracilis

Weitere ausführlichere Erkenntnisse über italienische und griechische Orchideen  erschienen in den Berichten der Arbeitskreise Heimische Orchideen 18 (2) 2001.

E. helleborine subsp. tremolsii  typischer Habitus: fast vollsonniger Standort, kalkreicher Untergrund

dazugehörige Blüte

E. helleborine subsp. tremolsii untypischer Habitus (var. lusitanica): relativ schattiger Standort, kalkarmer Untergrund  

dazugehörige Blüte

E trem Sa7.JPG (94791 Byte)

E. helleborine subsp. tremolsii untypischer, besonders zierlicher Habitus: schattiger Standort (Nordhang), silikatischer Untergrund

dazugehörige Blüte (var. lusitanica)

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Helmut Presser, Sandweg 10, D- 85137 Pfünz, Tel.: 08426 1774 oder e-mail helmut.presser@web.de

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griechische Stendelwurz Epipactis helleborine subsp. tremolsii? E. heraclea?
In verschiedenen Teilen Griechenlands kommen in tieferen Lagen Epipactis-Pflanzen vor, die den Blüten nach meistens sehr an E. helleborine subsp. tremolsii erinnern. Die meisten Pflanzen sind durch die typische schmutzig grüne bis rötliche Blütenfarbe, ein breites Epichil mit einem breiten Durchgang gekennzeichnet. Die Blüten sind größtenteils allogam, selten kommen Pflanzen mit funktionslosem Viscidium und schnell zerfallenden Pollinien vor. Auch der relativ kräftige, kurzblättrige Habitus ist gewöhnlich vorhanden, zusammengeschobenes Blattwerk ist allerdings wegen der überwiegend schattigen Standorte selten.  Reichhaltige Bestände dieser Sippe sind im Nestos-Delta in NO-Griechenland unweit des Meeres vorhanden. Sie erreichen in den Pappel-Plantagen auch bereits Anfang - Mitte Juni die Hochblüte, noch vor der ebenfalls dort vorkommenden E. gracilis und nach E. microphylla. Auch das deutet auf subsp. tremolsii hin. 

Deutliche E. helleborine subsp. helleborine scheint auf die höheren Lagen mit Beständen der Rotbuche Fagus sylvestris beschränkt zu sein.

In diesen Biotopen kommen allerdings auch Pflanzen mit abweichendem, zierlichem Habitus vor, z.T. besitzen sie auch untypische Blüten mit engem Durchgang. Genau genommen ist jegliche Variation mit jeglichem Übergang zu finden, lange, gebogene Blätter genauso wie äußerst kurze. Auch Blüten mit funktionsloser Rostelldrüse kommen vor.
 

Ein ähnliches Bild bietet sich in manchen Bergstöcken. Beispielsweise existieren am Òros Iti über 1400 m.ü.NN sw Lamía  ausgedehnte Populationen einer (der selben?) extrem variablen Stendelwurz, die dort ab Anfang Juli blüht. In tieferen Regionen gibt es kleine Populationen, die dann auch im Juni blühen. Je nach Exposition, Höhe und Beschattung variiert der Habitus in der bereits beschriebenen Weise, doch sogar direkt nebeneinander stehende Exemplare können komplett unterschiedlich aussehen. Zudem blühen die Pflanzen auch relativ ungleich, also über einen längeren Zeitraum verteilt, ohne dass man hieraus Beziehungen zu Merkmalsausprägungen herstellen könnte. P. DELFORGE und K. KREUTZ haben eine Ausprägung mit tütigen, am Stängel verteilten Blättern herausgegriffen und diese von Stereas Ellas als Art (E. heraclea) beschrieben. Natürlich sehen gerade diese Pflanzen nicht exakt wie die meisten westmediterranen subsp. tremolsii aus, aber auch die kann doch über eine solche Entfernung variieren, besonders wenn man die Höhenlage berücksichtigt. Ohne Weiteres könnte man sowohl aus der Iti-Population als auch aus der am Nestos noch einige weitere Typen herausgreifen und dementsprechend behandeln.

Diese Vorgehensweise ist nicht neu, die früh blühende (für meine Begriffe weit verbreitete) Sippe heißt auf magerem, kalkfreiem Boden in Südportugal E. lusitanica (vgl. auch vorhergehender Beitrag!), wenige Meter daneben auf etwas günstigerem Untergrund bei kräftigem Habitus E. tremolsii, in NW-Portugal E. duriensis (sieht nach den ersten veröffentlichten Fotos exakt aus wie die ersten von heraclea!!!), in Italien E. latina, in der Türkei E. turcica und (mit mehr Blättern) E. densifolia. Überall könnte man Pflanzen finden, die typischen, von anderen Regionen beschriebenen ähneln. Selbst in Deutschland findet man solche, allerdings mit dem Unterschied, dass die dann deutlich später (auch im Vergleich mit anderen Arten) blühen.

 

Pflanzen aus einer Population vom Òros Iti, 18. 7. 2000

Bild 4 oben:                              typische "E. heraclea"

E tre I..jpg (237645 Byte)           E tre.I..jpg (218752 Byte) E tre.Iti.jpg (191465 Byte)           E tre.It.jpg (224841 Byte)           E tre.It..jpg (178444 Byte)
Bild 3 unten:                           typische tremolsii-Blüte E tre Iti.jpg (128706 Byte)           E tre It..jpg (110590 Byte) E tre I.jpg (117376 Byte)           E tre It.jpg (100974 Byte)
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Pflanzen aus einer Population vom Nestos-Delta, 10. 6. 03

Bild 4 oben:                                   neben E. persica ssp. persica

E trem N.jpg (214295 Byte)           E trem Nes..jpg (258606 Byte) E trem Nesto..jpg (209001 Byte)            E trem Nest..jpg (205109 Byte)           E trem Nestos.jpg (178534 Byte)
Bild 3 unten:                                  autogame Blüte E trem Ne.jpg (93876 Byte)           E trem Nes.jpg (115576 Byte) E trem Nest.jpg (134286 Byte)             E trem Nesto.jpg (107563 Byte)

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der Thrakische Dingel  in NO-Griechenland
Limodorum trabutianum Battandier subsp. thracum H.Presser, subsp. nov.
In Thrakien, ganz im Osten Nordgriechenlands, nahe der türkischen Grenze, wurde erstmals 2003 in lichten Eichenwäldern auf kalkfreiem Untergrund eine abweichende Form von L. trabutianum gefunden, die inzwischen als neue Unterart beschrieben ist (Jour. Eur. Orch. 36 (4) 2004). Sie wurde an 3 Stellen zwischen Loutrós und Dadiá in etwa 50 Exemplaren angetroffen und blüht je nach Jahr erst Anfang – Mitte Juni auf, wenn im selben Biotop L. abortivum schon völlig verblüht ist. Weiter Unterschiede zu der Nominatform: Die Blüten sind etwas größer (Lippenlänge 20 -21 statt 14 – 18 mm) bei geringerer Wuchshöhe (bis 32 cm hoch), die Lippen sind schmäler (2 statt 4 mm breit). Stängel und Schuppenblätter sind fast rein grün, an der Säule ist der trabutianum-typische Fortsatz besonders weit hochgezogen. Ein Sporn ist nur angedeutet.
Beschreibung:  Pflanze (8) 15 – 25 (32) cm hoch, Stängel mit Schuppenblättern hellgrün bis sehr leicht violett überhaucht. Die hell violetten Blüten  sind weit geöffnet, Sepalen 20 – 22 mm lang, die seitlichen 3, das mittlere 7,5 mm breit, Petalen 19 mm lang und 1 mm breit, Lippe ungegliedert, 19 – 21 mm lang und 2 mm breit. Sporn sehr kurz, ca. 1 mm lang. Säule 17 mm lang mit >2 mm langem, zahnförmigem Fortsatz unter der Narbe.                                Blütenanalyse siehe nächster Beitrag!
Die Pflanze wächst in lichten Eichen(misch)wäldern an relativ krautarmen Stellen und wurde bisher nur in leichten, m.o.w. nordwärts geneigten Hanglagen in einer Meereshöhe von 400 – 470 m üNN gefunden. Begleit-Orchideen zur Hochblüte: Ophrys spec. (aussamend), Dactylorhiza romana (aussamend), Epipactis cf. tremolsii (knospend), Limodorum abortivum (verblüht), Limodorum abortivum subsp. gracile (?) (abblühend), Cephalanthera epipactoides (verblüht), C. longifolia (verblüht). In der weiteren Umgebung der Fundorte wurden noch C. rubra (abblühend) und Platanthera chlorantha (abblühend) angetroffen.

zum Vergrößern bitte anklicken!                 

Limodorum trabutianum subsp. thracum

 links: Locus classicus im Dadiá-Forest, 6. 6. 2004

links und rechts:

Pflanzen von verschiedenen  Fundorten in verschiedenen Jahren    gleichen sich exakt.

Lim trab thrak1 Kopie.jpg (75857 Byte)

           L.trab.thracumHerb Kopie.jpg (59252 Byte)         

links: Vergleich von Säulen des Limodorum trabutianum  (ganz links subsp. thracum, Mitte Südspanien, rechts Sardinien). 

Nach Aufnahmen von Dr. W. Wucherpfennig besitzen auch Pflanzen aus der  Toscana einen  langen Fortsatz.

ausführlichere Darstellung und weitere Bilder sowie Informationen über weitere Orchideen Griechenlands im Jour. Eur. Orch. 36 (4): 969-991, 2004 

 

Der zierliche Dingel Limodorum abortivum subsp. gracile?

In Thrakien an zwei Stellen mit dem Thrakischen Dingel (s.o.) fand ich 2003 wenige Pflanzen eines sehr kleinblütigen Dingels mit fast weißen Blüten. Bemerkenswert war, dass die im selben Biotop wachsenden Limodorum abortivum s.str. bereits völlig verblüht waren, während die weiße Form mit grünen Stängeln teilweise noch in Hochblüte stand. Die Unterart gracile ist vom Peloponnes aus der Ebene von Megalopoli beschrieben und nur von diesem Gebiet bekannt. Die Eichenwälder dort machen im Übrigen einen sehr ähnlichen Eindruck wie die an der türkischen Grenze. Matthias Wagner fand aber ebenfalls eine später blühende, weißliche, kleinblütige Pflanze auf Zypern (mdl. Mttl. 2004). Nach der Originalbeschreibung (Willing, B. & E. Willing (1981): Orchideen- Notizen aus Arkadien, Süd-Griechenland. - Die Orchidee 32: 175 – 182.) soll die Unterart aber vor der Nominatform blühen und besonders lockerblütig, also grazil sein.

L gra+tra+ab Kopie.jpg (192233 Byte) Blütenanalysen von L. trabutianum ssp. thracum, L. abortivum ssp.              gracile (?) und L. abortivum s.str. aus dem Dadia-Forest in Thrakien

L grac.jpg (24374 Byte)       L grac1.jpg (29726 Byte) 

L. abortivum ssp. gracile?, Dadia Forest, 10. 6. 03

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das Rhodopen- Knabenkraut,
Dactylorhiza cordigera (Fries) Soó var. rhodopeia H. Presser, var. nov.
und  das Griechische Knabenkraut,
 Dactylorhiza cordigera  (Fries) Soó var. graeca H. Presser comb. et stat. nov.

Im Jahr 2000 wurde in den westlichen Ausläufern der Rhodopen erstmals eine sehr zierliche Form des Herz-Knabenkrauts D. cordigera in einem Sonderbiotop entdeckt. Bei dem Biotoptyp handelt es sich um nährstoffarme, quelligen Stellen mit Torfmoos Sphagnum sp., in dem der in Griechenland extrem seltenen Rundblättrigem Sonnentau Drosera rotundifolia wächst.

 

Die Sippe zeichnet sich durch Kleinwüchsigkeit (bis knapp 20 cm) und nur 2 – 3 lange, schlanke, rinnige, gekielte Laubblätter aus, die vor allem zur Spitze hin und am Rand gefleckt sind. Die wenigen (4 - 9), entsprechend kleinen Blüten tragen einen relativ langen, Sporn und eine zugespitzte Lippe. Insgesamt ähneln die Pflanzen eher einer traunsteineri-Sippe als D. cordigera s. str. Durch die kühle, gleichmäßig austretende Feuchtigkeit im Quellbereich blühen sie erst auf, wenn D. cordigera, gleich angrenzend, bereits gut in Blüte steht. Selbstverständlich gibt es in den Berührungsbereichen hier Übergangsformen, was lediglich eine Beschreibung als neue Varietät rechtfertigt (Jour. Eur. Orch. 36 (4) 2004).
Beschreibung:  Pflanze zierlich, 10 – 20 cm hoch, sonst ähnlich Dactylorhiza cordigera. Lippen aber kleiner (ca. 8 – 11 mm lang,  5 – 7 mm breit) und spitz ausgezogen. Sporn verlängert (ca. 8 mm), sich konisch verjüngend und gerade bis nach unten gebogen. Nur 4 – 8 Blüten und 2 oder 3 Laubblätter, diese im Vergleich zur Pflanzengröße deutlich verlängert (ca. 3 – 4 cm, 5 – 8 cm und 6 – 9 cm lang), schmal (0,6 – 1 cm breit) und rinnig, meist deutlich gefleckt.
Von der aus dem westlicher liegenden Vermion beschriebene var. vermionica unterscheidet sich die Sippe v.a. durch noch schmälere Laubblätter, die auch ungefleckt oder nur an den Spitzen gefleckt sein können, die weniger zahlreichen Blüten mit einem, im Vergleich zur Lippe längeren Sporn.

 Von der manchmal ebenfalls relativ zierlichen, weiter westlich verbreiteten D. baumanniana unterscheidet sie sich durch die weniger zahlreichen, kleineren Blüten mit schmälerer Lippe und einem schlankeren, nach unten gebogenen Sporn.

                                                                                                              

Biotop, 12.6.2003

 D cor rhod4 Kopie.jpg (76887 Byte)

 D cor rhod6 Kopie.jpg (34968 Byte)      D cor.rhodopeiaHerb Kopie.jpg (49473 Byte)

Dactylorhiza

cordigera

var. rhodopeia

rechts: Übergang zu  D. cordigera    s.str.

(wenige, kleine Blüten aber kurzer Sporn)

 

 

 

 

 

 

In der Umgebung kommt auch das Griechische Knabenkraut Dactylorhiza cordigera var. graeca mit zahlreichen Übergangsformen zu D. cordigera vor. Von dieser, ursprünglich als Art beschriebene Sippe (D. graeca H. Baumann) sind nur zwei Biotope bekannt. Sie wächst stets mit D. cordigera s.str. zusammen und bildet zu dieser zahlreiche, sehr variable Übergänge. Diese Übergangsformen sind deutlich häufiger als die typisch ausgebildeten Exemplare mit ihren langen, ungefleckten, aufrecht stehenden Blättern, längerem Sporn und den rhombischen Lippen. Aus diesem Grund wurde sie auf die Rangstufe der Varietät zurückgestuft (Jour. Eur. Orch. 36 (4) 2004). Möglicherweise hat diese Sippe zur Bildung der var. rhodopeia mit beigetragen.

                                                                                                                                                           

Dactylorhiza cordigera

var. graeca

              

zum Vergrößern bitte anklicken!
 
unten: Übergangsformen zu D. cordigera s.str. (lange Laubblätter aber  teilweise leichte Blattfleckung und breite Lippen); ganz rechts: Form wie in DELFORGE 2001 S. 194

     ausführlichere Darstellung und weitere Bilder sowie Informationen über weitere Orchideen Griechenlands im Jour. Eur. Orch. 36 (4): 969-991, 2004

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Anacamptis pyramidalis, subsp. serotina H.Presser 

spätbühende Unterart der Spitzorchis

Im Jahr 2004 fiel mir eine spät blühende Sippe von Anacamptis pyramidalis an zwei Stellen in Nordwest-Griechenland auf. Sie begann mit der Blüte etwa Anfang Juni, als in den selben Biotopen eine frühere Sippe abblühte bzw. viele Exemplare schon verblüht waren. Die Pflanzen der frühen Sippe entsprachen etwa den mitteleuropäischen Pflanzen. Nur wenige Exemplare der zweiten Sippe waren schon gut in Blüte. Im Vergleich zum ersten Schub zeigten sie sich deutlich heller (hellrosa) und dichtblütiger, wobei man aber beachten muss, dass der erste Schub vermutlich auch dichtblütiger erscheint, wenn er aufblüht. Die etwas zahlreicheren, dunkleren Blüten des ersten Schubs waren geringfügig größer als die der zweiten Sippe. Diese erscheint auch etwas zierlicher als die erste Sippe, könnte sich aber bei ausreichender Feuchtigkeit noch etwas strecken. Weitere Unterschiede wurden nicht festgestellt.

Stefan HERTEL (JEO 2002, 3) gibt die Sippe auch für Istrien an, Adolf RIECHELMANN fand sie auf Rhodos (mdl.Mttl.2004). Auf Korfu sah ich um Ostern 2003 nur die frühe Sippe, Manfred PETEREK gibt auch die späte Sippe an (JEO 2004, 4). Mit Sicherheit ist sie noch weiter verbreitet.

Nachdem die auffallende und sehr uniforme Sippe in Italien in guten Beständen erkannt wurde (auch in Begleitung der Nominatsippe), wurde sie als subsp. serotina abgetrennt (PRESSER, H. 2007: Jour.Eur.Orch. 39 (1): 79 - 104)

 A py serotina HerbKopie.jpg (47491 Byte)  Herbarbogen, Typus

Einige weitere Fundorte: I: Basilikata NW Laurenziana 33T 0581 / 4480, Slowenien: Istrien SE Koper 33T 0410 / 5034, HR: Istrien E Cerovlje 33T 0422 / 5018, GR: Joanina S Velas 34S 0467 / 4412

Auffallend ist die neue Unterart immer in Begleitung der Nominatsippe, die Unterschiede werden hier sehr deutlich. Voraussetzung ist, dass man bei einem Besuch genau den Zeitpunkt trifft, an dem beide Sippen noch / schon in Blüte stehen. Übergangsformen sind stellenweise häufiger, in manchen Biotopen fehlen sie offenbar. Beide Sippen können auch denselben Biotop besiedeln, häufig sind sie dort aber in verschiedenen Bereichen zu finden. Gelegentlich wachsen sie auch direkt nebeneinander.

Anaca spät GR.jpg (702677 Byte) Biotop nw Igoumenitsa mit beiden Sippen

Anac frühGR.jpg (74475 Byte)                                     Anac spät GR.jpg (153048 Byte)

 frühe Sippe links, letztes  und bestes Exemplar, späte Sippe rechts, erstes Exemplar beide am 1. 6. 04

 

A py ser + py kopie.jpg (52068 Byte)      A py sero+wKop.jpg (166494 Byte)       A py serot Typ Kopie.jpg (29883 Byte)

links: beide Sippen am Locus classicus, Mitte: beide Sippen S Firenze 6.6.06,    rechts: Typus

 

 

Beispiele Ophrys - Bestäubung

Die Ragwurz - Arten locken keine Hautflügler - Weibchen durch Nektar oder ein Vortäuschen desselben an, ihre Bestäuber sind im Allgemeinen die Männchen von Insekten.

Die Lippe einer Ophrys - Blüte ähnelt sehr häufig einem m.o.w. braunen Insekt, es hat im Gegensatz zu fast allen anderen Blüten glänzende und auch haarige Bereiche. Zudem duften die Blüten einer Sippe ganz spezifisch nach einem bestimmten Insektenweibchen, in der Regel nach einer der vielen Solitärbienen. Doch auch männliche Wespen oder gar Käfer können angelockt werden. Für dieses Insekt ähnelt die Lippe stark einem echten Weibchen, auch die Behaarung (Länge und Strichrichtung) scheint zu stimmen und dirigiert das Männchen in die richtige Lage.   In der Regel versucht dieses nun zu kopulieren, wobei bei frischen Blüten Pollinien entnommen oder mitgebrachte abgegeben werden.

Durch die Spezialisierung auf verschiedene Bestäuber (sehr komplizierte Duftzusammensetzung!) wird nun sichergestellt, dass sich nicht ähnliche Arten miteinander vermischen. Dies kann so weit gehen, dass der Mensch 2 Sippen nicht auseinanderhalten kann, die bestäubenden Insektenmännchen sich aber kaum einmal irren. In manchen Fällen haben sich einzelne Ragwurz - Arten auch mehrere Bestäuber erschlossen (Beispiel Ophrys holoserica), andere Bienen wiederum können verschiedene Ragwurz - Arten bestäuben. Z.B. bestäubt die Mauerbiene Chalicodoma parietina in Südspanien Ophrys atlantica, in Italien Ophrys bertolonii und in Griechenland Ophrys ferrum-equinum. Würden diese gut unterscheidbaren Arten im selben Gebiet vorkommen, würden sie sich sicherlich vermischen.

Eine Ophrys-Bestäubung kommt eher selten vor und wird noch seltener beobachtet. Ein besonderer Glücksfall ist es, wenn es gelingt, dieses Ereignis auch noch im Bild festzuhalten. Solche Bilder sollten stets veröffentlicht werden, damit es einem Forscher möglich ist, seine eigenen Schlussfolgerungen auf eine breitere Basis zu stellen. Zur genauen Determinierung des Insekts reichen allerdings häufig Fotos nicht aus, man müsste das Insekt auch fangen (sticht ja nicht, ist ein Männchen ohne Stachel!). Dies ist in den meisten Fällen hier jedoch nicht erfolgt, die Artnamen der Bienen sind also mit Vorsicht zu genießen.

           O hol Käfer1.jpg (33263 Byte)                    O hol lor+Bee Kopie.jpg (60383 Byte)            O scol+bee Kopie.jpg (54727 Byte)

Ophrys holoserica wird normalerweise von einer Langhornbiene Eucera longicornus oder E. nigrescens bestäubt (mittleres Bild Ophrys brachyotes mit Langhornbiene Eucera spec., S. Bologna / I, 7.6.03; rechtes Bild Ophrys scolopax mit Eucera spec., St. Felix-Lauragais / F, 29.5.02).

Zumindest am Oberrhein und an der mittleren Donau bestäuben hauptsächlich Gartenlaubkäfer die Hummelragwurz (linkes Bild: Ophrys holoserica mit Phyllopertha horticola, Neuburg / Donau, 8.6.02). Die Blüten sind nicht genau an die Käfer angepasst. Diese nehmen verschiedene Haltungen ein und bestäuben die Pflanzen eher zufällig aber relativ sicher, da sie sich lange auf den Blüten aufhalten. Oft wird so die Narbe mit dem eigenen Pollen belegt.

 

          O ten+ bee Kopie.jpg (74680 Byte)   Eine andere Langhornbiene bestäubte diese Wespenragwurz (Ophrys tenthredinifera s.l. mit Eucera spec., Corfu / GR, 14.4.03)        

 

       O lept Eub + Eucera1 Kopie.jpg (24984 Byte)   O lept Eub + Eucera2 Kopie.jpg (28986 Byte)               O lept Pel+Bee Kopie.jpg (25553 Byte)

Diese Bildreihe zeigt 2 Fotos von Eucera hevola (det. Stefan Risch nach gefangenem Exemplar) auf O. leptomera (links: Euböa, GR, 19.5.08), die von Euböa beschrieben ist. Diese Biene ist meines Wissens nach noch nicht als Ophrys-Bestäuber in Erscheinung getreten. 

Die relativ spät blühende Art ist nur mit grünlichem Perigon beschrieben, obwohl auch auf Euböa Pflanzen mit rosa Perigon nicht selten sind. Einige Tage vorher gelang das rechte Bild auf dem Peloponnes, wo ebenfalls Pflanzen mit grünlichem und rosa Perigon wachsen (Parnon, GR, 15.5,08). Vermutlich handelt es sich um denselben Bestäuber (Stefan Risch in litt. 2008). Es scheint also gesichert, dass sowohl die rosa Pflanzen als auch Pflanzen von Südgriechenland derselben Art, also O. leptomera angehören.

weitere Beispiele für Kopfbestäubung

 

         O eleg+bee5.jpg (23450 Byte)       O eleg+Bee Kopie.jpg (94107 Byte)  Auf Zypern bestäubte diese Pelzbiene die endemische Zierliche Ragwurz (Antophora erschowi auf Ophrys elegans, E Lemesos, 28.2.06). Sie flog sehr langsam schwebend an, um dann die letzten 30 cm blitzschnell zurückzulegen. Auf der Blüte verhielt sie sich eher ruhig und verweilte ca. 1 Minute. Gut zu erkennen ist die Entnahme beider Pollinien.

 

 

 

 

O mass Kopie.jpg (104294 Byte)  Bei Bandol / F wurde diese Sandbiene erst kurz vor dem Abflug bemerkt. Sie entnahm jedoch noch die Pollinien (Ophrys massiliensis mit Andrena spec., 6.3.2000) Eine genaue Determinierung der Biene könnte Klarheit bringen, ob die Abtrennung der Marseille-Ragwurz von der Spinnenragwurz gerechtfertigt ist. Daran bestehen noch begründete Zweifel, da reichlich Zwischenformen zwischen den beiden Taxa existieren und zudem auch Bastarde mit Ophrys fusca bekannt sind. Diese wird (abdominal) von der selben Biene (Andrena nigroaenea) wie Ophrys sphegodes (Kopfbestäubung) besucht, was darauf hinweist, dass die beiden Taxa trotz unterschiedlicher Größe und einer leichten Blütezeitverschiebung nicht von den Insekten getrennt werden. Möglicherweise haben aber auch nur wieder einmal menschliche Bastard-Freunde Hand angelegt und das Bild verfälscht.

                                                                                             O ins+Bee1.JPG (31685 Byte)   Die Fliegenragwurz in Mitteleuropa wird nicht durch eine Biene sondern das Männchen einer Grabwespe bestäubt. Hier ein Beispiel vom Hesselberg in Mittelfranken / D (Ophrys insectifera mit Argogorytes mystaceus, Wassertrüdingen, 10.6.92)

Vergleiche auch den Beitrag "Orchidee des Jahres 2003: Fliegenragwurz"!

                                                                                            o apifera_mit_Oxytherea_ Kopie.jpg (184786 Byte) In Istrien hat Uwe Grabner (Starnberg) eine interessante Beobachtung gemacht: Ein Trauer-Rosenkäfer beschäftigte sich ausgiebig mit einer, an sich selbstbestäubenden Bienenragwurz (Ophrys apifera mit Oxytherea funesta, Pomer / HR, 21.5.2005). Er bohrte sich wiederholt in den Narbenbereich, ohne dass zu erkennen war, was er dort machte. Die Populationen der Bienenragwurz sind in Mitteleuropa häufig recht einheitlich (überwiegend Selbstbestäubung), in Südeuropa sind unterschiedliche Individuen nebeneinander nicht selten. Letzteres weist auf eine bessere Gendurchmischung durch Bestäuber hin.
                                                                                            O bomb+bee.jpg (17791 Byte) Auf Mallorca ist eine kleinblütige Ophrys bombilyflora recht häufig. An einem sonnigen Tag in einer Schlechtwetterperiode schwärmten an einer Stelle im Nordosten am 1.4.2007 zahlreiche Langhornbienen. Direkt daneben standen zwei O.bombilyflora sehr hinter einem kleinen Busch. Dieser wurde heruntergedrückt und einige der Bienen kopulierten sofort auf den Pflanzen (bis zu einer Minute). Die Pollinien wurden auf Anhieb entnommen. Für eine ebenfalls dort blühende O.tenthredinifera zeigten sie praktisch kein Interesse. Eine Biene wurde gefangen und später von Stefan Risch als Eucera oraniensis identifiziert.
                                             O spec+wepss.jpg (17512 Byte)                    O spec+weps.jpg (20506 Byte) Ophrys speculum ist auf Mallorca relativ häufig. In einer Schlechtwetterperiode konnte man in Dünenwäldern im Nordosten beobachten, dass die dort offenbar frisch geschlüpften Wespen Dasyscolia ciliata subsp. ciliata schon bei kurzem Sonnenschein umherschwärmten. So konnten mehrere Pseudokopulationen an verschiedenen Stellen beobachtet werden, einmal sogar eine Balgerei von 3 Männchen um das vermeintliche Weibchen. Interessant ist die Anpassung der Blüten an die Insekten: Die Flügel der Weibchen (nicht der Männchen!) schillern blau, die Behaarung ist äußerst ähnlich der der Spiegelragwurz-Blüten.
                                                                                           O caes + Käfer Kopie.jpg (75369 Byte)    

Auf Sizilien (SE Palazzolo Acreide / 18.4.2006) wurde dieser Käfer mit Pollinien auf einer letzten Blüte von Ophrys caesiella (?) fotografiert. Sicherlich handelt es sich hier nicht um den regulären Bestäuber, sondern um ein zufälliges Ereignis.

 

 

 

Eine Reihe von Ragwurzarten (Pseudophrys) wird mit dem Hinterleib der Bienen bestäubt (Abdominal-Bestäubung). Sie zeichnen sich durch das Fehlen der glänzenden Pseudoaugen aus. Eine an das Insekt angepasste Lippenlänge ist hier nicht nötig.

                      O caes+Bee Kopie.jpg (220176 Byte) Ophrys caesiella auf Sizilien / I (mit Andrena spec., Noto, 25.2.01). 2 der Sandbienen kamen mehrfach auf verschiedene Pflanzen, drehten sich sofort um verweilten eine Weile mit Kopulationsversuchen. Eine Pollinienentnahme wurde jedoch nicht beobachtet.

 

Abdominal-Bestäubung

 

          Op sic + Bee Kopie.jpg (138571 Byte)                         Op sic +bee Kopie.jpg (275315 Byte)  N Athen / GR wurden an einem sonnigen Morgen auf einer Waldlichtung mehrere Sandbienen beobachtet, die verschiedene Exemplare der Phrygana-Ragwurz besuchten (Andrena spec. auf Ophrys phryganae, Pigadagi, 12.4.98)

 

     O cretla-bee1 Kopie.jpg (97194 Byte)          O bas+bee Kopie.jpg (86651 Byte)           O cretla-bee Kopie.jpg (101871 Byte) Auf Kreta / GR (Phaistos, 23.2.04) wurde etwas Erstaunliches beobachtet: Ich sah eine Biene, die von einer Ophrys mesaritica abflog. Ich verfolgte sie bergab, verlor sie aber aus den Augen. In dieser Richtung sah ich aber gleich darauf eine für mich gleich wirkende Biene, die sich eben auf einer Ophrys creticola niederließ. Sie kopulierte so lange, dass ich mehrere Bilder machen konnte (linkes Bild). Anschließend flog sie auf eine in der Nähe stehenden Ophrys basilissa (Mitte), kopulierte dort eine Weile und bestäubte die Pflanze mit den Pollinien, die sie zuvor von Ophrys creticola entnommen hatte. Anschließend flog sie auf eine weitere Ophrys creticola und kopulierte auch dort (rechts).
Die These, dass durch Hybridisierung gelegentlich neue Arten entstehen, ist heute allgemein anerkannt. Für Ophrys-Hybride bedeutet das, dass sie einen anderen Bestäuber anlocken müssen, um sich nicht wieder mit einer der Elternarten zu vermischen. Ansonsten wäre in lokalen Populationen bestenfalls Einflüsse einer anderen Sippe festzustellen, was aktuell häufiger vorkommt. Für den Zwischenaufenthalt auf Ophrys basilissa (mittleres Bild) war die Sandbiene (Andrena cf. bimaculata nach Prof. H. Paulus) eher zu klein um Pollinien zu entnehmen. Diese wird regulär von der dicken Pelzbiene Antophora subterranea bestäubt (nach Prof. H. Paulus). Ein Bestäuber der endemischen Ophrys creticola war bisher nicht bekannt. Es ist aber davon auszugehen, dass diese Beobachtung nicht die Regel sondern eine besonders seltene Ausnahme ist. Möglicherweise vermischen sich die Düfte verschiedener Arten, wenn sie nahe beieinander stehen, sodass das Insekt verwirrt wird. Ist es erst einmal gelandet, scheint es sich nicht mehr an Gerüchen zu orientieren. So entstehen natürliche Bastarde.
     O cf fusc + bee Kopie.jpg (54101 Byte)                  O cf fusca + bee Kopie.jpg (55716 Byte)                 O cf fusca + beetot Kopie.jpg (215080 Byte)  

In Süditalien wurde eine früh blühende Ophrys aus dem fusca - Komplex gefunden, die außerordentlich guten Fruchtansatz zeigte (Bergwiesen auf ca. 1000 m NN s Potenza, 17.5.2006), es waren nämlich 103 von 109 Blüten bestäubt. Bei einem weiteren Besuch am 20.4.2006 wurden die Pflanzen in bester Blüte angetroffen, wobei einige Bienenmännchen bei der Pseudokopulation beobachtet und fotografiert wurden. Ein weiteres Bienenmännchen mit Pollinien am Hinterleib konnte in einem Spinnennetz in der Blattrosette einer Pflanze tot geborgen werden. Im Gegensatz zu den anderen beobachteten Tieren war es schwarz (rechtes Bild). Vermutlich handelt es sich bei den Bienen um Andrena flavipes, das schwarze Tier dürfte ein abgeflogenes, altes Männchen sein. 

Da die Ragwurz in den meisten Exemplaren Ophrys leucadica ähnelt, dürfte es sich hierbei um den Erstnachweis dieser Art in Italien handeln. In tiefen Lagen kann man hier auch eine weitere Sippe finden, die von Andrena flavipes bestäubt wird, nämlich O. bilunulata. Diese zeichnet sich durch kleinere Blüten und eine flachere, waagrecht abstehende Lippe aus (Grottaglie, blüht etwa 3 Wochen früher) und sollte eher als Unterart der zuerst beschriebenen O. leucadica geführt werden. Eine Vermischung ist aufgrund der unterschiedlichen Biotope nicht zu befürchten.

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die Falsche Schwarze Ragwurz Ophrys pseudoatrata HERTEL & PRESSER

 

Im Journal Europäische Orchideen 38 (3): 485 -  532 wird eine Ragwurz-Art aus der Basilikata (Süditalien) neu beschrieben (HERTEL & PRESSER 2006).  Ergänzend zum Artikel einige Bilder, die unter anderem die Variationsbreite zeigen.

Die neue Art fällt vor allem durch eine späte Blütezeit und dunkle Lippenfärbung auf. Sie ähnelt Ophrys incubaceae (früher O. atrata) und kommt auch selten zusammen mit ihr vor. Dann sind die Unterschiede (spätere Blütezeit, zierlicherer Wuchs, schwächere Lippenbehaarung) besonders deutlich zu erkennen.

Verbreitung: Bisher nur aus der Provinz Potenza in Süditalien (Basilikata) südlich der Stadt Potenza bekannt.

7 Fundorte, etwa 500 Pflanzen. Mit Sicherheit gibt es aber zahlreiche weitere Wuchsorte mit deutlich mehr Individuen.

Unterschiede zu verwandten Arten (trennende Merkmale fett gedruckt):

     O psat1.jpg (196445 Byte)              O psat2.jpg (56226 Byte)

links: orchideenreiche Bergwiese mit O. pseudoatrata, Calvello, 18.5.2005

rechts: O. pseudoatrata mit O. neglecta (r.), die linke Pflanze ist das Typusexemplar. Anzi, 18.5.2005

 

Ophrys pseudoatrata

Ophrys brutia

Ophrys incubacea

Ophrys passionis subsp. garganica

Ophrys promontorii

Ophrys  majellensis

mittlere Höhe

12 – 20 cm

15 – 30 cm

20 – 40 cm

20 – 40 cm

10 – 20 cm

30 – 70 cm

Farbe der seitlichen Sepalen

hell bis bräunlich grün, gelegentlich in der unteren Hälfte dunkelrot überlaufen

grün, sehr selten etwas rötlich überlaufen

grün, gelegentlich rötlich überlaufen, selten rosa

grün

grün, selten rötlich überlaufen

grün, gelegentlich  mehr oder weniger weiß bzw. rosa, selten rötlich überlaufen

Petalen

„abgeschnitten“ bis selten zugespitzt, meist dunkel überlaufen, teils etwas verbreitert

„abgeschnitten“ bis schwach zugespitzt,

hell, häufig etwas rosa

„abgeschnitten“ bis zugespitzt, meist dunkler überlaufen

„abgeschnitten“,  meist stumpf bis zugespitzt, oft  stark verbreitert, dunkler überlaufen

abgeschnittenbis stumpf, oft  stark verbreitert, oft dunkel überlaufen

meist stumpf bis zugespitzt, dunkler überlaufen

Lippenform

lang oval – rundlich

oval – rundlich

oval – rundlich

oval – rundlich

nur lang oval

oval – rundlich

Randbehaarung der Lippe

kurz bis relativ lang, gleichmäßig

lang bis auffallend lang und oft zottig

mittel bis sehr lang, oft zottig

kurz bis relativ lang, meist gleichmäßig

lang bis sehr lang, oft zottig

kurz bis mittel, selten lang, gleichmäßig

Lippenhöcker

fehlend bis angedeutet,

Schultern oft kahl

schwach – meist sehr deutlich, auf der Innenseite oft kahl

fast immer sehr deutlich,

auf der Innenseite kahl

fehlend bis angedeutet,

Schultern oft kahl

meist deutlich, auf der Innenseite kahl

meist angedeutet bis klein, Schultern oft kahl

Anhängsel

meist vorhanden und klein, meist über einer Einbuchtung

klein bis fehlend, meist über einer Einbuchtung

oft fehlend, Einbuchtung ebenfalls oft fehlend

meist vorhanden und klein, meist über einer Einbuchtung

meist vorhanden und oft klein, meist über einer Einbuchtung

meist vorhanden und klein, meist über einer Einbuchtung

Narbenkopf

eingeschnürt, seitlich oft weiß

eingeschnürt, seitlich meist weiß

eingeschnürt, fast immer weiß

eingeschnürt, seitlich oft weiß

nicht eingeschnürt, seitlich oft weiß

eingeschnürt, seitlich oft weiß

Basalfeld

meist dunkelbraun, wie die Lippe

grünlich hell orange, dunkel orange (auffallend heller als die Lippe), seltener dunkelbraun

meist dunkelbraun, wie die Lippe

meist dunkelbraun, wie die Lippe

meist dunkelbraun, wie die Lippe

dunkelbraun bis hellbraun, oft heller als die Lippe

Blütezeit im vergleichbaren Bergland

spät

 

(A) M 5 – E 5  (M 6)

früh

 

(E 3) A 4–E 4

mittel

 

(E 4) A 5 – E 5 (A 6)

früh

 

A 4 – E 4 (A 5)

früh

 

(A) M 4 – A (M) 5

sehr spät

 

(M 5) A 6 –     E 6 (M 7)

 

     O psat3.jpg (27621 Byte)    O pseudoatrata Herb.jpg (53611 Byte)  Typus

 

     O psat4.jpg (28545 Byte)           O psat5.jpg (23942 Byte)

 

     O psat8.jpg (37406 Byte)          O pseudoa Kopie.jpg (25373 Byte)

 

     O psat9.jpg (31474 Byte)          O psat6.jpg (42704 Byte)

    Fotos: Anzi, 18.5.2005, 600 m

 

Begleitorchideen: Ophrys incubaceae, Ophrys neglecta, Ophrys lucana, Anacamptis pyramidalis, Orchis morio, Orchis papilionaceae (beide Orchis-Arten völlig verblüht), Spiranthes spiralis, Serapias vomeracea und Serapias parviflora. Auf einer artenreichen Bergwiese (1050 m üNN) mit Ophrys pseudoatrata fanden sich folgende Arten: Ophrys lucana, Ophrys leucadica (Neufund für Italien), Ophrys neglecta (sehr kleinblütig), Ophrys tetraloniae, Ophrys posidonia, Ophrys holoserica (?), Ophrys lacaitae, Himantoglossum hircinum, Aceras antropophorum, Orchis simia, Orchis italica, Orchis mascula, Orchis provincialis, Orchis tridentata, Orchis morio, Orchis papilionacea, Anacamptis pyramidalis, Dactylorhiza sambucina und Coeloglossum viride.      O psat91.jpg (29803 Byte) Calvello, 18.5.2005, 1050 m
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Unbekannte Orchideen
Wenn man viel reist und Orchideen sucht, passiert es auch guten Orchideenkennern immer wieder, dass man Einzelpflanzen nicht zuordnen kann. Normalerweise hat man dann bei mehreren Pflanzen dieses Problem nicht mehr. In der Population kann man die Art meistens erkennen. Oft ähneln die Pflanzen einer bekannten Art, man hat jedoch den subjektiven Eindruck, dass sie nicht dieser Art angehören. Die Unterschiede herauszufinden ist häufig sehr schwierig. In vielen Fällen wird es sich einfach um eine besondere, regionale Ausprägung einer bekannten Sippe handeln, es könnte jedoch auch eine noch unbekannte Art sein.

 

Im Folgenden zeige ich einige Bilder von Orchideen, die ich auch trotz des Auffindens mehrerer Pflanzen nicht sicher zuordnen kann. Bei manchen Sippen hatten auch einzelne Individuen eine sehr eigene Ausprägung, die die Zugehörigkeit zu einer mir bekannten Art unwahrscheinlich macht. Sie wuchsen aber nicht in einer Population mit Pflanzen aus dem selben Formenkreis.

   Wer kann helfen? helmut.presser@web.de

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In der Chaîne d'Éstaque südlich Martigues wurde eine kleine Population einer dunkellippigen Ragwurz gefunden, die Ophrys provincialis nahe steht. Von dieser unterscheidet sie sich aber durch einen zierlichen Wuchs, die vermutlich frühere Blütezeit und das sehr dunkle Basalfeld. Es fehlt auch die typisch weiße Narbenhöhle mit dem Querstreifen und die Lippe ist meist dünn gelb gerandet. 

Begleitorchideen: Ophrys passionis (blüht etwas früher auf) und Ophrys linearis (O. pseudoscolopax, blüht etwas später auf). Von O.passionis unterscheidet sie sich durch die etwas kleineren Blüten mit kleinerer Narbenhöhle, die weißlichen Pseudoaugen und die farblich abgesetzte Lippenzeichnung.

     Südfrankreich / Côte d'Azur
                O cf provEstaque 1.jpg (26046 Byte)         O cf provEstaque 2.jpg (20099 Byte)         O cf provEstaque 3.jpg (19017 Byte)         O cf provEstaque 4.jpg (23641 Byte)                   O cf prov5 Kopie.jpg (25316 Byte)    Fotos: 24. 3. 2002
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In den Cevennen auf dem Causse Noir wurde eine auffallend variable Population einer Ragwurz gefunden, die Ophrys passionis nahesteht. Sie zeigt auch Anklänge an Ophrys incubacea. Von O. passionis unterscheidet sie sich durch die auffallende Variabilität und die späte Blütezeit (blüht nach O. aymonini auf). O. incubacea ist dagegen deutlich stärker behaart und hat meist eine andere Lippenform mit kräftigeren Höckern. Ophrys majellensis besitzt größere Blüten.

Die fragliche Sippe wächst an einem leichten Nordhang auf etwa 800 m NN zusammen mit Ophrys aymonini und O. insectifera, Orchis mascula, O. militaris und O. purpurea. Platanthera chlorantha und Dactylorhiza fuchsii stehen nicht weit entfernt. 

     Frankreich / Cevennen

                                              Fotos: 29. 5. 2002

    O cf passCN1 Kopie.jpg (17751 Byte)    O cf passCN3 Kopie.jpg (24675 Byte)   O cf passCN4 Kopie.jpg (25177 Byte)   O cf passCN6 Kopie.jpg (22677 Byte)   O cf passCN8 Kopie.jpg (22962 Byte)   O cf passCN5 Kopie.jpg (20760 Byte)          O cf passCN2 Kopie.jpg (13895 Byte)         O cf passCN7 Kopie.jpg (22704 Byte)
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In der westlichen Toskana unweit Grossetto fand in niederer Meereshöhe ich eine kleine Population einer Ophrys, die ich nicht sicher zuordnen kann. Sie steht morphologisch etwa zwischen O. garganica und O. tarquinia. Letztere blüht aber später und zeigt sich weniger bunt. O. garganica hat normalerweise eine rundlichere Lippenform und ist ebenfalls weniger farbig. Möglicherweise handelt es sich hier um eine kleine Hybridpopulation, die beiden Elternarten waren aber - zumindest in diesem Jahr - nicht auszumachen. In der Nähe standen O. sphegodes (kleinblütig, argentaria?, abblühend) und O. exaltata subsp. tyrrhenae (abblühend). Auch die fraglichen Pflanzen näherten sich dem Ende ihrer Blütezeit. Auffallend ist die rötliche Lippenfärbung.       Italien / Toscana
     O cf.tarqinia Kopie.jpg (16770 Byte)     O cf.tarqinia 3Kopie.jpg (21127 Byte)     O cf.tarqinia 2Kopie.jpg (22339 Byte)     O cf.tarqinia 1Kopie.jpg (17745 Byte)      Fotos: Grossetto, 21. 4. 06
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In Italien kann man immer wieder abweichende Formen von Ophrys garganica finden. Wie die westliche Unterart subsp. passionis ist diese Sippe sehr variabel. Interessant wird die Sache, wenn es sich um mehrere Pflanzen an einem Fundort handelt, die vom gewohnten garganica-Bild abweichen. Häufiger findet man an diesen Stellen auch gewöhnliche Ophrys garganica, die etwas später blühen. Dies traf an einem Fundort am Monte Gargano zu. In einem Biotop am Sila-Ostfuß gab es keine eindeutig anzusprechende subsp. garganica. Hier war Ophrys brutia am Abblühen. Möglicherweise handelt es sich einfach um Einflüsse von anderen Arten, was aber vor Ort nicht auszumachen war. 

Am Monte Etna dagegen wurde eine Mischpopulation von O. passionis subsp. garganica und O. incubaceae gefunden, in der zahlreiche Bastardformen (mit Rückkreuzungsprodukten?) wuchsen.

      Italien / Monte Gargano / La Sila
O cf garg  Kopie.jpg (21579 Byte)   O cf garg5 Kopie.jpg (29017 Byte)   O cf garg2 Kopie.jpg (27592 Byte)   O cf garg1 Kopie.jpg (25158 Byte)                 O cf gargSila4 Kopie.jpg (18198 Byte)   O cf garga Sila Kopie.jpg (16622 Byte)

Fotos: Monte Gargano, Manfredonia, 6. 4. 2004                                                         Fotos: La Sila, Carfizzi, 9. 4. 2004

O cf gargSila3 Kopie.jpg (25138 Byte)   O cf gargSila Kopie.jpg (27915 Byte)  

 

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An der Westflanke des Ätna auf Sizilien wurde eine Population einer relativ kleinblütige Ragwurz aus der Ophrys fusca - Gruppe in etwa 800 m NN gefunden. Sie blüht ungefähr zeitgleich mit der auf Sizilien endemischen Ophrys obaesa und hat auch in etwa deren Lippenlänge. Allerdings fehlt ihr die violett getönte Behaarung und der typische Buckel vor dem Lippenende. Die Unterseite ist teils rot gefäbt. Die Lippe besitzt häufiger einen dünnen gelben Rand. Möglicherweise handelt es sich hier um O. caesiella, die aber normalerweise meeresnah vorkommt und dort schon ab Ende Februar blüht. Der Wuchs ist in diesen Biotopen zierlicher. Auch sind die Blüten geringfügig kleiner. Eine rote Lippenunterseite ist nicht bekannt.

       Sizilien / Monte Etna
O cf caesEtna1 Kopie.jpg (15986 Byte)   O cf caesEtna2 Kopie.jpg (17856 Byte)   O cf caesEtna3 Kopie.jpg (18450 Byte)   O cf caesEtna4 Kopie.jpg (19404 Byte)   O cf caesEtna6 Kopie.jpg (23237 Byte)   O cf caesEtna7 Kopie.jpg (24333 Byte)    O cf caesEtna5 Kopie.jpg (27371 Byte)  Fotos: Bronte, 15. 4. 2004,
                               alle aus einer Population
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Die Ophrys subfusca-Gruppe (steht optisch zwischen fusca und lutea) ist besonders schwierig. Auf Sizilien kommen mehrere Sippen aus dieser Gruppe vor. Am Monte Lauro im Westen Siziliens findet man in etwa 800 m NN auf leicht basisch reagierendem Basalt sehr variable Pflanzen, die ich nicht eindeutig zuordnen kann. Sie blühen etwas nach Ophrys sicula auf, die etwas kleinere und häufig waagrechter gestellte Blüten hat. Allerdings scheint neben O. sicula noch eine weitere, äußerst ähnliche, etwas später blühende Sippe mit hängenden Blüten auf Sizilien zu wachsen (Ophrys corsica?). Pflanzen mit einem breiten gelben Lippenrand erinnern besonders an die afrikanische Ophrys battandieri, die inzwischen auch in Süd-Portugal erkannt wurde (Wucherpfennig 2007). Manche Exemplare der fraglichen Sippe ähneln auffallend dem sizilianischen Endemiten Ophrys archimedea, zu der sie möglicherweise zu stellen ist. Viele Blüten wirken allerdings ganz anders.

 

       Sizilien / Monte Lauro
O cf archi Buccheri1 Kopie.jpg (15869 Byte)  O cf archi Buccheri3 Kopie.jpg (22794 Byte)  O cf archi Buccheri4 Kopie.jpg (21279 Byte)  O cf archi Buccheri5 Kopie.jpg (22216 Byte)  O cf archi Buccheri2 Kopie.jpg (25318 Byte)  O cf archi Buccheri7 Kopie.jpg (19933 Byte)  O cf archi Buccheri8 Kopie.jpg (23006 Byte)      O cf archi Buccheri6 Kopie.jpg (19468 Byte) Fotos: Buccheri 17. 4. 2006, 
                                alle aus einer Population
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Auch bei Ficuzza (Palermo) wachsen Pflanzen aus dieser Gruppe, die sogar noch stärker variieren. Manche Exemplare sind hier nicht eindeutig von O.sicula / corsica zu unterscheiden. Beide Sippen scheinen hier ineinander überzugehen. Die fraglichen Pflanzen werden von manchen Autoren zu der aus Nordafrika beschriebenen Ophrys numida gestellt. Offenbar handelt es sich bei Ophrys numida jedoch um Ophrys subfusca, die unter diesem Namen ein 2. Mal beschrieben wurde. Der Name wäre somit ungültig. Manche Exemplare ähneln der von Sardinien beschriebenen Ophrys lepida. Andere weichen von diesem Erscheinungsbild aber stark ab.     Sizilien / Ficuzza
O cf lepiFicuzza7 Kopie.jpg (17459 Byte)  O cf lepiFicuzza1 Kopie.jpg (23189 Byte)  O cf lepiFicuzza2 Kopie.jpg (16523 Byte)  O cf lepiFicuzza3 Kopie.jpg (21008 Byte)  O cf lepiFicuzza8 Kopie.jpg (19011 Byte)  O cf lepiFicuzza4 Kopie.jpg (23955 Byte)  O cf lepiFicuzza5 Kopie.jpg (19395 Byte)    O cf lepiFicuzza6 Kopie.jpg (26474 Byte) Fotos: Ficuzza 11. 4. 2004
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Im Bergland Kataloniens kann man Ende Mai - Mitte Juni eine eher kleinblütige Ragwurz aus dem Ophrys scolopax - Formenkreis finden. Sie ist nicht selten und kommt offenbar auch in den Südostpyrenäen vor (um Roncal). Die Blüte ist kleiner als die von O. scolopax (also deutlich kleiner als die zur selben Zeit in tieferen Lagen blühende O. corbariensis), häufig aber etwas bauchiger. Das Mal ist verhältnismäßig ausgedehnt. Ophrys picta ist noch kleiner in der Blüte, die Petalen sind schmäler. Die fragliche Sippe blüht relativ spät; die ersten Blüten öffnen sich etwa beim Abblühen von Ophrys catalaunica, die öfters an den selben Stellen zu finden ist.      Spanien, Katalonien
   O cf vetula1 Kopie.jpg (42765 Byte)   O cf vetula2 Kopie.jpg (20479 Byte)   O cf vetula3 Kopie.jpg (18263 Byte)    O cf vetula4 Kopie.jpg (18878 Byte)   O cf vetula5 Kopie.jpg (25004 Byte)   O cf vetula6 Kopie.jpg (31661 Byte)      Fotos: Katalonien, Vic, 27. 5. 2007
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Ebenfalls im Bergland Kataloniens fand ich eine kleine Population einer noch etwas kleinblütigeren Ophrys scolopax s.l., die geringfügig früher blühte, also etwa kurz nach der dort vorkommenden Ophrys catalaunica. Orchis ustulata blühte zur selben Zeit. Auffallend war neben der kleinen Lippe der Narbenkopf, der im Vergleich zur Lippe eigentlich zu groß ist. Insgesamt standen auf einer kleinen Wiese nur 8 Pflanzen, die bei einem 2. Besuch nach einigen Jahren nicht aufzufinden waren. Insgesamt war der Biotop beim 2. Besuch durch Brache und Fahrspuren deutlich schlechter als beim ersten Besuch, sodass befürchtet werden muss, dass die Pflanzen auf Dauer verschwunden sind. Ophrys picta hat eine etwa gleichlange Lippe, die allerdings etwas schlanker ist (und so länglich wirkt) und den passenden Narbenkopf dazu. Die Petalen sind länger.     Spanien, Katalonien
          O scol kl Cat1 Kopie.jpg (49055 Byte)           O scol kl Cat2 Kopie.jpg (32258 Byte)           O scol kl Cat3 Kopie.jpg (62554 Byte)           O scol kl Cat4 Kopie.jpg (86906 Byte)      Fotos: Katalonien, W Sant Quirze, 20. 5. 2002
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Auf Mallorca wurden schon von verschiedenen Autoren zwei getrennte Blühschübe von Anacamptis pyramidalis gemeldet. Der erste Schub blüht auffallend früh, etwa von Mitte oder Ende März an bis Mitte / Ende April. Meist findet man die Pflanzen in niederen Lagen, normalerweise meeresnah. An der Südseite existieren recht große Populationen. Die Pflanzen fallen durch eine sehr variable, helle Blütenfärbung auf (das gewohnte, kräftige Rosa der Pflanzen südlicher Regionen wird nur selten erreicht). Zudem ist der Blütenstand kurz und aufgeblüht kugelig bis lang eiförmig. Die Blüten sind recht groß, was sie von der ebenfalls früh blühenden maltesischen subsp. urvilleana und der südosteuropäischen subsp. brachystachys klar unterscheidet. Möglicherweise sind die beiden letztgenannten Taxa ein und dasselbe. Es scheint sich also bei der Mallorca-Sippe um eine weitere, regionale Unterart zu handeln. Ihr Verbreitungsgebiet ist noch nicht klar, sie kommt aber nicht auf allen Balearen-Inseln vor. Auf Sardinien wurden ähnliche Pflanzen gesehen.

Der 2. Schub von Anacamptis pyramidalis beginnt in niederen und warmen Lagen etwa Anfang Mai mit der Blüte. Zur Blütezeit des 1. Schubs zeigt sich in vergleichbaren Biotopen noch nicht einmal ein hochtreibender Blütenstand. Die Farbe ist das gewohnte kräftige Rosa, fast oder völlig weiße Blüten sind selten. 

     Mallorca
   A py frühMall1 Kopie.jpg (37962 Byte)   A py frühMall3 Kopie.jpg (26687 Byte)   A py frühMall5 Kopie.jpg (19329 Byte)   A py frühMall2 Kopie.jpg (20449 Byte)   A py frühMall4 Kopie.jpg (24176 Byte)    A py frühMall8 Kopie.jpg (37774 Byte)       A py frühMall6 Kopie.jpg (25987 Byte)        A py frühMall7 Kopie.jpg (24019 Byte)            Fotos: Mallorca, Cala Figuera, 3. 4. 2007
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Auf Mallorca wurden schon von verschiedenen Autoren Übergangssippen von Ophrys dyris und Ophrys lupercalis (fusca) gemeldet. Auch ich sah solche Populationen (hauptsächlich im Süden der Insel), allerdings ohne eindeutige Pflanzen der einen oder der anderen Art. In der Tat waren die Populationen aber sehr vielgestaltig und manche Pflanzen näherten sich den genannten Arten an. Da nun einmal die Bestäuber beider Arten unterschiedlich sein sollten und Übergangssippen meines Wissens vom Festland auch bei gemeinsamem Vorkommen nicht bekannt sind, vermute ich, dass es sich bei den mallorquinischen Pflanzen um eine eigene Art (vermutlich hybridogen) handelt, die sich vielleicht einen eigenen Bestäuber erschlossen hat. Vielleicht ist es eine weitere endemische Art der Balearen.

Um Ophrys vasconica, die ja auch hybridogenen Ursprungs sein soll, handelt es sich allerdings nicht, diese unterscheidet sich von den mallorquinischen Pflanzen u.a. durch eine geringere Lippenlänge und eine stärkere Behaarung. Auch Ophrys dyris ist normalerweise stärker behaart.

Völlig eindeutige Ophrys dyris sah ich übrigens auf Mallorca nicht, andere Autoren nennen diese jedoch. 

     Mallorca
   O dyrisfusca Mall1 Kopie.jpg (75935 Byte)   O dyrisfusca Mall3 Kopie.jpg (18481 Byte)   O dyrisfusca Mall4 Kopie.jpg (19259 Byte)   O dyrisfusca Mall5 Kopie.jpg (24280 Byte)   O dyrisfusca Mall6 Kopie.jpg (20281 Byte)  O dyrisfusca Mall7 Kopie.jpg (19590 Byte)                   O dyrisfusca Mall2 Kopie.jpg (14146 Byte)

Fotos: Mallorca, Cala Tropicana, 11. 4. 2007, alle aus einem Biotop

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Von dem Griechen Spyridon Tsiftsis wurde vor wenigen Jahren eine kleine Population einer relativ kleinblütigen Ragwurz aus dem Ophrys sphegodes- (besser: O. mammosa-) Formenkreis gefunden. Als ich sie 2004 besichtigte, waren die meisten Pflanzen abgefressen; nur eine hatte gerade eine Blüte geöffnet. Einige Tage später waren es schon 3 Blüten. Sie entsprachen denen vom Vorjahr (Bildmaterial Tsiftsis) und waren bemerkenswert uniform. Am ehesten erinnerte die Blüte an Ophrys gortynia, die jedoch als kretischer Endemit gilt.  Der Fundort war ein Straßengraben mit frischem Untergrund. Sie blüht etwa zeitgleich mit Ophrys zeusii, also relativ spät, etwa beim Abblühen von Serapias vomeraceae      
          O cf gortN-GR1 Kopie.jpg (47789 Byte)           O cf gortN-GR3 Kopie.jpg (16842 Byte)           O cf gortN-GR4 Kopie.jpg (24459 Byte)           O cf gortN-GR2 Kopie.jpg (23956 Byte)       Nord  - Griechenland

      Fotos: Paranesti, 4. 6. 2004

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An einem Osthang im Grammoz-Gebirge in relativ niedriger Höhe fand ich bei knospenden bis aufblühenden Himantoglossum caprinum einige Pflanzen einer recht kleinblütige Ragwurz mit ziemlich runden Lippen im Abblühen. Sie ähnelt am ehesten Ophrys epirotica, die ja ebenfalls spät blüht, aber deutlich größere Blüten haben müsste. Der Standort war mager und ziemlich trocken, die Pflanzen aber noch einigermaßen frisch. Eine 2. Population fand ich dann auf etwas frischerem Boden zwischen Orchis coriophora subsp. coriophora, die sich in Hochblüte befand. Hier waren einige Ophrys-Individuen schon völlig verblüht. Die Blüten waren nicht nur kleiner, sondern auch variabler als man es von Ophrys epirotica gewöhnt ist. Entfernte Ähnlichkeit hatte die Sippe auch mit der neu beschriebenen O. hansreinhardii, die allerdings als frühblühend gilt.         Nord  - Griechenland / Grammoz
          O cf hansreinh1 Kopie.jpg (27964 Byte)   O cf hansreinh2 Kopie.jpg (24813 Byte)   O cf hansreinh5 Kopie.jpg (40554 Byte)   O cf hansreinh6 Kopie.jpg (36715 Byte)   O cf hansreinh3 Kopie.jpg (35032 Byte)   O cf hansreinh4 Kopie.jpg (36728 Byte)         Fotos: GR, Hrissi, 9. 6. 2003
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In Nordwest - Griechenland scheint neben Ophrys zeusii und O. epirotica noch eine dritte, später blühende "sphegodes" - Sippe zu existieren. Man findet sie in teils reichen Populationen v. a. zwischen Igoumenitsa und der Vikos - Schlucht. Kleinere Vorkommen reichen im Süden bis nahe an den Golf von Korinth. Gemeint ist hier nicht "O. negadensis", die halte ich aufgrund der frühen Blütezeit und der morphologischen Merkmale für ein Synonym von O. exaltata subsp. cephalonica. Die fragliche Sippe zeigt meist einen deutlichen gelben Rand und steht besonders O. epirotica nahe, allerdings ist die Lippenform weniger gleichmäßig gewölbt. Möglicherweise ist sie aber nur eine örtliche Ausprägung dieser Art und die Beschreibung von O. epirotica müsste erweitert werden. Sie blüht kaum vor Orchis coriophora subsp. fragrans im selben Biotop auf, die typischen, flachlippigen epirotica - Ausformungen findet man in diesen Populationen allerdings kaum. Manche Pflanzen vermitteln zu O. hystera, die aber normalerweise großblütiger ist und noch später aufblüht.           Nordwest  - Griechenland
     O epir zeus Vikos Kopie.jpg (26769 Byte)     O epir zeus1 Kopie.jpg (18653 Byte)     O epir zeus 3 Kopie.jpg (18572 Byte)     O epir zeus Nafpaktos Kopie.jpg (23130 Byte)     O epir zeus2 Kopie.jpg (18324 Byte)     Fotos v.l.n.r.: Vikos, 8. 6. 03

                         2 x Joannina, 1. 6. 06

                          Nafpaktos, 19. 5. 05

                          Joannina, 1. 6. 06

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Im Taigetos, dem hohen Kalkgebirge im Süden des Peloponnes (S - GR) kann man Anfang bis Ende Mai eine Ragwurz finden, die Ophrys zeusii ähnelt. Allerdings stimmt die Lippenform nicht und die Narbenhöhle ist etwas schmäler. Die Lippengrundfarbe ist dunkler, ein gelber Rand ist nur angedeutet. Sie wächst sonnig bis schattig im Tannenwald auf 1300 m Höhe und blüht auf, wenn O. sicula (die einzige weitere Ophrys dort) gerade verblüht ist. Himantoglossum caprinum zeigt an selber Stelle einen ca. 10 - 20 cm hohen Trieb. O. zeusii wäre in dieser Lage eher noch in Knospe. Die Blütengröße entspricht etwa O. mammosa, der sie auch ähnelt. Die Lippen sind also groß. Relativ eigen ist der weißliche, schlanken Narbenkopf, der etwas an O. aesculapii erinnert. Ähnlich ist auch O. epirotica, die aber etwas kleinere, hellere Lippen mit einem normalerweise deutlichem gelben Rand besitzt und einen breiten Narbenkopf hat.           Süd - Griechenland / Taigetos
     O taig6 Kopie.jpg (65266 Byte)     O taig5 Kopie.jpg (55243 Byte)     O taig3 Kopie.jpg (56050 Byte)     O taig11 Kopie.jpg (57286 Byte)     O taig7 Kopie.jpg (48555 Byte)           Fotos: Taigetos, 14. 5. 08
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  O.phrygia?          Süd - Griechenland / Peloponnes 
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Der Ophrys-sphegodes-mammosa-Komplex in Griechenland ist bisher noch nicht befriedigend geklärt, zu ähnlich sind sich die verschiedenen Sippen bei gleichzeitiger großer Variabilität. Auf der Insel Euböa fand ich eine kleine Population von sphegodes-ähnlichen Pflanzen mit relativ kleinen Blüten (deutlich kleinere Lippen als mitteleuropäische Ophrys sphegodes). Sie wuchsen in Tallage auf einer Lichtung in einem dichteren Kiefernwald mit relativ hoher Luftfeuchtigkeit. Die meisten Pflanzen waren Mitte April schon am Ende der Blütezeit oder völlig verblüht, was bei 100 m NN nicht gerade auf eine allzu frühe Blütezeit schließen lässt. Verblühte Pflanzen, die ebenfalls zu dieser Sippe gehören könnten, sah ich noch an mehreren Stellen auf dieser Insel. Auffallend war das relativ deutliche Anhängsel an der kleinen Lippe. Das Basalfeld war kaum heller als die übrige Lippenfarbe. Die Pflanzen waren zierlich, aber bis deutlich über 30 cm hoch.

Ähnliche Pflanzen sind von der Insel Samos als Ophrys herae beschrieben. Laut HIRTH, einer der beiden Autoren, die die Art beschrieben haben, sind die Pflanzen von Euböa aber nicht mit O. herae identisch. Ähnlich ist auch O. grammica, die aber deutlich größere Blüten besitzt.

           Griechenland / Insel Euböa
   O cf herae1 Kopie.jpg (23358 Byte)       O cf herae2 Kopie.jpg (21069 Byte)       O cf herae3 Kopie.jpg (22798 Byte)      O cf herae4 Kopie.jpg (27634 Byte)  rechtes Foto 2:1 auf dem Dia         Fotos: Euböa, Kehries, 12. 4. 98
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Auf Lefkas wurde in einem trockenen, steinigen Tal mit vielen Säulenzypressen eine kleinblütige Ragwurz aus dem Ophrys sphegodes - Formenkreis gefunden. Es war leider nur ein Exemplar und stand südorientiert. Am Gegenhang gab es reichlicher Orchideen: Ophrys cf. herae fast verblüht, O. exaltata subsp. cephalonica fast verblüht, Orchis italica blühend bis abblühend. Neben den kleinen Blüten der kräftigen Pflanze fiel der relativ späte Blütezeitpunkt und die flache Lippenform auf. Am Tag zuvor waren auf der Insel Korfu die unterschiedlichsten sphegodes-Pflanzen gesehen worden. Sie befanden sich fast ausschließlich am Ende ihrer Blütezeit. An vergleichbaren Stellen waren sie bereits verblüht.         Griechenland / Insel Lefkas
          O cf sph oodLefk1 Kopie.jpg (55946 Byte)             O cf sph oodLefk Kopie.jpg (24021 Byte)             O cf sph oodLefk2 Kopie.jpg (28091 Byte)             O cf sph oodLefk3 Kopie.jpg (36202 Byte)      Fotos: Lefkas, Drimenas, 17. 4. 2003
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Auf Zypern gibt es nach übereinstimmenden Aussagen aus dem fusca-Formenkreis neben Ophrys iricolor nur Ophrys cinerophila und Ophrys israelitica. Stellenweise kamen mir die Pflanzen für O. cinerophila aber zu großblütig und flach (ausgebreitet) vor. O. israelitica besitzt eine deutlich schwächere Kerbe als die fraglichen Pflanzen. Als erstes berichtete mir B.TENSCHERT  von den Abweichungen. Prof.  H. PAULUS hält nach Fotos die bisher für O. cinerophila.          Griechenland / Insel Zypern
  O cf cinCY1 Kopie.jpg (16191 Byte)  O cf cinCY2 öLemesos Kopie.jpg (15539 Byte)  O cf cinCY3 Kopie.jpg (21088 Byte)  O cf cinCY4 Kopie 2.jpg (22301 Byte)  O cf cinCY5 Akamas Kopie.jpg (17960 Byte)  O cf cinCY6 2zu1 Kopie.jpg (31727 Byte)    Fotos: Zypern, Tochni, 27. 2. 06

    Akamas (Albino), 29. 2. 06

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In den Pyrenäen sind in Hochlagen auf französischer Seite Feuchtbiotope mit Dactylorhiza-Arten keine Seltenheit. Man findet hier D. maculata, D. majalis subsp. alpestris, D. fuchsii, angeblich auch D. maculata subsp. savogiensis und D. maculata subsp. caramulensis. Zumindest auf spanischer Seite kommt noch D. elata hinzu. Die Zuordnung einzelner Pflanzen fällt nicht immer leicht, Hybriden sind keine Seltenheit. Aus diesem Konglomerat heraus hat KREUTZ 2007 noch eine Übergangsform als D. maculata subsp. pyrenaica beschrieben. Im Juli (je nach Witterung bis in den August hinein) kann man aber noch eine relativ kleinblütige Sippe finden, deren Status unklar ist. Die kleineren, kräftig gefärbten Blüten lassen eine Zugehörigkeit zu D. lapponica vermuten, die häufig schmalen, gekielten Blätter und die vorgezogene Lippenspitze, sowie der teils lange Sporn bringen D. traunsteineri s.l. in Betracht. Die Pflanzen sind relativ zierlich (ca. 15 cm hoch), die Blattfleckung ist häufig reduziert.          Frankreich / östliche Pyrenäen
   D lappPy1 Kopie.jpg (43175 Byte)    D lappPy2 Kopie.jpg (32083 Byte)    D lappPy3 Kopie.jpg (29912 Byte)    D lappPy4 Kopie.jpg (26375 Byte)    D lappPy5 Kopie.jpg (53256 Byte)    D lappPy6 Kopie.jpg (33813 Byte) Fotos: F, Pyrenäen nahe Col du Soulor, 2. 8. 2007, Col du Somport, 8. 8. 2007

Aufgrund der fortgeschrittenen Jahreszeit konnten leider nur die letzten Exemplare begutachtet werden.

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                                                                                       weitere Sippen in Arbeit      to be continued